Samstag, 5. Februar 2011

Teneriffa 2006/Teil 1.

18-29. Oktober 2006

Schon kurz nach unserer ersten Teneriffa-Reise haben wir das Gefühl gehabt, daß wir zurück müssen. Wir hätten aber gerne erst davor die anderen Kanaren auch kennengelernt. Zwar gibt es keinen Zweifel, daß die anderen Kanarischen Inseln mich wahnsinnig anziehen, aber Teneriffa ist der stärkste Magnet. Solange, bis ich sie nicht so genau kennenlerne, wie ich es möchte, will ich gar nicht auf irgendeine andere Insel hin, weil ich es so fühle, daß irgendwas unbeendet ist, und ich muß es zu Ende bringen. Sonst möchte ich gerne "die kleinen Grünen" kennenlernen, so: La Gomera, La Palma und El Hierro; und dann später Lanzarote mit La Graciosa, Gran Canaria und zum Schluß Fuerteventura - deren Name wunderschön klingt, aber interessiert mich am wenigsten.  
Also jetzt kehren wir auf Teneriffa, nach Puerto de la Cruz (anderer Ort kommt nicht mal in die Frage) zurück, um uns zu erholen, den Teide wiederzusehen, und die Wunder der Natur zu genießen, an die wir uns beim ersten Mal angepirscht, aber ihnen zu wenig Zeit gewidmet haben.  

18. Oktober 2006. Mittwoch, die Hinreise


Wieder Neckermann Reisebüro, wieder Condor Fluggesellschaft. Heute müssen wir nicht früh aufstehen, unsere Maschine startet erst um 13 Uhr. Die Boeing 757-300 finde ich sehr lustig, schmal und sehr lang, daß man denken würde, von dem kleinsten Windstoß würde sie auf zwei Stücke brechen. An einem kühlen Herbsttag verlassen wir München, in der Hoffnung auf Sonnenschein. Der Flug dauert 4,5 Stunden. Im Flugzeug müssen wir feststellen, daß Teneriffa hauptsächlich der Urlaubsort der älteren Altersklasse ist, da unsere Maschine nur mit Rentner voll ist. :D 
Laut Ortszeit landen wir um 16:45. Es ist schwül, erdrückend heiß. Unsere Koffer kommen eine Ewigkeit nicht, bzw. unser erster Koffer kommt nach ca. 10 Minuten und der zweite nur eine gute halbe Stunde danach. Wir stehen nur dort allein am Band und ich habe Gedanken, daß der Bus uns hier läßt. Wir rennen zum Bus und es geht nach Puerto de la Cruz los. Alter Bus, die Klimaanlage ist kaputt, es ist stickig heiß, wir schwitzen und stehen ewig im Stau. So fahren wir im Schneckentempo 3 Stunden lang bis Puerto. Unterwegs fällt uns auf, daß auf der Ozeanseite der Autobahn zahllose neue Häuser gebaut wurden. Hauptsächlich in der Umgebung von Candelaria sind ganze neue Viertel aufgezogen worden. Der Himmel ist grau und bewölkt wie bei unserer ersten Ankunft. Es sind keine Spuren des Teides zu sehen. Üppig blühende Vegetation begleitet uns neben der Straße. Ich sehe jetzt die Insel viel farbenprächtiger, als sie im Februar war.  

Abends um 8 Uhr kommen wir in Puerto an. Der Stau hat uns total fertiggemacht, durchgeschwitzt, unordentlich, erschöpft treten wir in die Appartmentanlage Casablanca, die alle unsere Erwartungen überragt. 


Der Appartmentkomplex liegt genau dort, wo ich ihn erahnt habe, genau ca. 200 m weiter unter unserer ehemaligen "Rattenloch-Unterkunft" Carabella. Ich habe absichtlich in der Nähe was gesucht, da die Umgebung uns sehr gut gefallen hat. Der Komplex besteht aus ca. 10 Häusern, die einen inneren Hof umschließen, worin sich ein Restaurant, Schwimmbecken und eine Bocciabahn befinden. Die Häuser sind schneeweiß, haben traditionelle Holzbalkone und rote Ziegeldächer. Wir wohnen im Gebäude Nr. 10 auf dem 4. Stock. Die Tür öffnet sich mit Magnetkarte. Ich trete als erstes ein, M. bleibt noch weg, da der Aufzug zu klein war (nur eine Person mit einem Koffer reingepasst hat) und er unten geblieben ist. Mir fällt mein Kinn runter, so wunderschön ist alles. (Ich muß hier bemerken, wir wohnen nie im Hotels, sondern immer in Appartments mit Selbstversorgung und in dieser Kategorie habe ich noch nie so was niveauvolles erlebt.) Ich trete in ein geräumiges Wohnzimmer (mit Couch, Fernseher, Glascouchtisch, Esstisch für 4 Personen) ein und in die andere Richtung erschließt sich die Küche vor mir.  Sie ist so gut ausgerüstet und modern, wie man sich es in einer Privatwohnung vorstellt. Die anderen Teile der Wohnung sehe ich noch nicht. Ich lasse alles auf den Boden fallen und gehe weiter rein. Hinter der Küche ist ein großes modernes Bad und das Schlafzimmer. Das Schlafzimmer ist auch groß und geschmackvoll eingerichtet. Alles ist hell von den vielen Fenstern. Schön. Anderen wäre es alles wahrscheinlich natürlich (hauptsächlich für einen Deutschen, aber ich bin in meinem bisherigen Leben noch kaum gereist und es auch hauptsächlich aus Ungarn mit 40-stündiger Busfahrt irgendwo auf den Balkan, wo so was nicht bekannt ist), ich fühle mich so, als hätten wir wegen einem Mißverständnis ein Luxusapartment bekommen. Ich traue mich gar nicht es wahr zu nehmen. Für mich ist es, wie eine 5-Sterne-Anlage!  




Dazwischen kommt auch M. an, es dauerte etwas länger, bis er auch raufkam. Wir gehen gemeinsam auf den Balkon raus, der endlos lang und mit allem augerüstet ist (Tisch, Stühle, Sonnenliegen und Wäschetrockner). Wir sind absolut zufrieden.

Wir haben keine Zeit auszupacken, weil wir es wissen, daß der Martianez Laden nicht so lang offen ist, und am wichtigsten ist, daß wir noch Getränke kaufen. Wir laufen schnell runter und kaufen Getränke und für Abendessen ein. Der Laden liegt nicht mal 5 Minuten von uns, nur aufwärts sind die Treppen etwas anstrenegnd. Wir haben halbes Kilo Garnelen gekauft, die ich nur halbe Minute lang in dem heißem Öl (mit Knoblauch und Oregano) anbrate. Die Beilage ist Salat und "Rizibizi" (ungarischer Name: Reis mit Erbsen gemischt). Hmmm, sehr lecker! 



Nach dem Abendessen gehen wir nicht mehr weg, es ist spät und wir sind müde. Wir packen aus und trinken auf dem Balkon Bier. Im Hof spielt Live-Musik, die wahnsinnig laut ist und der Musiker spielt bis Mitternacht.  Nachher stoßen noch stundenlang Jugendliche die Billiardkugeln. Uns fällt es schwer einzuschlafen. 

Am nächsten Tag werde ich um 8 Uhr wach. Das Bett ist nicht schuld, es ist total bequem, nur muß ich mich bei jedem Urlaub an die neue Situation gewöhnen, bis ich gut schlafen kann. So habe ich heute Nacht kaum was geschlafen. M. macht es nichts aus, er schläft wie ein Murmeltier überall und immer gut. Ich fühle mich total erschöpft. Mein erster Weg führt mich auf den Balkon. Der Himmel ist klar und der Teide steht direkt oberhalb des Daches des gegenüberliegenden Hauses.  


Es kommt mir komisch vor, daß er braun und nicht weiß ist. :-) Er wirkt gar nicht mehr so göttlich, als mit Schnee. Ich frühstücke und um 9 Uhr wecke ich M. auf. Kurz nach 10 Uhr gehen wir in die Stadt zu spazieren. Jetzt gehen wir nicht nach unten, sondern nach oben, da ich es gestern aus dem Bus gesehen habe, daß hier sehr schöne Ecken sind, mit (für mich) neuen Pflanzen, und weil ich ein Pflanzenfan bin, will ich die entdecken. Zuerst gehen wir absichtlich bei unserem ehemaligen Hotel vorbei und wir können es kaum erkennen, es wurde komplett renoviert. Jetzt schaut es schon besser aus. Wir spazieren schön langsam aufwärts, weit über den Botanischen Garten. Ich untersuche und fotografiere in der Reihe die viele unbekannten und erstmal gesehenen Pflanzen. Der Baum mit den riesen großen roten Blumen gefällt mir am besten.  


Ich glaube ich kenne ihn von den Reisekatalogen, von tropischen Landschaften. Hier oben sind viele prachtvolle Villen, die mit Steinmauern abgegrenzt sind und in deren Gärten sind noch prachtvollere Pflanzen, um die sich  fleißige Gärtner kümmern.  




Die Blumen die die Vorplätze dieser Häuser zieren, haben ein unbeschreibliches Arsenal an Farbenvielfalt und an Formen. Alle vorstellbaren Sorten von Palmen, alle möglichen Farben von Hibiskussen, unbekannte Sorten von Rankengewächsen, mal mit winzigen hellblauen Blumen, mal die bekannten Bouganvilleas, riesige Bäume mit den riesigen, fleischigen roten Blumen, akazienähnliche Bäume mal mit lila, mal mit gelben, mal mit roten Blumen und noch mehr für mich unidentifizierbare Pflanzen. Ich bin total fasziniert. Wir spazieren so weit nördlich aus der Stadt, daß wir uns plötzlich bei einer Bananenplantage finden.  


Die Stauden sind voll mit Bananen, daß sie kaum das Gewicht halten können. Auf dem Rückweg schauen wir erneut den Botanischen Garten an. Während einer Stunde sehen wir alles genau an und auch unser zweiter Besuch lohnte sich hier, weil in dieser Jahreszeit viel mehr Pflanzen blühen, als damals im Februar. Am meisten gefällt mir hier dieses irgendwas, was ähnlich zu Strelizia aber auch zu Bananenstaude ist, und hat rote Blumen (unten das 6. Bild). Und der große Baum, der keine Blätter hat, aber voll mit rosa Blumen ist. Ich kann die vielen lateinischen und spanischen Namen von den Schildchen mir nicht merken. Das 60 meterige Fikusmonstrum mit seinen mächtigen Luftwurzeln können wir nicht oft genug bewundern. 








Wir kaufen in dem Laden gegenüber dem Botanischen Garten ein. Wir machen zu Mittag einen Salat von Gemüse und Thunfisch und mit vollen Bäuchen gehen wir zum Lago de Martianez los. Jetzt ist er so, wie er sein soll, einfach faszinierend.






Die ersten zwei Tage wollen wir mit Erholung verbringen. Wir bleiben bis halb 5 hier. Der Eintritt ist 3,30 Euro/Person, meiner Meinung nach nicht teuer. Wir gehen zu dem riesigen lagunenähnlichen Becken, worin vor zwei Jahren die Bagger waren. Man kann kaum mehr freie Sonnenliegen finden, der Strand ist total voll. Erst laufen wir herum, paar Bilder zu machen, und dann setzen wir uns in den Schatten einer Palme nieder. Im Becken ist Salzwasser, nicht so eisig kalt, wie vor zwei Jahren, sondern angenehm kühl. Die Sonne brennt wahnsinnig stark. 

Auf dem Heimweg kaufen wir in dem Martianez Laden für Abendessen Doraden und 400 g Garnelen ein. Die Doraden kann ich sehr gut anfertigen, die Garnelen putzt M., aber es macht er gerne, weil sie seine Lieblinge sind.  Wir verzehren unser himmlisches Abendessen auf dem Balkon und nachher gehen wir um unsere vollen Bäuche abzuarbeiten, in die Altstadt spazieren.   



Die Küstenpromenade mag ich nicht, sie ist voll mit afrikanischen Frauen, die aufdringlich versuchen dich zu überreden, deine Haare einflechten zu lassen und weil es alles stark nach Uringeruch stinkt. Ich sehe vor meinem seelischen Augen den Schwulenumzug, als das letzte Ereignis unseres Urlaubs von vor zwei Jahren hier. Wir kommen nach 22 Uhr nach Hause und mich beherrscht plötzlich eine furchtbare Müdigkeit und was komisch ist, meine Augen brennen schon seit Stunden und tun auch weh. Ich könnte stehend einschlafen, trotzdem setze ich mich mit M. noch auf unseren mächtigen Balkon. Am Abend wird es kühl, und man muß sich bißchen mehr anziehen. Kurz vor Mitternacht falle ich ins Bett und trotz des Lärmes schlafe ich sofort ein.  

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

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