Mittwoch, 29. Dezember 2010

Meine Alpenabenteuer/Teil 4.

16. Mai 2005 Ehrwald

Wir haben schon ungeduldig auf den Frühling gewartet, damit wir Ausflüge machen könnten. Wir sind wegen unserer Unerfahrenheit in eine komische Situation geraten. Kein Problem, der Mensch lernt aus seinen eigenen Fehlern.

An diesem schönen, lauwarmen Pfingstmontag machen wir uns auf den Weg nach Ehrwald. Seit wir im Februar hier waren, hat es uns nicht in Ruhe gelassen, in welche Richtungen ab dort die Wanderwege gehen. Aus Ehrwald fahren wir mit der Seilbahn auf die Ehrwalder Alm, die auf 1500 Höhenmeter liegt. Als wir aussteigen, schrecken uns ein bißchen die kleinen Schneeflecken ab, da unser Ziel der auf 1874 Höhenmetern gelegene Drachensee ist. Wir gehen auf einem matschigen Pfad los. Zuerst müssen wir einen kleineren Berg umgehen, damit wir dem Geißbach folgend auf die Seeben Alm herankönnen, und dann später  von dort weiter.


Kaum laufen wir paar hundert Meter, als der Pfad vor uns dick mit Schnee bedeckt ist. Kein Problem (denken wir), wir werden dort auch weitergehen, weil wir denken, es wird nur dieses Stück so schneeig sein, und dann geht es wieder normal weiter. Wir hatten bis jetzt wirklich noch keine Ahnung davon, daß es im Mai noch so großen Schnee geben  kann. Wir haben Turnschuhe an, wir sind Anfänger beim Wandern. Uns holen  zwei Kerle und eine Frau in Skianzügen ein. Sie haben Snowboards mit dabei. Sie starren unsere Schuhe an, und machen sich über uns lustig. Sie sagen, kann nicht unser ernst sein, daß wir so von hier sonstwohin noch weitergehen wollen. Sie lachen uns aus, als wir sagen, doch, wir wollen weiter. Wir verstehen noch immer nicht, warum sie uns so kritisieren.  Nach einer Zeit hört der Schnee auf dem Pfad gar nicht mehr auf, sondern wird immer mehr und tiefer. Langsam fangen unsere Turnschuhe durchzunässen an, aber wir marschieren weiter. Bei einer Abzweigung sehen wir, daß sie in ihren Skianzüge dort abgekehrt sind, also machen wir es auch so. Sie laufen total schnell, während einigen Augenblicken verschwinden sich vor unseren Augen. Im dichten Wald wird der Schnee immer tiefer. Vernünftige Menschen würden hier nicht weitergehen, geschweige denn so angezogen, wie wir sind. Wir sehen langsam ein, es gibt kein weiter, aber eine grenzenlose Gier ist in uns, daß wir den in Katalogbildern gesehenen Gebirgssee sehen können. Wir denken ständig, es kann nicht mehr viel sein, und kämpfen uns weiter in dem immer tieferen Schnee. Hier gibt es keine Spur von irgendeinem Pfad mehr, wir irren nur im Wald herum, versuchen den Spuren "der Kollegen" zu folgen. Wenn sie hier gehen können, können wir es auch - und fertig! Sind nicht nur unsere Schuhe durchgenässt, sondern unsere Socken und unsere Hosen sind auch pitsch naß. Blindwütig gehen wir weiter.  Ich kann es nicht beschreiben, was uns so treibt. Irgendwo schwellt auch Angst in mir an, der Wald ist ausgestorben, wir haben keine Ahnung davon, wo wir laufen, wohin wir gelangen,  manchmal  wiederhallen sich rätselhafte Töne. Es ist einfach unheimlich. Nachher kommen wir endlich aus dem Wald auf eine Wiese. Dort empfängt uns durchgehendes Schneefeld, wir können es nicht wissen, was darunter liegt, trotzdem überqueren wir es. Einmal plumpsen wir bis zum Knie hinein. Ich weiß nicht mehr, was wir uns von dem Weitergang erwarten. Wie könnte es oben weniger Schnee sein, als hier? Vernünftige Menschen hätten  schon längst umgedreht. Nach der Wiese gehen wir noch ein Stück und auf einmal erblicken wir das Dach der Hütte. Dort werden wir dann uns hinsetzen, aufwärmen, essen und trinken. Wir können uns ihr kaum nähern, da hier noch größerer Schnee den Boden bedeckt. Wieso konnten wir so naiv sein? Die Hütte ist geschloßen, vor ihrer Tür langt der Schnee bis auf Brusthöhe. Die Holztische kann man gerade noch unter dem Schnee erahnen. Hier treffen wir uns wieder mit den drei "Skianzügen". Sie machen wieder spöttische lustige Bemerkungen über uns. Wir essen Sandwiches und trinken unsere Getränke und wir glauben noch immer daran, daß wir bis zum Drachensee hochgelangen können. Wo wir jetzt sind, heißt Seeben Alm und liegt auf 1575 Meter. Die Skianzüge gehen weiter, kurz darauf gehen wir auch auf ihren Spuren los. Hiervon  ist das Gelände fast schon unbegehbar. Tief und durchgehend ist der Schnee, oft plumpsen wir bis zum Oberschenkel hinein. Mancherorts sehen wir Fußspuren von Tieren: von Hufigen, Hasen und großem Hund. Während wir nur langsam vorankommen, die roten Skianzüge "der Kollegen" sehen wir schon auf dem gegenüberen steilen Hang. Stöhnend und jämmerlich kommen wir endlich zu dem Seebensee an, dessen Wasser halb zugefroren ist. Wir sind jetzt auf 1700 Meter Höhe.


Wir müssen es einsehen, es gibt kein weiter. Traurig sezten wir uns auf eine Bank, ziehen unsere Schuhe aus, drücken das Wasser aus unseren Socken aus, dann ziehen wir alles wieder an, und enttäuscht gehen wir zurück.


Unterwegs treffen uns zwei, mit ihren Hunden spazierende Menschen. Also, andere kommen auch hierher, sind nicht nur wir durchgeknallt, es beruhigt uns, daß es doch nicht so hirnloses Ding war hier raufzukommen. Währenddessen "die skianzügigen Kollegen" rasen schon auf dem Berghang abwärts mit ihren Snowboards. Da abwärts uns keinerlei Sehnsucht mehr treibt, dieser Weg ist noch qualvoller, als es aufwärts war. Unsere Schuhe patschen und unsere Füße frieren sehr.

Wir wollen ganz schnell runter, da wir jetzt keinen Spaß mehr an dem Ganzen haben und werden bestimmt krank sein. Bei einer Abzweigung entscheiden wir uns, daß wir noch den Igelsee anschauen wollen. Er ist nicht weit, aber wir müssen wieder durch viel Schnee. Der See ist klein und grün. Wo kein Schnee mehr liegt, dort ist die Wiese voll mit Krokussen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Krokusse wild gewachsen gesehen.  


Auf dem Nordufer des Sees liegt kaum mehr Schnee, weil die Sonne aus Süden über den Bergen dahinscheinen kann. Hinter dem Südufer ragen die hohen Berge. Wir essen unsere Sandwiches auf einem Stein sitzend und werden auf Gedröhne aufmerksam. Wir wissen nicht, was das ist, wir drehen uns um und sehen als auf dem gegenüberen Hang eine Lawine runterrennt. Ich kriege Panik. Nicht weil wir jetzt in Gefahr wären, sondern, da mir einfällt, daß wir vor etwa 2-3 Stunden gerade unter dieser Felswand im Wald herumgeirrt sind. Ich denke mich hinein, daß uns dort locker was passieren hätte können. Ich bin böse auf uns. Ich sehe erst jetzt ein, wie unverantwortlich und hirnlos wir waren. 

Wir kommen zu der Seilbahn zurück, aber wir haben nicht daran gedacht, wie lang sie im Betrieb ist. Sie fährt nicht mehr. Wir müssen noch 500 Höhenmeter von dem Berg runter. Der Weg schein unendlich zu sein. Zum Glück im Auto haben wir Wechselkleidung. 

19. Juni 2005 Fünf-Seen Tour: Tegernsee, Schliersee, Spitzingsee, Achensee, Sylvenstein Speichersee

Wir planen eine Fahrradtour bei einem See in Oberbayern, aber wir können noch nicht entescheiden, bei welchem. Wir fahren zuerst zum Tegernsee. Wir haben schönes Wetter. Wir schauen erst eine größere Siedlung an, und dann gefällt es uns hier nicht, ist irgendwie zu touristisch, obwohl der Radlweg um den See gut ausgebaut ist, haben keine Lust hier zu radln. Wir möchten ein bißchen was originaleres, keinen Betonweg, nur einen Pfad durch den Wald. Deshalb fahren wir weiter. 


Wir gucken in die Landkarte, was es in der Nähe gibt und fahren zum 12 km weit entfernten Schliersee. Hier packen wir die Fahrräder von dem Autodach runter und fahren eine Runde um den See. Aber da der See sehr klein ist, dauert unsere Tour auch nicht lange. Wir fahren weiter, Richtung Bayrischzell. Dann machen wir einen Abstecher zum Spitzingsee, da ich Seen so sehr liebe, möchte ich ihn auch gerne sehen. Der winzige See liegt in der aller schönsten Umgebung im Gegensatz zu den Anderen. Hier könnte man wandern, aber im Parkplatz wird Parkgebühr verlangt und so was brauchen wir nicht. Lieber fahren wir zu den Österreichern weiter. Unsere nächste Station ist Kufstein. Charmante Stadt, aber diesmal steigen wir hier nicht aus. Wir fahren zum, von hier ca. 30 km südwestlich liegenden Jenbach, und dortvon weiter zum Achensee. 


Der Achensee liegt auch zwischen traumhaft schönen Bergkulissen. Wir lassen das Auto an einem Parkplatz und machen eine Radltour um den südlichen Zipfel des Sees. Hier gefällt es uns sehr gut. Nachher fahren wir Richtung deutscher Grenze, durch einen engen Paß, den Achenpaß zum Sylverstein-Speichersee. Natürlich  ist er auch wunderschön und in dieser Umgebung könnte man auch tolle Wanderungen machen. Auf dem Heimweg pflücken wir Erdbeeren auf einem Feld in der Nähe von Bad Tölz. Es war ein wunderschöner Tag!


28. Juni 2005 - Barmsee, Finzbachklamm, Wallgau, Grubsee

Der nächste eintägige Ausflug. Diese Toueren plane ich ganz einfach so, daß ich unsere Freytag&Berndt Wanderkarte hernehme, und so lange drin rumsuche, bis ich möglicherweise einen Rundwanderweg finde. Ja, und natürlich ein Plus Punkt, wenn auch ein See in der Nähe liegt. Östlich liegend von Garmisch-Partenkirchen gibt es mehrere kleine Seechen. So ist unser erste Ziel heute der Barmsee. Wir parken in der Nähe von ihm und fahren mit den Fahrräder bis zum See (bzw. noch ein Stück entlang des Ufers). Wir möchten heute gerne eine größere Fahrradtour machen, aber zuerst möchten wir die kleine Finzbachklamm anschauen. Dorthin führt aber nur ein schmaler, steiler, und mit Baumwurzeln durchgewachsener Pfad, er ist mit Fahrräder unbefahrbar. Da wir keine Lust haben umzudrehen, gehen wir zu Fuß weiter. Die Klamm selber ist sehr kurz, danach müssen wir über einen steilen Pfad auf den Berghang rauf.


Wir kommen abgekämpft zu einem Jägerstand an, ab hier können wir auf der breiten Schotterpiste weiterlaufen, wo wir eigentlich ursprünglich mit den Fahrrädern hin wollten. Zu Fuß ist hier ein bißchen langweilig, da diese Piste sich ewig kilometerlang schlängelt. Dann kommen wir auf einer Alm an, wo sich zwei Bäche treffen und Kühe grasen. An einer Stelle überqueren wir den einen Bach und auf seiner anderen Seite gehen wir auf dem Rückweg los. Es ist aber nur ein Gefühl, daß der Weg uns zurück führt. Zwischendurch fängt es an zu regnen, aber zum Glück dauert es nicht lang. Der Weg scheint unendlich zu sein, viel länger als er hinwärts war. Nach langer Zeit kommen wir zu einer Wiese, wo wir nicht mehr wissen, in welche Richtung es weitergeht. Wir gehen nur nach unseren Gefühlen weiter, und glücklicherweise wählen wir den richtigen Weg aus.  Da wir noch unsere Fahrräder irgendwo im Wald suchen müssen. Endlich finden wir sie. 


Von hier radln wir ins Dorf Wallgau, ein echtes, schönes Alpendorf. Schließlich belohnen wir uns mit einem Bad in dem kleinen Grubsee, der ein bißchen künstlich wirkt. Sein Wasser ist komisch grün und trüb, und er erstreckt sich länglich in dem Tal. Man muß geringen Eintittspreis zahlen. Das Wasser ist angenehm lauwarm. Hinlegen kann man sich nur auf dem steilen Hügelhang, in dem hohen Gras zwischen Wiesenblumen.  Paradisicher Zustand. Das Idyll machen nur die Wasserrutsche und die schreienden Kinder kaputt. Trotzdem ist es hier romantisch. 


Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

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