Samstag, 25. Juni 2011

Samos, Juni 2006/3.

23. Juni 2006, Freitag: 5. Tag, Ausflug mit Roller nach Pithagorio

Ich habe im Urlaub noch nie so gut geschlafen, wie heute Nacht. Als ich vom Wecker erweckt wurde, wundere ich mich darüber, daß M. schon wach ist und auf dem Balkon sitzt und seinen Kaffee trinkt. In der Nacht hat sich das Zimmer ein bißchen abgekühlt und seitdem wir uns jeden Abend dick mit Authan einspritzen, lassen uns auch die Mücken schlafen. Bis ich mich dusche, holt M. frisches Brot vom Bäcker. Ich bezweifele, daß es mein Mann ist, dem ich immer ewig betteln muß, daß er aufsteht. ?? :D Dieser Fall ist seitdem auch nie mehr geschehen :-)! Heute wollen wir nur nach Pithagorio, so ist es uns nicht eilig. Unterwegs fällt uns auf, daß hier die griechischen Autofahrer total höflich sind, nicht so agressiv, wie gewöhnlich. Ich muß sagen, daß das samiotische Volk grundsätzlich viel höflicher und netter ist, als ich es irgendwo anders in Griechenland bis jetzt erfahren hätte. Hier sind auch viele Touristen: Deutsche, Engländer, Schweden, Italiener und Franzosen - die Einheimischen sind aber noch nicht infiziert mit der Krankheit des Tourismuses, sie sind noch äußerst höflich und nicht geldhungrig.   


In der Vathi-Bucht ankert ein mächtiges Kreuzfahrtschiff.  Vathi verlassend wird die Landschaft karger und es gibt hier keine Wälder mehr - da sie abgebrannt sind - sondern nur stachelige Büsche: die Macchia, und zahllose bunte Blumen. Wir haben gute Reisezeit für uns ausgewählt, da noch sehr vieles blüht. 

Die sacht abfallende, mit Basaren volle Hauptstraße ist ein Irrenhaus. Diese Straße verbindet die obere Hautstraße mit der Hafenpromenade, und ist absolut verkehrsreich. Hier herrscht so ein Trubel, wie auf einem asiatischen Markt. Parken kann man nur in dem oberen kostenpflichtigen Parkplatz – aber mit dem Roller finden wir auch was anderes. Pithagorio ist ein überwältigend schöner Ort. Die in den Hang gebauten Häuser umarmen amphitheatermäßig die hufeisenförmige Bucht. Im Hafen wiegen sich herrliche Yachten und hübsche Fischerboote. An der ganzen Hafenpromenade reihen sich Bars und Tavernen.



Da schon die Mittagshitze angekommen ist, fangen wir zu zerschmelzen an. Wir gehen auf den kleinen Hügel rauf, wo die Ruinen der Logothetis Burg stehen. Unterwegs treffen wir kleine Gassen, deren Böden meterlang mit Malereien geschmückt sind. Es scheint hier das Armenviertel zu sein. Zwischen zerfallenden Hütten sitzt eine alte Frau auf den Treppen und singt ein Lied ihrem Enkelkind. Immer dieser Kontrast: wie diese armen Menschen mit ihren Malereien ihren öden Alltagen Fröhlichkeit schenken. 




Vor der Burg steht eine große Kirche und zwischen den Zwei liegt der Friedhof. Wir gehen darein, weil uns der Schatten der Bäume anzieht. Ich war vorher noch nie in einem griechischen Friedhof, aber hier überrascht es mich, wie liebevoll alles gemacht ist. In den Grabsteinen sind offene Kreuze eingesenkt, die mit unterschiedlichen Sachen aufgefüllt sind (z.B. mit Muscheln, oder mit den Schalen von Walnüssen, oder mit Tannenzapfen oder einfach nur mit Blumen eingepflanzt). Jeder ist aber einzigartig. Es muß hier ein neuer Friedhof sein, da die Meisten nach 2004 gestorben sind (hier weiß ich es noch nicht, daß die Griechen nach paar Jahren die Knochen von ihren Gestorbenen rausnehmen). Jedes Grab hat eine Glasvitrine, worin ein Foto von dem Verstorbenen und auch einige Gegenstände von ihm (wie z. B. Brille, oder Pfeife) dareingelegt sind. Interessant, schön und lässt uns nachdenken. Jedes Grab ist mit Plastikblumen geschmückt. Hut ab, wie schön sie ihre Tradition pflegen. 



Blick vom Friedhof auf den Flughafen (vielleicht ein direktes Ticket zum Himmel?):

Die Mittagshitze erreicht ihren Höhepunkt und wir können es kaum ertragen, da die Luft sich überhaupt nicht bewegt. In unseren offenen Schuhen brennen unsere Fußzehen. Pithagorios Straßen lassen auch nicht die Blumen vermissen! Man sieht überall wunderschöne, duftende Blumen:


Wir spazieren in den Hafen zurück und suchen die Statue von Pithagoras. In der Nähe setzen wir uns auf eine schattige Bank und essen unsere Sandwiches.


Dann gehen wir über hundert Treppen aus dem Hafen bis zur Hauptstraße hoch, und sind dann ganz geschafft, geschwitzt und schnappen nach Luft. Kurz darauf fahren wir mir dem Roller zu der Höhlenkirche, Panagia Spiliani.


Hier steht eine große Kuppelkirche und aus seinem Hof führen Treppen in die langgezogene Höhle runter. Hier berührt uns sofort eisige Luft und wir trauen uns vollgeschwitzt nicht lange hier zu bleiben. Ganz am Ende der Höhle steht die kleine Kapelle, die dem wunderkräftigen Wasser der Höhle gewidmet ist. Von der Terasse der äußeren Kirche kann man einen guten Blick auf Pithagorio und auf den Flughafen bekommen. Wir wollten hier in der Nähe noch den Tunnel von Eupalino besuchen, der als Teil eines antiken Wasserleitungssystems 1 km lang den Berg durchbohrt, aber es steht leider seit Mai dieses Jahres unter Restauration und man kann ihn nicht besuchen. Also, wir sind mit dem heutigen Programm fertig und wünschen uns jetzt einen sandigen Strand. 

Ausblick von der Terasse der Kirche: 


Auf der Insel gibt es nur zwei sandige Strände, beide heißen Psili Ammos (ich kann nicht griechisch, aber als hätte mir es jemand gesagt, es würde "feinsandig" bedeuten). Einer ist davon im Südwesten, in der Nähe von Votsalakia, der andere ist im Südosten, nicht weit von hier, wo wir jetzt sind. Wir finden diesen Strand ziemlich leicht und unterwegs kaufen wir paar Sachen im Lidl, was wir dann am Strand als Mittagessen verzehren können. Heute ist es furchbar heiß. Hinter dem Strand stehen paar Häuser, der Sand ist hellgelb und fein, das Wasser ist sehr seicht, dadurch ist es hier wärmer, als sonst wo anders. Hier liegt die Türkei am nähesten zu Samos, die Meeresenge ist hier nur 1,5 km breit und eine Militärbasis überwacht den Strand und die Umgebung. Viele illegale Einwanderer versuchen hier mit kleinen Booten aus der Türkei rüberzukommen. Die Küste ist sehr überfüllt, und wir hören fast nur französische Stimmen.  


Starker Wind bläst und bedeckt uns mit dem feinkörnigem Sand. Der Strand ist dreckig und stinkt sehr nach Kadaver, so wird er nicht unser Liebling sein. Wir bleiben bis 17 Uhr und unterwegs springen wir schon wieder in den Lidl ein, da wir noch viel Wasservorräte kaufen wollen, weil es nirgend wo anders mit Kohlensäure gibt, als hier. Wir fahren wieder wie die Lastesel heim. Ich schreibe Ansichtskarten und M. bringt den Roller zurück. Ich sage zu ihm, er soll zu dem Vermieter sagen, daß wir paar Tage später auch Auto mieten wollen, vielleicht kriegen wir Rabatt, wenn wir schon den Roller bei ihm genommen haben. Er sagt zu M., wir bekommen einen Kleinwagen statt 35, für 20 Euro/Tag.
Dann gehen wir zum Abendessen. Neben der Hauptstraße befindet sich eine sehr stimmungsvolle Taverne, wo die Tische unter einem mächtigen Maulbeerbaum stehen. Auf dem Natursteinhaus hängt ein ähnlicher Balkon wie Julias in Verona. Das Restaurant ist voll. In der Ecke steht ein Barpult und in Fässern samiotischer Wein. Hier darf sich setzen, wer auf einen Tisch warten will.  Wir kriegen aber schnell Platz. 


Im Menü gibt es nicht große Auswahl, aber das Essen ist billig, und wenn wir in die Teller anderer gucken, sind die Portionen ausreichend. Nur die Bedienung ist sau langsam, wir kippen schon fast vor Hunger um. Ich trinke göttlich feinen frisch gepressten Orangensaft, und esse fritierte Muscheln (die Midia heißen), was mir auch gut schmeckt. M.  ißt panierte Garnelen. Nach dem Zahlen kriegen wir zwei Rakis und zwei Baklawas.  
Wir sind müde, nach dem Abendessen gehen wir heim und bleiben nicht so lang wach. 

24. Juni 2006, Samstag: 6. Tag, Schiffsausflug nach Fourni

Wir machen in jedem Griechenlandurlaub Bootsausflüge. Diesmal müssen wir sehr früh, um 6:30 Uhr vor der Kirche auf der Hauptstraße stehen. Wir müssen um 5 Uhr aufsetehen, damit ich noch Zeit für paar Sandwiches für uns zu machen habe. Das Schiff fährt aus Pithagorio. Es scheint eine größere, regelmäßige Fähre zu sein. 


Ich weiß, daß oben sehr kalter Wind blasen wird, aber weil wir heute unsere 3,5 Jahreswende haben, wofür mir M. Delfine organisiert hat :-), will ich unbedingt oben sitzen. Es ist wirklich eisig kalt und wir haben nichts warmes mitgenommen, ich weiß, daß es da oben eine Qual wird, aber ich will die Delfine sehen, die ich immer suche und nie kommen. 
Wir müssen im Hafen halbe Stunde warten, daß wir einsteigen dürfen und dann fahren wir parallel mit der Küste los. Die Sonne scheint, aber der Wind ist wirklich sehr stark und kühl. Alle meine Gedanken sind die Delfine und ich hypnotisiere sie in meinem Gedanken "kommt, na kommt schon". Ist aber nichts. Ich packe den Fotoapparat weg, da das Wasser aufspritzt und alles naß wird und wir fangen an Schokokekse zu essen, als M. aufschreit: Delfine! Die Passagieren stürzen alle auf diese Seite des Schiffes und ich frage nur ständig: wo?? Und in diesem Moment, mit Schokokeks in der Hand erblicke ich sie. Sie sind zu dritt. Sie schwimmen neben dem Schiff und sind viel kleiner, als ich sie mir vorgestellt habe. Ich stöpsel die Kekse schnell in meinen Mund und mit schokoigen Händen suche ich ganz verrückt im Rucksack nach der Kamera. Dann fange ich noch an, sie auf Serienaufnahme einzustellen und bis ich damit fertig bin, sind die Delfine weg. Ich falle total traurig auf meinen Stuhl zurück. Ich schmeiße den Apparat in den Rucksack. Ich bin glücklich, daß ich für paar Sekunden Delfine gesehen habe, aber auch traurig, daß ich sie nicht fotografieren konnte und, daß ich mit der Kamera beschäftigt war, stattdessen, daß ich sie geschaut hätte. Langsam setzt sich jeder auf seinen Platz zurück. Paar Minuten später, mein Schicksal in Kauf genommen, suche ich nach den Schockokeksen. Die ganze Szene wiederholt sich: Delfine – jetzt ca. 10 – Cookie in den Mund stecken, Kamera suchen, einstellen...die Delfine schwimmen unter das Schiff durch und verschwinden. Das war's, sie kommen nicht mehr. :-(

Kurz halten wir beim Dorf Ormos Marathokampos an:
Das Kerkis-Gebirge

Unter den steilen Felsen Samos Küsten sehen wir oft kleine, hübsche Badebuchten, wo man nur mit dem Boot hinkommt. Als wir die südwestlichste Spitze der Insel erreichen, biegen wir in Richtung des offenen Meeres, verlassen wir den Schutz der Insel und bekommen wilde Windstöße. Mächtige Wellen werfen das Schiff hin und her. Von dem salzigen Wasser feucht, mit Gänsehaut frieren wir uns auf dem offenen Deck bis wir endlich auf die Insel Fourni ankommen.



Auf den ersten Blick erinnert sie mich an die Kykladen. Fourni ist karg. Wir kommen in ihr Hauptdörfchen an, deren weiße Häuser - wie gewohnt - in Amphitheaterform die Hafenbucht umarmen. Wir laufen in ziemlich kurzer Zeit hier herum und schauen alles an. Das Hauptdorf ist ziemlich grün und auf den unmittelbaren Hängen wachsen überall wilde Oleander. So ein charmanter Ort.








Dann suchen wir nach Strand und laufen über eine Schotterpiste dorthin, wo wir einen von dem Schiff aus gesehen haben. Wir kommen zu einem kieseligen kleinen Strand an, der von duzenden blühenden Oleanderbüsche und Feigenkakteen umgeben ist. Das Wasser ist kristallklar und in der Bucht ankert ein großes Militärschiff. Bißchen weiter liegt die ganz öde Insel, Ikaria. Wir haben hier 5 Stunden freie Zeit und nach einer Stunde können wir am Strand die Hitze nicht mehr ertragen. Wir spazieren ins Dorf zurück und setzen uns in eine Taverne. Es dauert ewig, bis einer kommt und starrt uns komisch an. Wir möchten die Menükarte, aber er hat keine. Er listet ganz schnell paar Speisen auf, die er hat, davon sollen wir wählen. Ich möchte Kalamari, M. gegrilltes Hühnchenbrustfilet mit Sahne-Champignonsoße. Wir haben ein ausfallendes Restaurant gewählt, die anderen sind alle voll, hier sitzen nur wir und ich finde es äußerst romantisch und sage den Spruch aus der Fernsehwerbung „Es ist mein Patros!” – (meint der Mann in der Werbung damit eine Fetakäse Marke - ich meine damit, daß ich angekommen bin, wo ich mich wohl fühle, wie ich mein Griechenland mag, daß ich voll zufrieden bin...so was.) Der Kalamari ist aber nicht gut, es wurde zu lang fritiert und M's Hühnchen ist auch nur durchschnittlich, aber sicherlich hat nichts mit was typisch griechischem zu tun. :-) Nachher spazieren wir noch  und müssen schon zurück zum Schiff. 


Auf dem Heimweg tobt gnadenloser Wind, wir verbringen die Fahrt in dem inneren Raum und schlafen auf der Bank. Als wir dort sind, wo wir in der früh die Delfine gesehen haben, laufe ich auf das Deck und starre schläfrig das Wasser an, vielleicht sehe ich die Delfine nochmal. Aber sie kommen nicht. 
Wir schiffen in den Hafen von Pithagorio ein, gehen auf der steilen Straße rauf und der Bus wartet schon dort auf uns. Es ist schon halb 7. Wir wollten heute feiern, aber wir sind tot müde. Wir haben keine Kraft und verschieben es für morgen. M. schaut Fußball WM im Fernsehen, und ich mache zum Abendessen Tütensuppe warm und wir essen Tzatzikibrot dazu. Nach dem Fußballspiel sitzen wir noch auf dem Balkon.

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

Kommentare:

  1. Sehr schöner Bericht und Landschaftsaufnahmen. Klasse wenn die Menschen noch so gelassen bleiben und duch den Tourismus nicht ihre Lebensqualität verlieren

    Tolles Wochenende und liebe Grüße

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  2. Ich kriege Fernweh! :-)

    Super Bericht, die Fotos machen auch richtig Lust zu reisen.

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