Samstag, 28. Mai 2011

Mexiko, Yucatan/14. Tag, ab nach Xcalak

14. Tag, 18. November 2009

Wir stehen in unserer gewohnten Zeit auf und da der Frühstücksraum noch nicht offen ist, spazieren wir in dem Garten, der vom Vogelgesang ganz laut ist. Hier sehen wir besonders schöne Spechte und kleine Tukanarten. Es ist für mich wieder ein Riesenerlebnis. Das Früchstück ist lecker, ausgiebig und herrschaftlich. Aber es wird schon langweilig sich jeden Tag von Rührei mit brauner Bohnencreme zu ernähren. Das Kofferpacken stört mich auch nicht - wie ich es vor der Reise gedacht habe - weil wir seit zwei Wochen nie ausgepackt haben und ich habe mir ein gut handelbares System ausgearbeitet, so komme ich gut damit klar. 





Wir fahren zu den Ruinen von Becan, die von dem Hotel ca. 1 km entfernt liegen. Wir finden sie nicht zu interessant und weil heute noch ein sehr langer Weg vor uns steht, schlendern wir ziemlich lustlos zwischen den Ruinen. Nicht so U., der sich wieder in alle Löcher einsteckt und total begeistert ist. Nach kurzer Zeit hier, vereinbaren wir, daß wir Zwei weiterfahren und sie noch max. eine halbe Stunde hier bleiben und wir treffen uns bei den Ruinen von Kohunlich.




Nach Becan fahren wir gleich durch die Siedlung, Xpujil, wo Polizeikontrolle ist, aber sie winken uns einfach weiter. Danach kommt der gefürchtete Militärkontrollpunk, an der Grenze von Campeche und Quintana Roo - über den wir nicht viel gutes gehört haben. Hier haben wir Glück, weil die Soldaten gerade einen Jeep auspacken lassen, und sind damit sehr beschäftigt, so schauen sie bei uns nur ein und winken uns weiter. Dann kommt eine sog. hygenische Kontrolle (wo man keine Zitrusgewächse bei sich haben darf), aber hier schauen sie uns nicht mal an. Hier sind die Kontrollen häufiger, da es ein Grenzengebiet mit Guatemala ist, wo die Drogenschmuggler oft durch den Urwald von Süden rüberkommen. 



Mein Indiana Jones vor der Schatzkammer. :-)
Über die Ruinen von Kohunlich (M. nennt ihn gerne "Kuhmilch") weiß ich gar nichts. Wir wollen hauptsächlich wegen den vielen freilebenden Affen hierher, von denen Hyberoid in seinem Reisebericht erzählt hat. Dieses Ruinengebiet ist ganz anders, als die vorherigen waren. Es hat weniger Mayastadt-Charakter, wirkt eher wie eine Festungsstadt. Das ganze Areal ist voll mit mächtig großen Palmen, und anderen tropischen Pflanzen, wie ein botanischer Garten. Wir sehen aber leider keinen einzigen Affen hier. An der Seite der Hauptpyramide sind sehr schöne Masken zu sehen. Wegen dieser lohnte es sich hierher zu kommen, aber sonst nicht so sehr. Wir sind hier ziemlich schnell fertig. V. und U. müssten schon lange hier sein, aber im Parkplatz sehen wir ihr Auto nicht. In uns mischt sich ein Gefühl der Besorgnis und Wut. Wir wissen nicht, ob sie wegen den vielen Kontrollen wegbleiben, oder eventuell haben sie Panne bekommen, oder sie haben einfach nur Lust gehabt noch eine Ruinenstadt in der Nähe anzuschauen. Wir warten dreiviertel Stunde im Parkplatz und so gerechnet müssten sie eigentlich (mit der halben Stunde länger in Becan, plus mit der Fahrt) schon minimum seit einer Stunde hier sein. Wir sind so hilflos und machtlos, wir können nichts tun und nichts wissen und es macht uns furchtbar unruhig und wütend. Wir überlegen alle möglichen Versionen, daß wir zurückfahren um sie zu suchen, oder warten hier noch, oder weiterfahren. Die Entscheidung fällt uns sehr schwer, aber wir wollen nicht ständig von anderen abhängig sein (und eben deshalb mögen wir eher allein reisen) und schließlich entschließen wir uns, daß wir weiterfahren. Ich schreibe einen Zettel denen und wir überlegen es ewig, wo könnten wir ihn hinterlassen. Dann suche ich paar nötige Wörter aus dem Wörterbuch aus und gehe zu dem Ticketverkäufer und sage ihm mit meinem null Spanischkenntnissen: „dieser Zettel für die dos aleman amigos, die mit dem negra Dodge kommen”. (Na ja, perfekt ist der Satz nicht, aber er versteht es!! :D) Gerade als er den Zettel auf die Seite legt, fährt der "negra Dodge" ein. Wir reden paar Minuten und sie erzählen uns, daß sie bei einer Kontrolle alles auspacken mussten und auch in Becan viel länger geblieben sind, weil sie dort noch ganz interessante Ruinen gefunden haben (die uns schon leid tun, daß wir sie nicht gesehen haben). Wir besprechen, daß wir uns am Abend in der Unterkunft treffen und trennen uns.  


Webervogelnest:

Ab hier kommen mit Lineal gezogene, endlos lange, breite und langweilige Straßen. In Bacalar fahren wir gleich zu der Festung, aber weil wir den Eintritt zu teuer finden und der Steinhaufen auch nicht interessant zu sein scheint, gehen wir nicht rein. Ich mache paar Fotos von den Lagunen und dann fahren wir weiter. Es ist furchtbar heiß, es muß minimum 40 Grad sein.  



Hier tanken wir und fahren weiter. Ich suche während der ganzen Reise wie besessen, Vogelspinnen, die gerade über die Fahrbahn spazieren sollen, weil unsere Bekannten vor einem Jahr sie öfter gesehen haben. Ich habe Spinnenphobie, habe Angst vor den kleinsten Spinnen, aber so ein Vieh würde ich schon gerne (aus dem Auto - ohne Aussteigen) fotografieren. :D Ich starre die Straße so sehr an, daß ich nichts anderes mehr von der Landschaft checke und in allem, was schwarz ist, Vogelspinnen erkenne. 

Jetzt kommt eine letzte Kurve Richtung Majahual, diese Strecke ist 60 km lang, total geradeaus und auf beiden Seiten der Straße sind Sümpfe. Bald kommen wir schon wieder zu einer Militärkontrolle. Sie fragen gar nichts, und wir reden auch nichts, sie lassen uns beide sofort aussteigen und den Kofferraum aufmachen.  Ein Soldat mit Maschinenwaffe guckt darein und zeigt auf den einen Koffer. Den müssen wir rausnehmen, auf den Asphalt legen und öffnen. Dann wühlt er drin ein bißchen rum. Daß er gründlich wäre, kann ich nicht sagen, er hat kaum Interesse (worüber ich mich sehr freue, aber ehrlich gesagt, so sehen wir, daß diese Untersuchungen keinen Sinn haben, das Ganze ist nur eine Show, ihre Macht damit zu zeigen). Als dann der zweite Koffer an der Reihe wäre, fragen sie, woher wir kommen. Aha, aleman – na, dann fahrt ihr weiter. :-)

Vor Majahual sehen wir eine neugebaute Pemex Tankstelle, es ist dann die letzte hier am Weltende. Bei dem Leuchtturm schauen wir die Küste an, die weiße Puderzuckersand bedeckt und machen uns auf den letzen 60 km langen Weg. Wieder eine geradeaus Strecke, die schmäler ist, als die Straße davor, und an ihrer beiden Seiten liegen Sümpfe, Mangroven oder Buschwald. Hier hat mein ungarischer Bekannte, Hyberoid die Vogelspinne mit dem roten Arsch öfter gesehen, die ich dauernd suche.


Punta Herradura



Wir fahren von diesem Weg an einer Stelle zu der Küste ab, wo auf dem Schild Punta Herradura steht.  Hier ist eine sehr schöne naturbelassene Küste, aber mit wahnsinnig viel Abfall. Auf dem ganzen Yucatan haben wir es gesehen, daß an den Küsten, die von den Hotels nicht gepflegt werden, haufenweise der Müll liegt. Wenn es hier sauber wäre und kein faulendes, stinkendes Wassergras auf dem Sand liegen würde, wäre es mein Traumstrand. Der Sand ist weiß und fein, wie das Mehl, und kilometerlang biegen schiefe Palmen über den Strand. Hier liegen am Haufen die 20-30 cm großen Gehäuse von Flechterschnecken, die unter Artenschutz stehen. Wir bleiben leider nur kurz hier, weil bald Abend wird und wir wollen nicht in der Dunkelheit unsere Unterkunft suchen.  




Da dieser Weg sich in Xcalak endet, so ist es nicht schwer das Dorf zu finden. :-) In dem Dorf finden wir auch die Schotterpiste leicht, welche parallel mit der Küste führt. Wir müssen hier 7 km bis zu Playa Sonrisa fahren. Die Straße wurde offensichtlich vor Kurzem ausgebessert und jetzt hat sie eine ganz gute Qualität. Es beginnt dunkel zu werden. Wir fahren ganz langsam, weil große Krebse über die Straße laufen und überall mächtige Muscheln liegen - wie der letzte Dreck zu Hause. An einer Stelle halten wir an, da wir uns vergewissern wollen, ob in den Zaun eines Hauses tatsächlich solche Riesenmuscheln eingebaut sind. 



In diesem Moment fährt ein schwarzes Auto mit großer Geschwindigkeit an uns vorbei. Es waren V. und U....

Wir steigen ins Auto und fahren nach ihnen und kommen gleichzeitig an dem Grundstück des amerikanischen Ehepaares an. Wir parken im Hof und ein junger, kanadischer Kerl zeigt uns, wo die Besitzer zu finden sind. Ein kleines Glöckchen hängt vor der Tür, wir läuten damit und die Frau (Cindy) kommt raus und führt uns sofort in die Bar. Dort teilt sie uns die Schlüssel auf, sie erklärt, daß hier Selbstbedienung ist, sie zeigt alles, was wo steht, gibt uns Infomappen und kleine Mappen, worauf wir unseren Konsum aufschreiben sollen.  



Die Zimmer haben wir zum Glück noch am Parkplatz von Kohunlich mit Münze ausgelost, welches Zimmer, wem gehören wird, so gibt es jetzt keinen Streit darüber. (Da es zwei unterschiedlich eingerichtete Zimmer sind.) Wir sind sehr zufrieden mit unserem. Wir werfen alle unsere Sachen nur auf den Boden und gehen sofort zum Meer. Aber der Meeresboden ist mit Wassergras vollgewachsen und in der Dunkelheit trauen wir uns nicht darein zu gehen. Wir gehen am Ende des langen Holzmolos ins Wasser, das angenehm lauwarm ist. Nach kurzem und angenehmen Baden duschen wir erst und dann packen wir die Koffer endlich ganz aus. Wir haben hier (nirgendwo anders war) auch Safe. Die Einrichtung ist modern und geschmackvoll. Wir haben einen ganz großen Balkon zu viert, dort essen wir Abendbrot. V. und U. gehen um 9 Uhr schlafen und wir können von diesem Paradies nicht satt sein. Vor uns mächtige Palmen, über uns der klare, sternenvolle Himmel, und es alles gehört in diesem Moment nur uns. Über meinem Kopf, links thront das Orion-Sternzeichen und die Sterne scheinen nur in Armreichweite zu sein. Wir unterhalten uns lange draußen und wir spüren die Drehung der Erde. Halbe Stunde später hängt schon ein Palmenzweig vor meinem Lieblingssternzeichen. Wir spüren deutlich wie die Sterne sich auf den Himmel hochziehen. Ich habe mich noch nie so nah, so verschmolzen mit der Natur gefühlt.

Wir verbringen jetzt eine Woche in diesem Paradies, 250 km entfernt von der Zivilisation, kein Arzt, keine Geschäfte, keine Bankautomaten, kein Telefon, kein Internet, kein Mensch ist in der Nähe. Playa Sonrisa (Smile Beach) ist eine FKK-Anlage. Es ist ein kleines Grundstück, mit zwei-zwei Zimmer in den Villen, und zwei Bungallows, wo die ausgewanderten Amerikaner, Cindy und Donn leben und ihre Gäste liebevoll betreuen. Motto: "All you need is your smile." :-)

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

1 Kommentar:

  1. Schon ganz schön abenteuerlich mit den ganzen Kontrollen :-O

    AntwortenLöschen