Samstag, 8. Januar 2011

Alpspitz Ferrata

6. August 2007

…Einfach lässt mich dieser dreieckige Fels, der kleine Bruder der Zugspitze, die 2628 m hohe Alpspitze nicht in Ruhe. Man kann sie schon von weitem von der Straße nach Garmisch-Partenkirchen sehen und sie zieht mich wie ein Magnet zu sich.

Auf dem Bild links:

Nach dem Karwendel Klettersteig wollen wir unbedingt auf die Alpspitze, aber gegen die 5-Gipfel Ferrata, rechnen wir bei der Alpspitze mit einem sehr schwierigen Klettersteig, da hier es immer sehr steil nur nach oben geht. Im August haben wir einen einzigen gemeinsamen freien Tag, wo wir uns ins Auto setzen, um diesen Berg für uns zu erobern.



Wir fahren aus Hammersbach mit der Kreuzeckbahn auf den 1650 m hohen Berg und wandern zum Osterfelder Kopf und ab dort klettern wir. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, wenn wir mit der Alpspitzbahn sofort zum Osterfelder Kopf (2150 m) gefahren wären. Die meiste Ferratakletterer wählen die letztere Lösung, wir wollten aber die vorherige, weil wir keine Kondition haben und haben gedacht, daß die Wanderung zwischen den zwei Bergbahnstationen mit 500 m Höhenunterschied uns eintrainieren wird und so die Kletterei auch leichter sein könnte. Ob diese Entscheidung richtig war oder nicht, daß wissen wir noch nicht, da die andere Version (vom Osterfelder Kopf sofort klettern) wir nicht ausprobiert haben.





Eins ist sicher, die Kräfte unserer untrainierten Körper saugt schon die zu schnell gemachte Wanderung mit 500 Höhenmetern Unterschied ganz aus. Mir ist schon auf dem halben Weg übel, genauso ganz plötzlich, wie im vorigen Jahr in den Dolomiten im Vaiolett-Tal. Innerhalb Sekunden fangen meine Hände und Beine zu zittern an, mir wird es schwindelig und ich torkele nur und mein Herz rast so sehr, daß es fast aus seiner Stelle ausspringt. M. macht sich lustig über mich, er meint ich überspiele nur die Situation, aber ich fühle mich wirklich so, daß ich gleich zusammenfalle und am liebsten würde ich einen Helikopter der Bergwacht bestellen, daß sie mich von hier runterliefern sollen. M. hat nichts, ihm geht es bestens und fröhlich schreitet er auf dem steilen Weg fort, während ich mich nur schleppe. Bei der Osterfelder Hütte essen wir Schokolade und Sandwich, ich trinke stark gezuckertes Getränk, damit mein Blutzucker in Ordnung wird und dann ziehen wir schon die Klettersteigsets an und machen uns auf den Pfad, welcher zu der Ferrata führt. Nach dem schon bekannten Einführungsabschnitt, geht die Ferrata mit Stahlleitern weiter. Mir geht es weiterhin ganz schlecht und bin schwindlig. Nein, daß kein Mißverständnis kommt: ich bin absolut schwindelfrei, habe keine Höhenangst, die Zitterei und der Schwindel kommen von der extrem großen und zu schnellen Anstrengung, mein Körper ist nicht gewöhnt von Null plöztlich auf solchige Arbeit sich umzustellen. Dazu kommt noch die dünnere Luft. Meine Oberschenkelmuskeln zittern so arg stark, daß ich mich bei jedem Schritt nach oben sehr konzentrieren muß und extreme Kräfte zusammensammeln muß, damit ich überhaupt weiterkomme. Ich halte oft kleine Pausen und fühle mich jedes Mal so, daß ich keine Luft mehr bekomme und ich werde hier und sofort sterben. Ich gebe es innerlich langsam auf, nur wage es eben nicht auszusprechen, daß mein größter Wunsch ist, daß ich nicht weiter klettern muß, und es würde ein Hubschrauber kommen, mich von hier von der Wand zu schnappen. Auf einmal ganz plötzlich treten die bei mir schon seit lang dauernden selben Symptomen bei M. auch auf, ihm geht's auch übel und jetzt kann er mich irgendwie doch verstehen.  





Von der Osterfelder Hütte müssen wir bis zum Gipfel 500 m Höhenunterschied erklettern. Die Felswand soll man sich wortwörtlich als eine Wand vorstellen, aber die Ferrata wurde hier so arg ausgebaut, daß es schon manchmal nervend ist, es gibt zu viel von dem ganzen Stahlzeug und man ist nur ständig mit der Sicherung beschäftigt. Und diese Menschenmassen! Diese nehmen die ganze Schönheit des Kletterns weg. Die  Alpspitz-Ferrata ist der am meisten besuchte Klettersteig in Deutschland. Mehrmals überholen uns Familien mit 10-12-jährigen Kindern, ohne Ausrüstung! Sie klettern ohne irgendein Zeichen der Anstrengung auf ihren Gesichtern. Während dessen, sterbe ich hier fast und ich wünsche unsere ganze Kletteraktion in die Hölle, aber anderseits würde ich mich für kein Geld umdrehen, wenn ich auch daran sterbe, will ich unbedingt auf diesen gottverlassenen Berg rauf, und egal, was wird, ich werde es auch tun!  


Hier unter uns das Höllental und in der linken Ecke die Zugspitze:

Wir quälen uns beide noch eine zeitlang, und langsam hört die Übelkeit und Kraftlosigkeit auf, und wir kämpfen uns auf den Gipfel rauf, und was wir dort fühlen, das ist ein unaussprechliches Gefühl. Es ist der este richtige Berggipfel, den wir aus eigener Kraft erobert haben. Es stimmt, es ist nicht so ganz hoch, aber wir sind noch Anfänger! Uns ist es hoch genug! Es ist auch ein unbeschreibliches Gefühl, daß man sich erst wortwörtlich quält und hasst das Ganze, und trotzdem hat nichts anderes im Kopf, als das, daß man unbedingt darauf will. Ein riesen großer Wille entsteht in dem Mensch, was alles zu bekämpfen hilft. Ich glaube, das Klettern ist die beste Methode die Willensstärke zu entwickeln. Echte, Profikletterer würden jetzt über mich lächeln über diese Leistung, aber sie haben es auch einmal irgendwie angefangen. Zudem haben wir es noch ganz von uns selbst ohne einen Kurs oder Vorübungen angefangen.  

Unter uns auf dem Bild Garmisch-Partenkirchen und der ganze Berg, den wir schon erklettert haben:
Auf dem Gipfel:

Das Absteigen ist auch qualvoll. Wir gehen auf der anderen Seite des Berges runter, wo der Weg durch ein Geröllmeer führt, bzw. es gibt gar keinen Weg, nur Steine. Sehr schweres Gelände. So kommen wir irgendwann zu der Bernadeinwand, wo wir schon vor einem Jahr waren. Dann steigen wir von dort in einer Felsrinne über eine Ferrata ab.


Hier haben wir noch eine halbe Stunde Zeit bis die letzte Seilbahn fährt. Nachher kommt wieder das gehasste Geröllfeld. Als wir zu dem normalen Gehweg ankommen, müssen wir schon fast rennen, das wir noch die Kreuzeckbahn vor Betriebsende erreichen.

Es war wirklich ein Knallergefühl den Berg zu besteigen und das Gefühl des Sieges stiftet bald an, neue Ziele zu suchen.

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen