Mittwoch, 6. April 2011

Teneriffa 2008/Teil 4.

7. Tag, 1. Mai, Donnerstag 

Wir stehen um 7 Uhr auf, heute gehen wir wieder wandern. Wir schaffen es bis 9:30 Uhr zu dem zweiten Schutzhaus der Teide-Kaldera, zum Parador Nacional de las Canadas, der auf 2150 m Höhe liegt und auch als Informationshaus und Hotel dient. Von hier starten wir zu einer großen Wanderung zur Paisaje Lunar, d.h. zu der Mondlandschaft. Wir haben perfektes Wetter. Ich bin ein bißchen traurig, da ich schon mit blühenden Teide-Natternköpfen gerechnet habe und deshalb sind wir leztendlich in diesem Zeitpunkt auf die Insel gefahren, daß wir sie endlich mal nicht nur ausgetrocknet und kaputt, sondern auch in Blumenpracht sehen können. Diese Pflanze ist angeblich nur auf Teneriffa endemisch und hier ist sie auch vom Aussterben bedroht. Sie stehen unter Artenschutz. Die Ginsterbüsche, die überall in der Kaldera dort sind, blühen auch noch nicht. Wir hätten doch 2-3 Wochen später kommen müssen.  


Unter den Felsen läuft der Rangerweg, dort sind wir bis hierher gekommen, wo ich fotografiere. Im Vordergrund in der Mitte ist ein Natternkopf, kurz vor blühen zu sehen. 

Zuerst marschieren wir lang auf der Schotterpiste der Ranger, und dann biegen wir auf einen Serpentinenpfad ab, welcher auf den höhsten Berg des Kalderarandes, auf den Guajara (2715 m) führt. Die Landschaft ist enorm abwechslungsreich und interessant. Der Pfad ist steil, aber wir steigen relativ schnell auf die Taille des  Guajaras. Hier zweigen sich mehrere Wanderpfade ab, die Orientierung ist sehr schwierig, welchen Weg wir nehmen sollen. Ich habe vorher ewig die Luftaufnahmen von Google Earth erforscht und versuche mich an diese zu erinnern und dies hilft uns den richtigen Weg zu finden. Als wir schon auf dem richtigen Pfad treten, sehen wir einen Fels, worauf jemand mit der Sprühfarbe dicke „PL” Buchstaben gezeichnet hat. Jetzt beruhigen wir uns. Zuerst schlängelt sich der Pfad in dem Berghang, und dann steigt steil ins Tal runter. 

Auf dem Bild hier unten, ist der große Berg in der Mitte der Guajara, der einen Teil der Kalderawand bildet. 


Die Paisaje Lunar (im Weiteren als PL von mir abgekürzt) liegt auf ca. 1800-1900 m Höhenmeter, also wir müssen ziemlich viel nach unten gehen (da wir hier auf ca. 2500 m sein können). Die Landschaft ist überwältigend, als ob wir im Grand Canyon wären. Wir kommen in ein tiefes, breites Schluchttal an, dessen Boden mit schwarzen, vulkanischen Lavagebröckel bedeckt ist. Es ist so ein Gefühl, als wenn wir auf der Oberfläche des Mondes laufen würden!  






Dann kommt ein langer Hügelrücken, der ein bißchen abfällt und hier wurde ein Weg mit hellen Randsteinen gezeichnet. Danach müssen wir eine Schlucht überqueren und über einen Hang aufsteigen. Hier geht es schon ein bißchen auf unsere Nerven, daß wir schon seit Stunden marschieren und sind noch immer nicht bei der PL, wir müssen nämlich später den selben Weg zurück auch schaffen. Langsam denken wir, daß wir uns verirrt haben, aber ich will noch weiter suchen. Wir denken langsam, daß wir es heute hier zurück gar nicht mehr schaffen können und wäre besser, wenn wir nach Vilaflor absteigen (1466 m) und von dort mit Taxi in die Kaldera zurückfahren. Auf einmal steht ein bizarrer Hang vor uns, der minimum 45 Grad steil ist und von schwarzem Vulkangebröckel und Sand besteht. Laut dem Buch muß man hier runtergehen. Runtergehen?? - dieses Wort existiert hier nicht. Runterrodeln. Jetzt wäre ein Snowboard gut! :-)




Der Hang ist ca. 200 m lang und man kann schon bei seinem Grund unten die Felsen von der PL sehen. Wir kommen darauf, daß wenn wir unsere Fersen in den Sand drücken, und lassen uns einfach nach unten rutschen, dann können wir mit ein bißchen balancieren locker runterrodeln. So flitzen wir abwärts, große Staubwolken hinter uns lassend. Man muß schon sagen, es ist eine halsbrecherische Operation. :-) Wenn wir hier zurückgehen müssten, wäre ich bestimmt nicht runtergekommen. Die Paisaje Lunar ist faszinierend, atemberaubend, fenomenal…es lohnte sich alle unsere Bemühungen!!! 








Wir halten hier halbe Stunde Pause und ich mache etwa 50 Fotos. Ich schaue alles an und gehe überall hin, wo es möglich ist. Es ist gefährlich hier, da der felsige Boden in einem starken Winkel fällt und so ausschaut, als aus Beton wäre, aber nicht mit glatter Oberfläche, sondern voll mit Millionen winzigen Stachel bestreut. Es rutscht trotzdem und ich rutsche einmal aus, und falle hin, dabei schürfe ich meine Handflächen und Knie auf. Ist aber nicht so schlimm. Es gibt andere Felsen ca. 50 m weiter unten, aber der Hang ist so steil, daß wir nicht darunter gehen. Gleichzeitig mit uns kommen viele andere Leute von einer anderen Richtung. Die kommen bestimmt aus Vilaflor. Sie fotografieren auch sehr viel und dann gehen gleich, nur wir bleiben hier länger. Es war ein Fehler, weil wir so nicht wissen, wo ein Pfad Richtung Vilaflor führt. Es gibt nämlich hier zu viele Pfade, die einander kreuzen, wir haben keine Ahnung welche der richtige nach Vilaflor sein kann oder der Weg, den wir als Variante-B gedacht haben, an der anderen Seite des Guajaras, Richtung Ucanca Tal. Dazu haben wir keinen Mut, daß wir hier in der unbekannten Wildnis einfach nur so ohne Ahnung losgehen, deshalb nehmen wir verzagt zur Kenntnis, daß für uns nur einen Weg gibt, wo wir hergekommen sind. 


Zuerst sind wir verblüfft, und dann nehmen wir unser Schicksal an, und beginnen unseren höllischen Weg mit zusammengebissenen Zähnen auf dem Hang, wo wir runtergerodelt sind. Ein Schrecknis ist es, selbst die Hölle, aber wir sagen kein Wort, die Jammerei würde hier auch nicht helfen, wir müssen hier durch, keiner von uns hat Lust irgendwo in der fremden Wildnis verloren zu übernachten. Also wir müssen rauf! Der Hang steht vor uns, wie eine Mauer und es gibt nichts um sich festzuhalten. Die staubige Schlacke geht bei jeden unserer Schritte unter uns zurück los. Mein Herz rast ungeheuerlich und meine Oberschenkelmuskel zittern von der Anstrengung. Ich fühle schon bei der Hälfte des Hanges mich so, daß alle meine Energien verbraucht sind und ich kann nicht weiter. Aber es ist nur der Anfang des Rückweges. Wortlos steigen wir aufwärts, wir können einen erbärmlichen Anblick leisten. Manchmal halten wir Pause und ich schnappe pfeifend nach Luft, bin total naß von dem Schweiß. Und einmal, endlich sind wir oben! Ich schleppe mich bis zum ersten Fels, ich setze mich und will trinken, aber ich kann nicht schlucken, weil ich so sehr keuche. Ich muß abwarten, bis ich wieder normal atme. Hier essen wir unsere letzte Scheibe Schokolade und machen uns auf den langen schweren Weg. 


Der zweite widerliche Abschnitt ist der schwarze Lavasandhügel, wo ich früher erzählt habe, daß ein Weg mit hellen Steinen gezeichnet ist. Abwärts ist uns nicht aufgefallen, daß dieser Pfad abfällig wäre, wir sind hier während ca. 5 Minuten runtergekommen. Aufwärts kommen wir aber schon siet ca. halber Stunde und wir haben das Gefühl, daß wir auf einer Stelle watscheln. Wir halluzinieren langsam, daß der Pfad ein Laufband ist, das rückwärts fährt, und wir darauf, in die andere Richtung, aber in der Wirklichkeit stehen wir auf der gleichen Stelle. Natürlich ist es nicht so, aber wirkt so. Am Ende dieses Schrecknisses treffen wir ein 50-er deutsches Paar, die zur PL wollen und fragen uns, wie weit es noch ist. Mittlerweile hat die Hitze ihren Gipfelpunkt erreicht. Wir kommen zerschmolzen auf den Kamm des Guajaras an, wovon wir noch in die Kaldera absteigen müssen. 

Blick von dem Kamm des Guajaras in die Kaldera und auf den Teide.
Nun können wir uns kaum mehr schleppen. Unser Essen war schon bei der PL aus und unsere 4,5 Liter Wasser sind auch schon länger alle. Wir sind von der Sonne aufgehitzt. Auf den letzten paar hundert Metern tapsen wir nur noch, und am Auto angekommen sinken wir auf den Boden nieder. Ich weiß, wir sind keine Helden, aber wir ziehen wenigstens durch, was wir vorhaben. Wir können uns etwa 10 Minuten lang nicht bewegen. Wir sind hungrig und durstig, aber voll mit Ruhm! Und es ist mehr Wert als alles andere. Kurz vor 18 Uhr fahren wir nach Puerto los. Heute gibt es schnelles Abendessen: Nudeln mit Champinons und Käsesoße. Wir duschen und schauen TV und jammern viel. :-) M's Ohrläppchen sind blasig abgebrannt. Wir fühlen uns wie Helden! :-) 

8. Tag, 2. Mai, Freitag

Ich werde um 7:45 Uhr wach, M. lasse ich noch bis 9 Uhr schlafen und so lang lese ich. Nach der gestrigen Riesentour wollen wir heute Ruhe haben. Vormittag gehen wir in den Massagesalon, wo wir schon vor zwei Jahren wahren. Ich erkenne die Frau (sie uns natürlich nicht), es gibt aber keinen Termin für sofort, nur bißchen später. 30 Minuten Rückenmassage kosten 25 Euro pro Person. Wir spazieren ein bißchen, essen was, dann gehen wir zurück zu der Masssage. Am Nachmittag fahren wir zum Strand Playa de las Teresitas, aber auf der Autobahn ist Stau und es wird schon halb 4, bis wir ankommen.   

Santa Cruz

(Oben ein Bild von 2006, da wir diesmal nichts mitgenommen haben. Alle unsere Ausweise, Geld und Wertsachen haben wir im Hotel gelassen, da dieser Strand - angeblich - vom Klauen bekannt ist.)

Auf dem goldsandigen, mit Palmen geschmückten Strand sind heute große Menschenmassen. Ich konfrontiere mich wieder mit dem "Fleischklops-Effekt", d.h mit den dicken, jungen Mädchen, die kein Schamgefühl kennen oder nicht wissen, was ziemend ist und was nicht. Jede fünfte Frau ist schwanger und sie lassen sich nicht stören, wenn sie mit ihren riesigen Bäuchen oben ohne rumlaufen…Bhhh. Wir legen unsere Sachen unter eine Palme, schwimmen viel und genießen einfach die Erholung. 

Nach 2 Stunden fahren wir nach Hause und gehen in den Alcampo einkaufen. Als wir fertig sind, können wir aus der Tiefgarage nicht rausfahren, weil dort so großer Stau entstanden ist. Halbe Stunde lang bewegt sich gar nichts und danach auch nur im Schritttempo. So dauert es 2 Stunden lang von hier hiemzufahren, was uns sehr aufregt. Da es schon abends 22 Uhr ist, fange ich nicht mehr mit dem Fischbacken an. Wir essen kaltes und den Fisch lege ich vorsichtshalber in den Tiefkülschrank. Wir faulenzen nur, wie immer und im Hof schreit die laute, nervende Musik. 

9. Tag, 3. Mai, Samstag

Heute wollten wir uns am liebsten bis Mittag ausschlafen, aber wir müssen um 8:15 Uhr aufstehen, da wir das Auto um 9 Uhr zurückgeben müssen. Nachher bekommen wir Lust zu dem ausgebliebenen Botanischen Garten, der uns jetzt, zum dritten Mal auch nicht enttäuscht. Im Gegenteil...dank des Frühlings blühen schon wieder andere Pflanzen, als letztes Mal im Oktober. Wir verbringen hier viel Zeit, mögen beide sehr die Pflanzen. 











Heute bereite ich den gestern gekauften mächtigen Fisch zum Mittagessen zu. Es ist der leckerste Fisch, den wir hier jemals gegessen haben, er hat weißes, zartes Fleisch... 


Später gehen wir zu dem Lago di Martianez. Es ist 31 Grad, ist super wolkenloses Wetter, das Wasser im Becken ist auch ein bißchen wärmer geworden. Erneut sind wahnsinnig viele Menschen und wir bleiben bis zum Schluß. Heute haben wir es hier sehr genossen und tut uns leid, daß wir nur drei Stunden hier verbracht haben. Abends essen wir nur Brot und bleiben wieder daheim. Wir wollten diesen Urlaub hauptsächlich mit Erholung verbringen, haben viel Stress hinter uns.

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

Kommentare:

  1. Wieder mal ganz tolle Fotos und klasse mit dir so "mitwandern" zu können.

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