Montag, 3. Januar 2011

Ausflug aus Ehrwald zum Drachensee

15. Juli 2006 Ehrwald, Seebensee, Drachensee, Grünstein Scharte

Wir sind vor einem Monat aus den Dolomiten zurückgekehrt. Das Wetterstein Gebirge scheint ein kleiner Bruder neben seinen südtiroler Brüdern zu sein. Seit der im vorigen Jahr fehlgeschlagenen Tour können wir diese Gegend nicht vergessen. Jetzt wissen wir es, das in den Bergen Juli noch immer als Frühling zählt. Die Natur lockt uns mit tausenden Wundern. Früh am Morgen setzen wir uns ins Auto und nach anderthalb Stunden sind wir in Ehrwald, das an der anderen Seite der Zugspitze (westlich), auf der österreichischen Seite liegt. Ehrwald kann ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für viele Bergtouren sein. Wir möchten einmal gerne von hier durch das Gaistal laufen. Nach ca. 30 km wären wir dann in Leutasch. Aus Ehrwald fahren wir (wie damals) mit der Ehrwalder Almbahn auf die 1500 Meter liegende Ehrwalder Alm.



Kein Schnee wie damals, nur grasende Kühe und von Wildblumen farbige Wiesen. Echter Alpenzauber. Die erste Strecke des Weges kennen wir schon. Jetzt wird uns wirklich bewusst, was für eine lange Strecke wir damals in dem bis zum Knie reichenden Schnee geschafft haben. Kaum können wir es glauben, daß wir so verrückt waren. Interessanter Anblick, als von dem Hügel sehend sich das Bild von der (jetzt nicht schneeigen) Seeben Alm  vor uns öffnet.  
Seebensee




Auf der Alm machen sehr viele Menschen Pause, Brotzeit, wir halten hier nicht an. Demnächst erreichen wir den Seebensee, der vor einem Jahr sich noch in dicken Schnee, Eis und Nebel gehüllt hatte. Damals war er mehr ein angstmachendes Bild als was Anlockendes. Wir setzten uns hier auf eine Bank zum Essen. Nachher überqueren wir eine Hochwiese.

Seebensee

Noch ein  letztes Mal aufatmen vor dem steilen Hang, hier müssen wir fast 400 Meter Höhenunterschied schaffen auf einem steinigen, sehr steilen, Serpentinenpfad. Der Seebensee liegt schon weit unter uns. 


Den Pfad flankieren Alpenrosenbüsche. Es ist die anstrengendste Strecke der Tour. Meine Zunge hängt heraus, bis wir keuchend zu der auf 1917 m liegenden Hütte ankommen. Von hier gibt es ein herrliches Panorama. Unter uns der Seebensee, die Südwand der Zugspitze, weit im Tal Ehrwald und in der anderen Richtung, direkt unter uns in einer kratermäßigen Mulde der Drachensee.

Drachensee

Bei der Hütte pusten wir uns aus, und müssen die nächste Entscheidung treffen, in welche Richtung jetzt weiter. Zuerst steigen wir zu dem 100 m tiefer liegenden Drachensee ab, dann steigen wir auf einem schmalen Pfad auf dem Berghang auf, welcher steil in den See fällt.  Bald kommen wir zu einer kleinen Alm, wovon man auf drei Seen blicken kann und um uns grast hier eine Schafherde. 

Unten der Seebensee
Unten der Drachensee und die Coburger Hütte
Drachensee unten und oben der kleine namenlose See
Grünstein Scharte


Drachensee
Seebensee

Hinter dem Drachensee liegt ein winziger, türkisfarbiger Gebirgssee. Wir erreichen den unteren Teil einer Scharte und hier müssen wir ein Geröllfeld überqueren. Es ist ein gefährlicher Abschnitt, da der Hang ziemlich steil ist und nur aus Geröll besteht, Steinlawinen sind nicht ausgeschlossen. Hier und dort kann man noch Schneeflecken sehen. In kurzer Zeit bekämpfen wir neuerlich 400 m Höhenunterschied. Der Weg zur Scharte führt ca. gute 400-500 Meter unterhalb einer Felswand entlang, und dann kommen wir zu der Scharte, wo man über Felsen klettern muß. Auf der anderen Seite der Scharte sieht man ins Höllreise genannte Tal runter, welches Richtung Mieminger Alpen führt.

Höllreise

Wir stehen auf der Scharte und der Wind pfeift, schwarze Raaben lassen sich auf dem Rücken der Winde segeln. Wir stehen auf der 2272 m hohen Scharte mit von Stolz und von dem zauberhaften Gefühl der Eroberung geschwollener Brust. Die Zeit ist weggeflogen, wir müssen schon zurück. Wenn wir hier irgendwo im Tal schlafen würden, dann würden wir noch ins Höllreise Tal runtersteigen und herum um den Berg nach Ehrwald zurücklaufen. Wir steigen von der Scharte nochmal durch das Geröllfeld runter. Eine in den Berg gestossene Wolke walzt sich wie eine Lawine auf dem Hang runter.

Geröllfeld mit der Wolke

Der winzige türkisfarbige See oberhalb des Drachensees zieht mich magisch zu sich. Ich bettele es bei M. aus, daß wir in seine Richtung runtergehen, obwohl es dort gar keinen Pfad gibt. Es war ein Fehler, es sehe ich aber erst später ein. Wir müssen von einem mit Gras bedecktem, mit unsichtbaren Löchern vollen sehr steilen Hang runter. Wir müssen auf jeden Schritt Obacht geben und es ist voll anstrengend. Der als kurz gedachter Weg scheint eine Ewigkeit bis zum kleinen See zu sein.






erledigt
Aber es lohnte sich, da es so wunerschön ist. Aber ab hier gibt es keinen begehbaren Weg mehr weiter. Wir müssen wieder ein Stück nach oben steigen, damit wir es mit einem Umweg zu dem Ufer des Drachensees schaffen können. Wir müssen um den ganzen See herumlaufen, weil wo wir abkürzen wollten, dort ist nur ein Steilhang, welcher ins Wasser stürzt. In der anderen Richtung geht es auch ganz schwierig. Dort müssen wir über einen ca. 50%-igen Hang zur Coburger Hütte von hinten aufsteigen. Hier verlassen uns unsere letzten Kräfte, wir kommen zusammengebrochen, erledigt zur Hütte an. Dort trinken wir eine Spezi. Nach kurzer Pause gehen wir auf den übrigen Weg los: runter auf dem steilen Serpentinenpfad zum Seebensee; dann durch die Seeben Alm, dann dauert es ewig bis zur Ehrwalder Alm. Die Seilbahn fährt nicht mehr. Wir müssen schon wieder (wie damals am Pfingstmontag, wo wir im Schnee gelaufen sind) die 500-600 m Höhenunterschied auf dem steilen Pfad zu Fuß bis zum Dorf, wo das Auto parkt runterlaufen. Die Strecke ist so steil und steinig. Mir tun meine Knie sehr weh und spüre jeden Stein als ich drauf trete durch meinen Schuh, meine ganze Sohle tut schon weh. Es ist nur noch Quälerei nach unten. Es wird schon 20 Uhr bis wir halb tot ins Auto fallen. Es war ein wunderschöner Tag und dieser Ausflug bleibt ein unvergessliches Erlebnis.

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

1 Kommentar:

  1. Das hier sind wirklich tolle und idylische Landschaftsaufnahmen. Die Berge sind faszinierend wie auch die Tiere. Super Bericht!

    AntwortenLöschen