Mittwoch, 25. Mai 2011

Mexiko, Yucatan/13. Tag, Calakmul

13. Tag, 17. November 2009

Wir stehen in Rekordzeit auf, um 3:45 Uhr und fahren um halb 5, in Dunkelheit los. Der Himmel ist voll mit Sternen, und ich erblicke fast neben mir den, auf seinen Kopf gestellten, Großen Wagen. Im Hotel haben wir Früchstückspaket bekommen, was wir dann unterwegs essen, aber sind sehr wenig Sachen drin. Bei den Innengrenzenkontrollen geht alles problemlos. Nur bei einer wollen sie in den Kofferraum reinschauen. Bei einer anderen Stelle müssen wir 18 Peso Zoll zahlen. Gegen 6 Uhr dämmert es über der Sumpflandschaft. In Escarcega tanken wir und dann kommt eine endlose geradeaus, frisch asphaltierte, ausgestorbene Straße, Richtung Conhuas. Wir sind alle sehr erledigt von dem Frühaufstehen. Wir sehen oft Fahrradfahrer am Rand der Straße, obwohl nirgends in der Nähe ein Dorf liegt. Es ist schwierig sich vorzustellen, woher und wohin sie fahren. Die Zeit vergeht schnell und wir erreichen endlich den Eingang des Calakmul Biosfera Rezervats. Hier müssen wir pro Auto 120 Peso zahlen, obwohl auf dem Schild viel weniger steht. Die Erklärung dafür ist: 40 pro Person und 40 fürs Auto. Nachher kommt eine 60 km lange, sehr schmale, kurvenreiche Straße, die durch den Urwald zu den Ruinen führt. 


Hier sind wir ein bißchen enttäuscht, da wir unter Urwald was anderes verstanden haben. Wir haben mit Baumriesen und hängenden Lianen gerechnet, aber statt dessen gibt es nur dichten, niedrigen Buschwald. Ab und zu hupfen von der Straße irgendwelche schwarze großkörperigen Vögel in den Busch rein. Aber außer denen sehen wir nichts Interessantes. Da man hier höchsten nur 30-40 km/h fahren kann, scheint die 60 km Strecke ewig lang zu sein. 




Wir kommen um 10 Uhr zum Eingang der Ruinenstadt an. Natürlich müssen wir für die Ruinen hier extra Eintritt zahlen. Calakmul ist anders, als die allen bisherigen Orte waren. Er ist verlassen, wir spazieren unter mächtigen Baumkronen, es gibt keinen gepflegten grünen Rasen, nur runtergefallenes, faulendes Laub und überall pausenlos sehr starker Zoogeruch - dessen Grund erkennen wir erst später. Die Ruinen befinden sich auf einer sehr großen Grundfläche, und man kann sie über einen Rundweg anschauen. Sich verirren ist schwierig, da überall Schilder stehen. Manchmal kann man die Töne von der Tierwelt des Dschungels hören. Bald erkennen wir die, mit Kernen vollen, braunen cremigen Haufen auf dem Boden, daß es Affenkot ist und davon stinkt alles hier so sehr. 
Wir stehen gerade bei einer Ruinengruppe und unterhalten uns, als ca. 1 Meter neben uns ein Wasserstreifen aus dem Himmel läuft. Wir gucken rauf und sehen, daß gerade ein Affe pieselt.  Der hätte es auch auf unsere Köpfe gelassen...:D Hier fotografiere ich lang die 6-7-köpfige Affenfamilie, wozu auch drei Babies gehören.  




Wir bummeln hier ewig zwischen unwichtigen Ruinen, unsere Mägen knurren schon sehr, wir leiden von der Hitze und von der Müdigkeit, aber wir geben es nicht auf, bis wir die großen Pyramiden nicht finden. Und dann, auf einmal, steht die größte Pyramide direkt vor unserer Nase. Mächtig wirkt sie, und wir dürfen darauf.  Oben drauf fühlen wir uns wie Eroberer. Um uns herum, besser gesagt, unter uns überall, liegt der unendliche, grüne Dschungel und auf dem blauen Himmel scheinen die kleinen Schäfchenwolken fast in unserer Höhe zu schwimmen. 

Calakmul war eine mächtige Herrscherstadt, der Rivale, der, von Calakmul südlich, in dem El Mirador Becken (Guatemala) liegenden größten Stadt, Tikal. Von der Stadt, die sich auf 30 Quadratkilometer erstreckt, sind etwa 5.000 Ruinen bekannt, und von diesen sind 100, große Gebäude! Calakmul wurde erst in den vergangenen Jahren freigelegt, der überwiegende Teil seiner Ruinen ist noch nicht erschlossen. Die Zahl seiner ehemaligen Bewohner war ca. 50.000. Die Stadt hat 1931 der Amerikaner, Cyrus L. Lundell entdeckt. Ernster beschäftigt sich erst seit den '80-er Jahren ein mexikanisches Projekt mit den Ausgrabungen.

1997 wurde in der, Struktur II genannten Pyramide, das Grab vom König Yuknoom Yich'aak K'ak' entdeckt. Heuer (2009) wurde diese Wandmalerei entdeckt:
(Quelle des Bildes: wikipedia)
Struktur I.

und von seinem Dach gesehen der Urwald: 


Es ist ein wunderbares Gefühl oben drauf zu sein und das endlose Grün unter uns zu sehen. Wir setzen uns  und glotzen nur gute 10 Minuten lang herum auf dem Dach. Von hier merken wir die andere, noch größere Pyrammide (Struktur 2. ), auf die, laut des Reiseführers man nicht aufklettern kann, da sie erst noch gar nicht ausgegraben ist. Von hier sieht sie wirklich so aus, wie ein, von den mächtigen Bäumen eingewachsener, kleiner Steinhaufen. Als wir dorthin gehen, sehen wir erst von unten, wie riesig sie ist (45 m hoch) und jetzt kann man schon daraufklettern. Wenn man es noch weiter stufen kann, dann ist die Aussicht von deren Dach noch gigantischer. Die anderen lachen, da mein Magen laut knurrt. :D

Struktur II:

und von seinem Dach die Struktur I:

Baum-Liebe:

Danach schauen an und erklettern wir noch einige kleinere Pyramiden, und alles gefällt uns wahnsinnig gut, aber wir können ohne Essen hier nicht mehr aushalten. Wir sind tot erledigt und hungrig und wir müssen leider zu den Autos und dort setzen wir uns auf den Boden und essen alles zusammen, was wir noch haben.  Es tut uns leid, daß wir nicht in der verkehrten Richtung die Ruinen anzuschauen angefangen haben, weil so, wir zu viel Zeit bei den unwichtigen Dingen verbracht haben und für die wichtigen blieb uns keine Energie mehr. Wir haben hier 4,5 Stunden verbracht. 



Nach dem Essen im Parkplatz (Brot, Thunfisch, gekochte Eier…) fahren wir auf der kurvigen Straße wieder los. Hier falle ich in den Schlaf. Als wir auf die Hauptstraße rauskommen, wird alles nur schlimmer, weil hier die Straße furchtbar wird, sie besteht nur von Baustellen und ganz bis nach Chicanna geht es so.
Unsere Unterkunft (Chicanna Eco Village Resort) liegt direkt neben der Straße, und sie fasziniert uns sehr. Sie besteht von mehreren 4-Zimmerhütten, die in örtlichem Baustil erbaut wurden. Die Einrichtung ist modern, designvoll, das Zimmer ist groß, das Bad ist schön und ein paradiesischer Garten gehört dazu.





Wir sitzen noch ein bißchen auf dem Balkon draußen, trotzdem daß die Luft sehr abkühlt und wir furchtbar müde sind, aber diese Stimmung können wir nur jetzt in uns saugen. Der Balkon erinnert mich an den afrikanischen Lodge-Stil.  U. schläft natürlich schon lang, er ging schon wieder um halb 8 ins Bett. Für uns wäre es nichts, weil die Stimmung von den Abenden sehr wichtig ist, es prägt den ganzen Urlaub. Um halb 10 gehen wir auch ins Bett, wir schlafen hier wunderbar. (heute: 482 km)

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen.

1 Kommentar:

  1. Muss wirklich phantastisch sein dort oben zu sitzen und über das Grün zu schauen.

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