Sonntag, 26. Dezember 2010

Vier Tage in Oberau im Winter/2005

Ich war noch nie im Winter in den Bergen. Ich habe lebenslang davon geträumt, irgedwo im großen Schnee paar Tage zu verbringen und meine Träume haben so ausgesehen: bis zum Hals langender Schnee, riesige Eiszapfen, Alpenhütte, vor dem Kamin auf dem Boden Eisbärenfell, Romantik... :-) M. mag Skifahren, ich kann nicht und will es auch nicht probieren. Er konnte sich es gar nicht vorstellen, was sollen wir in dem Schnee machen, wenn nicht Skifahren. Ich aber konnte es sehr gut. Wir schreiben Februar, es ist Skisaison, es war gar nicht einfach eine Unterkunft zu finden. Aber es ist gelungen... 

17. Februar 2005 Oberau an der Loisach


In Grainau gab es keine freie Unterkunft, in Garmisch und auch nirgends in der Umgebung auch nichts, obwohl ich seit Anfang Dezember mindestens Hunderte angerufen habe. Oberau liegt ca. 8-10 Km vor Garmisch, dort haben wir was im Internet gefunden.

Wir fahren in München bei furchtbarem Grauschleier los. Richtung Süden liegt immer mehr Schnee auf der Straße und auf den Bäumen. In Oberau angekommen finden wir ohne Problem sofort unsere Unterkunft. Wir klingeln und bald kommt die Besitzerin (sie wohnt nicht in dem selben Haus). Sie wundert sich, daß wir so früh da sind (10 Uhr), aber es wäre kein Problem, wir dürfen schon unsere Ferienwohnung nehmen. In dem  Haus gibt es 4-5 Ferienwohnungen. Die sind alle im Alpenstil eingerichtet. Die Frau ist sehr nett, und die Wohnung ist genau so, wie ich mir vorgestellt habe: Holzschnitzereimöbel, bayerischer Stil, groß, geräumig, hell und gemütlich. Unser Zimmer ist im Erdgeschoß und wir sehen im Garten, daß mindestens ein halber Meter Schnee liegt.  


Nach dem Auspacken gehen wir in Oberau spazieren. Wie ein kleines Kind, kann ich mich über den Schnee freuen und hupfe drinnen rum. So viel Schnee habe ich noch nie in meinem Leben gesehen,  noch dazu ist er frisch, nicht schmutzig, von den Straßen ist er auch noch nicht weggeräumt. Die Landschaft sieht aus, als ein Gemälde wäre. Von den Überdächern der Scheunen hängen meterlange Eiszapfen. Es ist eisig kalt, die Luft ist sehr klar, darauf sagt man in Ungarn "man kann sie beißen". Nach halbstündigem Kennenlernen mit Oberau fahren wir zum Eibsee. Wir wollen um den See laufen, wissen aber nocht nicht, wie es in dem großem Schnee funktionieren soll. Den Eibsee liebe ich so sehr, ich will ihn in Winterkulissen auch unbedingt sehen.  



Der Eibsee ist komplett zugefroren, und das Eis ist dick mit Schnee bedeckt. Nur der Sonnenschein fehlt. Wie anders die Kontraste wären mit Sonnenschein und blauem Himmel. Ich bin sehr überrascht, nämlich der Pfad um den See ist geräumt. Zuerst denken wir, wahrscheinlich nur auf den paar Metern vor den Hotels, aber nein, es ist wirklich auf der ganzen 11 km langen Strecke garäumt. Die Landschaft ist hier ein typisches Wandkalenderbild. Es ist - 7 Grad kalt, aber kein Problem! Wenn es - 20 Grad wäre, wollte ich auch spazieren hier! :-) Also ohne Zweifel gehen wir los. In dem Rucksack stecken zwei Thermoskannen heißen Tee. Wir marschieren zwei Stunden lang um den See. Wir frieren uns überhaupt nicht, wir schwitzen sogar, da wir oft bergauf gehen müssen. Für eine halbe Stunde kommt die Sonne auch vor und die Schneeoberfläche glänzt. Nach dem Spaziergang ist immer noch zu früh in die Unterkunft zurückzufahren, deshalb fahren wir noch nach Oberammergau in die andere Richtung. Dort ist alles zauberhaft. Wenn es geht, ist hier noch größerer Schnee und die Sonne scheint. Meterlange Eiszapfen hängen überall von den mit Motiven bemalten Häusern runter. Es wird aber schnell dunkel. Den Abend verbringen wir in der Wohnung und wir fühlen uns sehr gut dort. 


18. Februar 2005 Partnachklamm, Scharnitz, Leutaschtal

In der früh fahren wir nach Garmisch, d.h. genauer zu der Partnachklamm. Wir zweifeln, ob es im Winter offen sein kann, aber es lohnt einen Versuch. Wie vorher schon zweimal, parken wir bei dem Skisprungstadion. Klar, es ist im Winter mit Schnee bedeckt der richtige Anblick und nicht wie im Sommer grün. Auf dem 2 km langen Weg bis zum Klammeingang denken wir, daß wir uns erfrieren, obwohl die Sonne scheint und die Landschaft wunderschön ist. 



Die Klamm kann ich gar nicht mit Wörtern beschreiben. Zwar habe ich im Sommer auch das selbe gesagt, aber das war nichts gegen dieses winterlichen Bild! Die ganze Klamm ist komplett von Eis bedeckt. Auf den 60-80 Meter hohen Felswänden hängen Eiszapfen, gar Eissäulen komplett in ihrer ganzen Höhe, genauso breite Eisvorhängen, manche grünlich, bläulich verfärbt. Die Eisformationen bilden tausendartige Gestalten. Die Bachseite des von den Felsen ausgemeißelten Weges schließen mit Eisvorhängen ab. Eine Märchenwelt!   In den Alpen gibt es zahlreiche solche Klammen. Es lohnt sich eine im Winter anzuschauen, egal wo man ist.  Es ist ein unvergessliches Erlebnis! Ich möchte es noch öfter erleben dürfen.








Nachher fahren wir mit dem Auto ohne Ziel los. Wir fahren zuerst Richtung Mittenwald, wo die Sonne scheint, und entdecken neue, für uns noch unbekannte Gebiete. Auf der deutsch-österreichischer Grenze, nach Scharnitz werden wir auf einen Forstweg durch den Wald aufmerksam. Wir wissen es nicht, wo er hinführt, aber sind neugierig. Dichter, mit viel Schnee bedeckter Föhrenwald umschlingt den Weg. Es ist so was von romantisch und traumhaft, daß ich es gar nicht beschreiben kann. Nach paar Kilometern gelangen wir nach Leutasch.


Laut unserer Wanderkarte führt ein Forstweg durch das Gaistal, wir hoffen, daß es mit Auto befahrbar ist und dann würden wir dort nach Erwald kommnen. Aber wie es sich herausstellt, ist es nur ein Wanderweg. Schade. 

Diesmal kommen wir früh zu Hause an und machen Mittagessen und fauelenzen ein bißchen und später gehen wir noch auf einen großen Spaziergang in Oberau. 

19. Februar 2005 Ammergauer Alpen, Plansee, Ehrwald, Leutasch, Kreith, Mittenwald

Heute fahren wir über Oberammergau Richtung Linderhof in der Hoffnung, daß wir irgendwo rodeln könnnen. Die Autostraße begleiten Langlaufloipen, wo wir viele Skilangläufer sehen. Es ist der einzige Weg, welcher hier durch dieses Naturschutzgebiet führt. Im Radio hören wir gerade von Lawinen in der Nähe, wobei zwei Menschen ums Leben gekommen sind. Nach Lindehof kommt eine 12%-ige Steigung und steht natürlich "Kettenpflicht" Schild da (wir haben sie von dem Nachbar ausgeliehen dabei), aber es geht auch ohne. Keine Menschenseele fährt hier außer uns! Wir übertreten die österreichische Grenze bei einer Ammersattel genannten Stelle (1118 m). Wir möchten gerne nach Neuschwanstein, es wäre kleine schlechte Idee das Schloß in der Winterlandschaft zu sehen. Unterwegs fahren wir auf der österreichischen Seite um den Plansee herum, dann biegen wir bei Reutte Richtung Füssen ab. Auf einmal steht eine endlos lange Autoschlange vor uns und sie bewegt sich keinen cm Richtung Deutschland. Wir wollen hier nicht den halben Tag verbringen, lieber drehen wir um. Nach Reutte wählen wir dann einen anderen Weg, so können wir mit einem großen Umweg nach Garmisch zurückfahren. Unterwegs gucken wir dauernd, wo man rodeln könnte. Wir kommen in Ehrwald an, vor uns türmt sich die schneebedeckte Zugspitze auf, es gefällt mir wahnsinnig, aber wir fahren doch weiter, wir wollen den idealen Rodelplatz finden. Da wir absolut kein direktes Ziel haben, und wollen eigentlich nur die Winterlandschaft genießen, fahren wir einfach Richtung Innsbruck weiter. Wunderschöne Strecke ist es. Endlich entscheiden wir uns für den gestrigen Forstweg Richtung Leutasch und finden eine Rodelbahn in  Kreith.



Einen Schlitten kan man hier für 5 Euro für den ganzen Tag mieten. Der Sessellift ist aber pro Fahrt und pro Person 5 Euro extra. Also einmal runterrodeln für uns zwei kostet so 15 Euro. Kein billiges Vergnügen, aber wir wollen es ausprobieren. Die Rodelbahn ist ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe bzw. wie ich aus meiner Kindheit eine Rodelbahn gekannt habe. Nämlich hier fährt man nicht auf einem geradlienigen Hügelhang (dort ist die Skipiste), sondern die Rodelpiste schlängelt sich durch den Wald und um die Skipiste herum und ist lediglich nur ein max. 2 Meter breiter Forstweg. Wir sitzen zu zweit auf dem Schlitten und ich finde nicht viel Freude an diesem Weg. Die Kurven sind total scharfkantig, wir schaffen nur kaum die Kurven ohne umzukippen. Einmal durchqueren wir die Skipiste, ich finde es lebensgefährlich, wir müssen anhalten und warten, bis die Skifahrer alle wegfahren. M. macht es riesen Spaß, nur ich bin zu ängstlich! Wenn wir bremsen müssen, dann schlagen unsere Fersen so stark den Schnee auf, daß unsere Hosen bis zum Knie voll mit Schnee werden und der Schnee schlägt auch in unsere Gesichter. Wir schreien und lachen uns tot, es macht riesen Spaß, wenn es auch nervig ist. Es war eine schöne Gaudi es einmal auszuprobieren. Nachher fahren wir auf einem anderen schönen schneeigen Weg nach Mittenwald zurück, wo wir noch in diesem idyllischen Dorf spazieren. 


20. Februar 2005 Ehrwald

Es ist unser letzter Tag, und wir wachen mit Schneefall auf. Draußen ist Dunkelheit und in dem dicken Schneefall kann man nicht vieles vorhaben. Wir packen erstmal alles zusammen. Laut Erfahrungen der vorherigen Tage ist das Wetter immer auf der Südseite des Wetterstein-Gebirges schöner. Wir fahren deshalb jetzt auch zu den Österreichern rüber, aber jetzt in die andere Richtung, nach Ehrwald. Es schneit aber. Wir gehen aus dem Dorf auf einem geräumten Pfad in einem Kieferwald los. Hier und da stehen mit meterdickem Schnee bedeckte Scheunen. In der Umgebung kündigen zahlreiche Schilder Wanderwege an. Jetzt können wir nichts mehr machen, aber wir wollen hierher zurück. 



Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen.

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