Donnerstag, 6. Januar 2011

Karwendel-Höhenweg (via ferrata)

Wanderungen in dem Wetterstein- und Karwendel-Gebirge/4 Tage/2. Teil

Am 21. Juni 2007 fahren wir gegen morgens 10 Uhr wieder zurück. Aber nicht nach Grainau, sondern nach Oberau, bzw. fahren wir zuerst nach Garmisch zum Mittagessen in den Pizza Hut. Wir kommen gegen Mittag in der Unterkunft an und es regnet. Es gab kein Doppelzimmer mehr, deshalb kriegen wir (fürs gleiche Geld) die große FeWo für 6 Personen ganz oben! Es gefällt uns sehr! Wir wohnen hier wie Könige!



Bißchen später gehen wir im tröpfelnden Regen auf einen kleineren Waldspaziergang. Schließlich wollen wir doch nicht nur in der Wohnung sitzen. Interessanterweise haben wir von der gestrigen Klettersteigtour kaum Muskelkater. Wir spazieren durch den Wald von Oberau nach Ettal. Unterwegs sehen wir ganz viele Eichhörnchen: schwarze, braune, rötliche, und ein braunes, dem sein Bauch weiß ist. :-) Wir sehen uns ein bißchen in Ettal um, obwohl wir schon öfter hier waren. 

Ettal


Plötzlich werde ich so schläfrig, daß ich stehend einschlafen könnte, deshalb kehren wir zurück. Am Abend hört endlich der Regen auf und es wird sternenklar. Wir treffen uns um 19 Uhr mit unseren lieben Bekannten aus Eschenlohe, die wir im vorigen Jahr in Samos kennengelernt haben. Wir wollten zu dem Italiener in Oberau, aber er hat zu, so fahren wir nach Farchant zu einem himmlischen Ort. Auf einer Alm steht ein in bayrischem Stil gebautes Hotel und unten drinnen ist ein italienisches Restaurant. Vor der offenen Terasse klingeln die Glocken der grasenden Kühe und wir können auf die Zugspitze blicken. Der Ort hat eine super Stimmung und das Essen ist sehr lecker. Spät abends fallen wir erschöpft ins Bett. 

22. Juni 2007 Karwendel Höhenweg

In der früh um 6:30 Uhr weckt mich mein Handy. Ich bin die Verantwortliche für den Wettertest. :-) Also, ich gucke raus und ich sehe blauen Himmel und nur paar kleine weiße Wolken. Also, wir können unsren Ausflug machen. Ich wecke M. und wir machen uns fertig. Um 8:15 stehen wir schon in dem 30 km entfernt liegenden Mittenwald.


Die erste Kabine der Karwendelbahn fährt leider halbe Stunde später los, als ich es aus dem Internet erfahren habe. Kein Problem, wir warten halt. Sie fährt von 900 m auf ca. 2000 m hoch, unter den Westgipfel des Karwendels. Von hier steigen wir mit einem kleineren Spaziergang auf 2372 m, dorthin wo der sogenannte Mittenwalder Höhenweg, ein langer via ferrata losgeht. Hier, beim Einstieg ziehen außer uns noch fünf andere die Klettersteigsets auf sich an. Aber wir zwei gehen als erstes los. Es ist kein schwieriger Klettersteig, aber lang und hat paar spannende Stellen. Z.B. dort, wo über mehrere hundert Meter tiefem Abhang nur ein Holzbrett führt, oder ähnliche Holzbretter am Rand der Felsen geschraubt sind oder mehrere 10 m lange Stahlleitern. 














Wir schreiten in einer Frühnebel scheinenden Suppe fort, so müssen wir auf das für wunderschön versprochene Panorama verzichten. Aber dessen Mangel merken wir gar nicht in der großen Konzentration, wo wir hintreten und wo der Weg weiterführt. Das fällt uns genauso wenig auf, wie "der Frühnebel" sich gar nicht löst, sondern immer dichter wird. Die Ferrata läuft folgend der Linie des Bergkammes und sie betrifft 5 Gipfel. So gehen wir zwischen den Gipfeln mal abwärts, mal wieder bergauf. Wir genießen das Ganze und nur nach 3 stündigem Marsch fällt es uns erst auf, wie lange wir schon kommen, und wir sollten schon essen. Wir stopfen schnell ein Sandwich rein. Daß es uns hier gefällt, ist keine Frage, aber langsam könnten wir schon zum Ende kommen, da es sehr eintönig und langweilig langsam wird. Von den unteren Tälern sehen wir nichts. Wir marschieren direkt in den Wolken drin. Pech. Wir gehen schon seit 4 Stunden auf der Ferrata, als wir gerade auf einem Bergsattel stehen. Der "Weg" (so kann es man wirklich nicht nennen) ist gerade so breit, daß man für den Schritt den Platz finden kann. Rechts aufrechter Geröllhang, links endlose Tiefe. Nur ein Fehler und man könnte in die Tiefe stürzen. Plötzlich treffen uns starke Windstöße, krampfhaft klammern wir uns in die Stahlseile. Die Lufttemperatur stürzt von einer Sekunde zur nächsten um ca. 10 Grad Celsius. Ich fange an mich aus den Gurten zu entknoten und meine Windjacke aus den Rucksack auszugraben. Es ist überhaupt nicht einfach, wo man auf einem ca. 30 cm breitem Boden steht und in starken Windstößen sich nur an Seilen festhält. Auf einmal steht die fünfköpfige Gruppe direkt hinter uns. Wir haben gar nicht geahnt, daß sie zu uns so nah sein können. Wir kommen zu einem Teil, wo wir ca. 1 m unter dem Kamm, in eine Felsmulde gehen, hier versuchen wir an den Fels gepresst die anderen vor uns zu lassen, aber der erste Mann sagt nur so viel zu mir: "Nur ruhig, wir halten zusammen!" Ich weiß nicht, was er meint, aber es beruhigt mich, da ich dachte, denen ist es eilig und wir nerven sie nur, mit meiner Jackenanziehaktion (sie sind nur im T-Shirt) und sie wollen nur vorbei und ganz ehrlich, ich hätte Angst nur zu zweit hier oben. Überstürzt ziehen wir meine Windjacke aus dem Rucksack, die ich in dem starken Wind kaum mit Hilfe M's unter die nur halb ausgezogene Gurte anziehen kann. Ich fühle mich so wie eine Presswurst. :D. M. bleibt im T-Shirt. Na, gerade daß wir wieder abmarschbereit sind, fauchend reißt der von dem Geröllhang aufbrechende eisiger Wind in unsere Gesichter und bringt uns Schneebrei und Graupel ins Gesicht. Von meinem Helm fließt Wasser in meine Nase rein. Auf meine Augenbrauen setzt sich eine Eisbreischicht an. M. guckt mich an und sagt lachend nur so viel: „Nanga Parbat“ (da wir das Buch von Reinhold Messner beide vor kurzem gelesen haben). Ich kann auch nur lächeln. Ich habe keine richtige Angst, ich sage ironisch:  Ich liebe hier zu sein, aber jetzt wünsche ich nur eins, schnell von hier zu verschwinden! Wir gehen (zusammen mit den anderen Fünf) so schnell, wie es auf den Felsen möglich ist. Die Sichtweite beträgt höchstens einen Meter. Die Fünfergruppe hat sich nicht angezogen, sie marschieren weiterhin in T-Shirts hinter uns. Gut ist es ihre Nähe zu spüren. Jetzt verstehe ich schon, was der Kerl mit seinem Satz gemeint hatte. Wenn wir nur zu zweit wären, ich glaube, ich hätte große Angst.  Momentan kann ich es mir sehr schwierig vorstellen, daß wir es von diesem Berg jemals unversehrt runterschaffen. Wir sind auf 2300 m Höhe! Es gibt zwei Wege: entweder zurück auf der ganzen Ferrata, oder 1600 m Höhenunterschied runtersteigen ins Tal. Während unsere Gedanken herumzucken, auf einmal kommen wir zum Endpunkt des Klettersteiges. Eine Erleichterung! Zuerst schlittern wir in dem felsigen Hang, dann rutschen wir ständig auf einem grasigem, steinigem Pfad. Wir erreichen einen ganz steilen Geröllhang. Wir steigen ein Stück in diesem ab. Fürchterlich, man denkt bei jedem Schritt, jetzt wird sich der ganze Berghang mit ihm runterrollen. Der Regen hört nicht auf, und er ist eisig kalt. Endlich spüren wir sicheren Boden unter unseren Füßen, wir erreichen die Zone der Latschenkiefern. Hier führt ein serpentinenreicher Pfad in den felsigem Hang, es ist weiterhin ein schwieriges Gelände. Als der Regen aufhört, dann halten wir erstes mal an und trinken Tee. Hier überholt uns die Fünfergruppe. Wir bleiben allein.

Wir marschieren nur auf dem endlos scheinenden Weg und unsere Füße tun schon weh. Endlich kommen wir zu der auf 1560 m liegenden Brunnstein Hütte an und gehen rein. Da sitzt die Fünfergruppe: zwei 50-er Männer, ein 15-jähriger Junge und zwei alte Männer. Hier ziehen wir erst die Klettersteigausrüstung und Helme aus (die Helme waren gut statt Regenschirm). Wir bestellen heißen Tee und Wiener. M's T-Shirt ist total durchgenässt, aber wir haben kein anderes dabei. Draußen gießt es wieder ganz stark. Später hört es dann doch auf und dann gehen wir von dem Berg runter. Der Weg ist sehr lang, sehr steil und serpentinenreich. Mir tun nicht nur die Füße, sondern auch schon die Knie sehr weh. Gegen 18 Uhr kommen wir an einer Wiese  zwischen Mittenwald und Scharnitz an.


Von hier müssen wir noch 45 Minuten in dem tröpfelnden Regen bis zum Auto zurücklaufen. Auf dem Weg nach Hause kaufen wir ein. Am Abend können wir uns kaum mehr bewegen, uns tut alles weh. Wir lachen uns ständig übereinander tot, wie behindert wir laufen.

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

1 Kommentar:

  1. Dankeschön für die Posts. Sehr interessant was ihr so erlebt habt.

    ...und Hut ab vor solchen Unternehmungen.

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