Mittwoch, 18. Mai 2011

Mexiko, Yucatan/6.Tag, Rio Lagartos

6. Tag, 10. November 2009 - Mein Geburtstag :-) 

In der früh weckt uns wunderschönes Vogelgetriller.

Das Frühstück ist lecker und reichlich, aber wir können nicht mehr so viel essen, wie in den ersten Tagen, da es jeden Tag einem von uns vier schlecht geht, hat schlechten Magen oder Durchfall. Wenn einer heute an der Reihe ist, morgen wird bestimmt der nächste "losrennen". 

Wir finden leicht die Nebenstraße Richtung Valladolid, die wir gestern nicht gefunden haben. Ihr Nachtteil ist, daß wir einen Militärkontollpunkt treffen. Die Soldaten sprechen nie englisch, nur spanisch. Sie fragen irgendwas, und wir schauen nur blöd. Nur V. kann ein bißchen spanisch, aber sie sind hinter uns. Die Fragen sind immer die selben, ungefähr solche: woher wir kommen, wohin wir fahren und was machen wir hier.  Die richtige Antworten sind jetzt (damit man in Ruhe gelassen wird - und nie auf englisch!!!) „Alemania, Chichen Itza, Rio Lagartos, Maya Ruinas“. Darüber schreibe ich noch später mehr. Sie lassen uns ohne weiteres durch. 

Wir kaufen schnell paar Backwaren im Supermarkt (von gestern) in Valladolid ein (V. und U. brauchen nichts, sie fahren voraus). Auf der, nach Norden führenden Straße fährt kein Mensch außer uns. Es ist irgendwie ein bißchen unheimlich, hat diese (von mir gut bekannte :D) Horrorfilmstimmung. :-) Es dauert nicht lang zu den Ruinen von Ek Balam. Im Parkplatz sehen wir sofort das Auto von V. und U. Wir parken daneben. Ein 12-13 jähriges mexikanisches Mädchen stürzt sich sofort auf uns. „I watch your car!“ - sagt sie und hält ihre Hand fürs Geld auf. Da wir schon was gehört haben, wenn man sowas ablehnt, wird das Auto aus Hass gekratzt oder aufgebrochen und wir wollen Ruhe, also geben wir ihr einen Euro. Sie gibt das Geld empört uns zurück und fordert USD, sie will nur das haben. Wahnsinn! Obwohl der Euro besseren Wechselkurs hat! :-) Sie kennt es halt nicht. 


Wir kaufen die Eintrittskarten und finden ziemlich schnell V. und U. Ek Balam liegt direkt im Grünen. Die Ruinen gefallen mir und es ist angenehm, daß hier kaum Menschen außer uns sind. Hier klettern wir auf unsere erste Pyramide, auf den 30 m hohen „Akropolis“, in brennendem Sonnenschein und wahnsinnig dunstiger Luft. Wir sind ganz schön erledigt, bis wir oben ankommen. Die Treppenstufen der Pyramide sind wahnsinnig hoch, ca. 40 cm. Was für langbeinige Menschen waren die, denen die Stufen entsprochen haben? Von oben sieht man überall endloses Grün. Faszinierende Aussicht. Ek Balam hat schöne Reliefs, die in der Seite der Pyramide unter einem Dach zu besichtigen sind. Die Ruinenstadt ist nicht zu groß, wir sind ziemlich schnell damit durch. Jetzt fahren wir erneut gemeinsam weiter und halten nicht mehr bis Rio Lagartos an.





Die Landschaft ändert sich von Grund auf. Der Buschdschungel verschwindet und an seine Stelle tritt savannaähnliche Landschaft. Ab und zu sehen wir Affenbrot- oder Bao Bao Bäume, anderes Mal einzelstehende Palmen in der Ebene. Es strahlt afrikanische Stimmung aus. 


Die Unterkunft, die wir im Internet gebucht haben, finden wir in dem kleinen Dorf schnell. Aber als wir schon das Dorf erreichen, "kleben" örtliche Radfahrer an uns, und wollen, entweder daß wir bei ihnen wohnen, oder mit ihnen auf den Bootsausflug fahren sollen. Wir versuchen sie zu ignorieren, aber sie radeln neben uns und begleiten uns bis zur Unterkunft (Hotel Punta Ponto). Der Besitzer teilt uns sofort die Zimmer zu. Die sind sehr groß, einfach, zweckmäßig eingerichtet, aber stinken total nach Kellergeruch. Wir haben einen mächtig großen gemeinsamen Balkon, der Meeresblick hat, und vor unseren Nasen wiegen sich Fischerboote auf dem glatten Wasser. Die Fahrradfahrer sind mittlerweile weggefahren (wir denken, die hat der Besitzer weggetrieben, da er bestimmt mit einem bestimmten zusammenarbeitet). Dieser Kerl - namens Gabriel - steht schon unten ungeduldig und will uns auf den Bootsausflug mitnehmen. Wir sind unsicher, daß wir nur so den ersten Guide nehmen sollen, aber daß ihn der Besitzer gerufen hat, beruhigt uns, ist irgendwie dann doch nicht wildfremd. Also, wir nehmen den netten Gabriel als unseren persönlichen Guide. Dieses Dorf lebt von diesen Touren, klar daß jeder für sich die selten kommenden Touristen schnappen will. Wir sind auch nur deshalb auf diesen ausfallenden Teil des Yucatans hingekommen. Selbst im Internet findet man kaum was von dieser Gegend und was ich noch zu Hause gefunden habe, habe ich ausgedruckt und mitgenommen. Da steht darauf, daß diese Bootstouren, 30-40 USD pro Person kosten, dagegen verlangt Gabriel nur 700 Peso für uns vier (es bedeutet umgerechnet in Euro pro Person weniger als 10 Euro, was uns unglaublich billig vorkommt.) 



Wir duschen zuerst, da wir unterwegs total geschwitzt haben und dann schmieren wir uns mit Sonnencreme und darüber mit Authan ein. Dann spazieren wir mit Gabriel durch das ganze Dorf bis zu einem Restaurant, welches im Hafen steht und dort ankert sein Boot. Wir fahren in der Lagune los und bald halten wir bei einem Häuschen an, wo wir Gebühr für den Vogelreservateintritt zahlen müssen und ein Papierarmband bekommen. Als wir in die Mangrove ankommen, wird die Wasserfarbe rostig braun. Ab hier schaffen wir unsere Köpfe gar nicht so schnell zu drehen, wie oft irgendwo ein Vogel zu sehen ist. 


Löfflerreiher


Gabriel ist ein sehr guter Guide. Er ist total nett, spricht ganz gut englisch und erzählt und erklärt alles mit großem Spaß. Unser erster Vogel, den wir sehen ist ein Kormoran und dann kommt alles nach einander: Löfflerreiher, grauer und weißer Reiher, Störche, Ibise, graue Pelikane. Unser Motorboot reißt das Wasser des Kanals zwischen den Mangroven auf. Wir fühlen uns so, als ob wir gerade bei den Titeldreharbeiten des Filmes „Miami Vice“ wären. :-) Nach langer Fahrt wird der Kanal enger und wir erreichen eine Holzbrücke. Gerade jetzt fährt darüber ein amerikanischer Trucker und wir starren nur mit offen gebliebenem Mund, wie kann diese Brücke dieses Gewicht aushalten. Gabriel sagt, daß hier regelmäßig solche Trucks fahren, mit denen wird das Salz von der Salina (Salzwerk) weggeliefert und diese LKWs wiegen 40 Tonnen! Wahnsinn!









Wir fahren mit dem Boot durch ein Loch zwischen den Pfahlen der Brücke und suchen dort nach Krokodilen in der Mangrove. Hier haben wir kein Glück, wir sehen kein Krokodil. Dafür aber zahlreiche Wasservögel, und es alles nur aus paar Metern entfernt. Nur die Reiher haben große Angst, die fliegen immer sofort weg, daß man sie nie fotografieren kann. Wir sehen einen Graureiher als er einen Fisch fängt und auf einen Baumast fliegt und dann dort den Fisch in einem Stück runterschluckt. Wow, ich bin so begeistert, ich könnte hier Wochen mit der Beobachtung der Tiere verbringen. 

Dann halten wir an, das Wasser ist hier ganz seicht und Gabriel langt bis zu seinem Ellenbogen in den sumpfigen Boden rein und auf einmal hebt er ein "Urzeitvieh" dort raus. 

Pfeilschwanzkrebs 



Kopfmassage und Sturmhaube in einem

Auf den Urzeitfossilien in den Museen sieht man immer solche Abdrücke, nur viel kleiner. Sein Panzer erinnert uns an eine Sturmhaube. 

Wir schauen mit großer Neugierde dieses Vieh an, und nach dem ersten Stutzen dürfen wir ihn auch in unsere Hände nehmen. Danach verwendet Gabriel ihn auf unseren Köpfen für spezielle Kopfmassage, ohne uns zu fragen, ob wir es wollen oder nicht: er legt das Tier auf unsere Köpfe und er grabbelt mit seinen Füßen. Es ist wirklich ein besonderes Erlebnis so ein Tier von so nah untersuchen zu dürfen. Nur seinen Namen erfahren wir nicht, den kriege ich später aus dem Internet raus, er heißt „limulus“ = Pfeilschwanzkrebs. 


Wir erreichen die Salinabecken, hier sieht man mehrere längliche Becken, die Dämme auseinander trennen. Ihr Wasser ist salziger, als das Wasser des Totenmeeres. Erst fahren wir ein bißchen weiter von hier, wo wir ein offenes Gebiet mit sehr seichtem Wasser erreichen und hier stehen die Flamingos. Wir fahren ganz nah zu denen, nur paar Meter sind zwischen uns, dann fliegen sie weg. Ich hätte es nie gedacht, daß sie uns so nah daran lassen.  



Lange schauen wir sie hier an, und dann wenden wir und fahren wieder zurück. Zumindest denken wir es und werden gleich ganz traurig, weil wir es alles zu kurz fanden. Gabriel sagt nichts, er fährt aber uns zu den Salinabecken und er hält das Boot dort an. Wir können uns nicht vorstellen, was er hier will, hier sehen wir wirklich nichts Interessantes. Dann gehen wir auf dem rutschigen Boden barfüßig im Gänsemarsch alle nach ihm und wir steigen hier auf den Damm des Salzbeckens. Er will uns unbedingt ins Wasser treiben, was aber von uns keiner will. Wir sind angezogen, wo sollen wir hier auf den schlammigen Boden unsere Sachen hintun? Und das Wasser sieht so ekelig aus, als wenn dutzende Haufen von Vogelkot drauf schwimmen würden. Aber Gabriel lässt uns so lang nicht in Ruhe, bis wir endlich doch in diese ekelige, stinkende Brühe reingehen. Nur ich habe meinen Fotoapparat mitgenommen, die anderen haben alles im Boot gelassen. Gabriel nimmt die Kamera und fotografiert uns ständig und er ist gar nicht schlechter Fotograf, hier entstehen sehr gute und lustige Bilder, als wir oben auf dem Stinkwasser schweben und Spaß machen.




Von dem Becken müssen wir dann durch diesen rutschigen Teil balancieren. Hier bildet den Boden eine harte Tonschicht, deren Oberfläche mit irgendeinem grünen schleimigen Zeug zugewachsen ist und darüber ist ca. 10 cm Wasser. Es rutscht wahnsinnig. Auf dem halben Weg zu dem Boot gibt uns Gabriel mit toternstem Gesichtsausdruck (und mit meiner Kamera in seiner Hand) den Befehl, daß wir hier anhalten und bleiben sollen. Er geht dann weiter, allein zu dem Boot. Da er wieder nichts verrät, denken wir, daß er jetzt mit unseren Sachen abhauen wird und lässt uns hier, wie die Vollidioten im Schlamm stehen. Wir machen Witz darüber, daß wir den Tag hier in dem, mit Vogelkot vollem Wasser verbringen werden, bis uns die Geier auffressen - weil wer sonst würde uns hier finden?? :-) 




Aber Gabriel hat nur meine Kamera zum Boot, in Sicherheit gebracht und er kommt schon sofort zurück.  Wir warten sehr aufgeregt auf ihn, wir können uns überhaupt nicht vorstellen, was jetzt noch kommt. Dann langt unser guter Guide unter das Wasser und bohrt seine Hand durch den harten Ton, ganz tief, bis zur Schulter und wir erwarten, er zieht jetzt bestimmt wieder ein Vieh daraus. Dann holt er blendend weiße Tonerde raus. Er erzählt mit dem Ton in seiner Hand, daß es sehr gut für die Haut ist und er wird uns damit einschmieren. Er fängt mit U. an und wir lachen uns tot darüber, wie U. langsam aussieht. Gabriel schont nicht mal sein Gesicht  und die Haare. Wir, Mädchen, bitten ihn, daß er bei uns die Haarpflege weglassen soll. Als er uns alle dick eingeschmiert hat, bildhauert er noch für die Jungs auf ihre Köpfe noch Teufelshörner. Dann geht er wieder zum Boot und holt die Kamera und macht viele witzige Fotos von uns. Ein sehr netter Kerl. 


Nachher müssen wir ins Boot einsteigen, so wie wir sind und Gabriel gibt Gas, daß das Motorboot nur so auf dem Wasser prasselt, wie ein Ball. Wir rasen mit großer Geschwindigkeit, daß der Gegenwind den Ton auf unserer Haut trocknet. Dann fühlen wir uns ganz komisch in unseren Harten Hüllen. :-) Gabriel fährt vor dem Hafen vorbei, sollen nur die Einheimischen gut über die "weißen Touristen" lachen und kurz danach hält er bei einer kleiner Bucht an, welche von Mangroven umgeben ist. Hier schickt er uns ins Wasser, wir sollen hier den Ton abwaschen und er schaut für uns die Mangroven und sagt Bescheid, wenn Krokodil kommt. Na prima, netter Kerl! :-) Die weiße Tonerde hat sich schon auf unsere Haut getrocknet und es ist gar nicht so leicht sie abzuwaschen. Sehr witzige Szene ist es. 

Nachher kommen wir in den Hafen zurück, und wir steigen vor dem Restaurant aus, welches Gabriel und seinen Verwandten gehört. Da gibt es auf dem Steg eine Dusche und wir können uns abbrausen, bevor wir uns wieder anziehen. Er invitiert uns zum Essen, aber wir wollen erst uns zu Hause richtig duschen und später zurückkommen. Ich hätte mir nie was schöneres zum Geburtstag gewünscht, als diesen Ausflug! Dort, in dem Motorboot habe ich mich so gefühlt, daß dieser Tag der schönste in meinem Leben wird, aber wenigstens der schönste dieses Urlaubes!

Kolibri


Im Hotel duschen wir schon wieder, ziehen wir uns normal an und gehen ins Restaurant zurück. Heureka! Sie haben Internet! :-) Endlich kann ich meiner Mutter schreiben (da ich es in meiner ersten E-mail aus Cancun  versprochen habe, daß ich sie am nächsten Tag anrufe und seitdem konnte ich mich auf keinerlei Weise melden). Ich und M. essen Fisch, die sehr lecker sind. Sein Fisch ist so zubereitet, daß das Fischfilet halbgelegt ist und dazwischen sind Garnelen in einer Soße und das ganze "Fischsandwich" ist so dann noch paniert und fritiert. Mein Fisch ist nicht so gut, weil Tomatensoße dabei ist, was ich nicht mag und mein M. tauscht mit mir. Da ich Geburtstag habe, darf ich sein Essen haben. Oh, ist er ein Gentleman! :-) Gabriel ist auch hier. Wir haben ihm nach der Tour ziemlich viel Trinkgeld gegeben, da er alles so perfekt gemacht hat und war so nett und wir fanden, daß er so wie so für die Tour zu wenig verlangt hat. 

Wir spazieren zur Unterkunft zurück, und setzten uns alle vier auf den Balkon mit Bier und starren lange das  schwarze, ruhige Meer, das nur paar Meter vor unseren Nasen ist, an. Der Abend hat eine besondere Stimmung bzw. spendet diese Stimmung der Ort. (heute: 180 km)


Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

1 Kommentar:

  1. Das hat sich nach einer Mengs Spaß angehört und klasse, dass ihr so einen Guide gefunden habt. Der wusste mit mit Touristen umzugehen und macht den Tag dann zu etwas Besonderem.

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