Freitag, 15. Juli 2011

Kapathos - die Insel der Winde 2007/2.

8. September 2007.

In der Nacht war Windsturm und jetzt ist der Himmel grau und bewölkt. Erst gegen 11 Uhr gehen wir zum Strand, in tröpfelnden Regen. Meistens mieten wir schon nach dem ersten Strandtag Auto oder Roller, aber gestern haben wir so gefühlt, wir brauchen noch einen Tag Erholung nach der vielen Arbeit der letzten Wochen. Das Wetter macht uns Sorgen, aber zum Glück eine Stunde später scheint wieder die Sonne. Nur der Wind bleibt und trägt den Sand in unsere Münder und Augen. Wir müssen auf alle unserer Sachen Steine legen, damit sie nicht wegfliegen. Es ist sehr nervig mit dem ständigen Wind. Wir sind heute auch zu dem Strand gekommen, wo wir schon gestern gewesen sind. In der Nähe, ca. 5 minütige Spaziergang, ist ein Buffet, wo ein nettes serbisches Mädchen bedient und wir essen hier Gyros und Souvlaki. Es ist billig und schmeckt fantastisch. Wir werden satt und gehen zurück zum Strand, wo wir dann bis 17 Uhr bleiben. In der Strandbar trinken wir einen Frappé. Dort arbeitet ein chinesisches Mädchen, was uns sehr überrascht, weil wir in Griechenland bis jetzt nie Chinesen gesehen haben. 


Später gehen wir spazieren und entdecken paar Tavernen, wo wir dann in den nächsten Tagen noch essen wollen. Wir kaufen im großen, weit entfernten Laden ein und schleppen alles heim. Unglaublich, wie viele Sterne man hier abends am Himmel sieht. Wir schauen auf dem Heimweg auf die Automietpreise, aber die sind ziemlich teuer. Hier ist große Mode mit Quad zu fahren, er kostet z.B. 45 Euro/Tag, Roller 15, und ein Auto 30 Euro/Tag. Wir bräuchten für einen Tag einen Jeep, um nach Olympos zu fahren, weil dorthin nur eine 20 km lange Schotterpiste führt. Man kann als Alternative auch mit Schiff nach Olympos (bzw. in dessen Hafendorf, Diafani) fahren und dann noch mit dem Bus, aber es ist immer nur mit einer Reisegruppe möglich und wir wollen es so nicht. Für einen Jeep wollen sie hier 75 Euro/Tag – aber so viel geben wir auf keinen Fall aus. Schließlich sehen wir Jeeps für 35 Euro/Tag, aber der Laden ist schon zu. Wir besprechen, daß wir morgen bei Öffnung hierher kommen und versuchen den Jeep für morgen zu bekommen. 

9. September 2007

Wir stehen um 7 Uhr auf und um 8 Uhr stehen wir schon vor dem Autovermieter. Die billigen Jeeps sind schon leider ausgebucht, er hat nur noch einen mit stärkerem Motor, er kostet aber 56 Euro, aber wir handeln es auf 50 Euro runter. Es ist sehr viel Geld für ein Auto nur für einen Tag. Wir sind schon ganz gespannt, ob es wirklich nötig ist, ob man tatsächlich nicht anders nach Olympos fahren kann? Wir fahren mit dem Suzuki los. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, mal karg, mal mit Pinien bedeckt, mal wachsen nur niedrige Büsche. An den ersten zwei Tagen habe ich es noch für Übertrieben gehalten, daß man die Insel, die Insel der Winde nennt, aber es scheint doch richtig zu sein, da der Wind jetzt nicht mehr nur abends, sondern tagsüber auch ganz stark weht. Sogar oft so stark, daß man kräftige Windstöße erlebt. Im ersten Dorf, wo wir durchfahren, steht eine große Kathedrale und wahrscheinlich wird dort gerade eine Sonntagsmesse gehalten, da ein Priester so laut in ein Mikrofon jammert, daß die ganze Umgebung von seinem Wimmern schallt.

Aperi

Apella Beach

Der Weg nach Spoa (das höchst gelegene Dorf der Insel) ist nicht zu lang, ab dort hört die Asphaltstraße auf.  Die lange, staubige Schotterstraße schüttelt wirklich die Seele und auch die Nierensteine aus. :-) Aber viele trauen sich es trotzdem mit normalen PKWs. Als gefährlich würde ich ihn auch nicht beschreiben, und das Panorma ist knaller schön. 



Es dauert eine Stunde lang diesen ruppigen Weg zu schaffen. Unterwegs wird es mir auch klar, daß die Straße nicht (nur) wegen Geldmangel noch nicht fertig geworden ist, sondern weil es die Bewohner von Olympos so lassen wollen, damit die Touristen ihr Dorf nicht ganz überschwemmen können. Laut dem Reiseführer sollte die 16-18 km lange Strecke 2008 schon fertig sein, aber jetzt sind kaum noch Spuren von irgendwelchen Baustellen zu sehen. So verdienen die Autovermieter und die Schiffsgesellschaften noch Geld damit, aber wenn die neue Straße existiert, dann vielleicht weniger. Überall wird so angemerkt, daß die Schotterstraße nur mit Jeep befahrbar ist, es bringt natürlich mehr Geld für die Autovermieter. Man kan auch mit normalem Auto hier fahren, nur die Autvermieter legen es fest, daß wenn man hier mit dem Auto fährt und irgendwas passiert, dann gilt die Versicherung nicht. Als nach einer Kurve plötzlich Olympos vor uns steht, bleibt mein Mund vor Erstaunen offen. Olympos steht dort, wie ein Dorf auf Santorini auf dem Kalderarand, wie eine winzige Makette, oder wie ein Spielzeug eines riesigen Modelleur. 


Unter dem Dorf findet man einen großen Parkplatz, hier muß man das Auto lassen, und von hier zu Fuß gehen. Genau gleichzeitig mit uns kommen leider auch drei große Touristenbusse an, die die Touristen aus Diafani's Hafen rauffahren. Wir gehen mit den fließenden Menschenmassen los, aber wir geben etwas Gas und laufen vor, damit wir unsere Ruhe haben können. Für mich wirkt das Dorf sehr stark kykladisch. Die Hälfte der Häuser stehen leer. 







Die Hauptstraße ist direkt für die Touristen eingerichtet: eine Menge Souvenirläden reihen sich aneinander und in Tracht angezogene alte Frauen greifen nach deinem Arm, ziehen dich in ihre Läden rein und versuchen ihre Sachen aufzudrängen. Wir mögen es nicht, es ist für uns zu touristisch, zu künstlich. Wir spazieren zu den alten, auseinanderfallenden Windmühlen rauf und hinter diesen, in dem nicht mehr so touristischen Ortsteil, sehen wir noch echte Alltagsszenen, die uns schon viel mehr gefallen: alte Tante und Onkel sitzen auf der Terasse von Kopf bis Fuß in Tracht (die Tante hat Lederbundschuhe an, die über den Knöcheln aus dicker gestrickter Wolle bestehen...und es in 38° Grad Hitze). Diese Menschen kann man aber nicht nur so einfach fotografieren, es ist einfach unhöflich. Ich versuche, wie ein Paparazzi, von versteckten Positionen Bilder zu machen, aber ich habe zu schwachen Zoom dazu, es gelingt leider nicht. Das Dorf ist atemberaubend schön, ich kann es gar nicht anders beschreiben. 








Wir setzen uns schließlich zum Mittagessen auf die offene Terasse einer Taverne der Hauptstraße. Ein bißchen Gedanken haben wir darum, daß es so typischer "Touristenverarscherplatz" wird, aber zum Glück nicht. Der alte Opa bedient, und ruft uns mit sich in die Küche, wir sollen auswählen, was wir essen möchten. Die Oma sagt, sie macht uns einen Mixteller von allem, für 8,50 Euro. Wir nehmen es an, und es wird das beste Essen von unserem Karpathosaufenthalt. Auf dem Teller liegen 6-8 unterschiedliche Sachen, hauptsächlich gekochte und überbackene Gemüse, ein kleiner Fisch, komische süße Nudeln und mit zimtigem Hackfleisch gefüllte Zucchiniblüten. Alles schmeckt sehr gut und wir werden auch satt damit. Hier sprechen die alten Leute auch perfekt englisch. 


Aus Olympos fahren wir durch ein schönes Tal nach Diafani runter. Hier konnten sie allerdings eine normale Asphaltstraße bauen. :-) Diafani ist ein kleines, charakterloses Küstendorf.  





Wir spazieren hier eine Runde und wollen schon nach Hause fahren. Unterwegs überlegen wir es uns, wenn wir schon einen Jeep haben, sollten wir noch Richtung Awlona fahren. Awlona ist eine ganz winzige Siedlung, die  in einem schwer befahrbaren Tal liegt. Die Schotterpiste ist noch schlimmer, als nach Olympos war. Im breiten Tal liegen einige Grundstücke, die mit Steinmauern auseinander getrennt sind. An den meisten sehen wir nur ausgebrannten Rasen. Sonst ist alles ausgestorben. Der Reiseführer schrieb auch, daß die Einheimischen hierher nur im Winter zurückkehren, im Sommer gehen sie wo anders hin zu arbeiten. Auf den paar Grundstücken, wo noch Gemüse angebaut wird, bücken sich fleißige alte Ehepaare. Jeder Mensch starrt uns so an, als wir Marsbewohner wären. Einmal kommt uns eine, in schwarz gekleidete alte Frau entgegen. Ich versuche sie durch die staubige Windschutzscheibe zu zoomen, als wir gleich neben ihr vorbeifahren und sie grüßt uns mit einem zahnlosen Lächeln und lautem Giasuo ("Jassu"). :-) Ich schaffe sie nicht zu fotografieren. Dann sehe ich eine alte Frau in Tracht, die mit einem Schrubber ihre Weintrauben oberhalb ihrer Terasse runterschlägt. Wie sie nach oben langt, guckt unter ihrer Schürze ein Handy aus. So sieht das originale Dorfleben aus. :D Es wäre mein aller bestes Paparazzifoto, aber es gelingt beim fahren auf der Wackelstraße auch nicht... Die "Handy-Oma" fällt uns noch immer oft ein. 
Da wir keinen Sinn dieser Fahrt sehen, nach paar Minuten fahren wir schon auf dem selben Weg zurück. Auf einmal sehen wir, daß die zahnlose, schwarz gekleidete Oma auf einem Pick-up sitzt. Sie wartet anscheinend darauf, daß ihre Bekannten  - die aber jetzt noch bückend auf dem Feld irgendwas pflücken - sie irgendwohin mitnehmen. Ich freue mich schon, als ich sie sehe, endlich mal wird ein ordentliches Foto davon! :-) Als sie uns kommen sieht, winkt sie uns und versucht es mit Füßen und Händen zu zeigen, daß sie mit uns fahren will. Wir halten an, und sie springt schon von dem Pick-up-Wagen runter, es scheint ihr eilig zu sein. Na Bravo, innerhalb einer Minute sitzt schon die lustige Mama hinter mir in unserem Jeep und labert uns tot. :-) 


Ich frage sie: Olympos? Sie sagt: Nein: Diafani. Da wir gerade aus Diafani kommen, freuen uns nicht gerade darüber, daß wir jetzt mit ihr nochmal dahin fahren müssen. Sie plappert hinter uns pausenlos, mal griechisch, mal englisch, mal gemischt. Spitze! Auf einmal zeigt sie ganz aufgeregt, wir sollen anhalten, dann springt sie aus, läuft ca. 20 m weit zu einem Zaun, da hängt sie einen Plastikbeutel ab und setzt sich ins Auto und erklärt uns auf englisch, daß in der Tüte ihre anderen Schuhe sind. Als wir zu der Kreuzung von den Wegen nach Olympos und Diafani ankommen, sagt sie, daß sie hier aussteigt und hält einen anderen Fahrer an, da wir schon in Diafani waren, kann sie es von uns nicht verlangen, nochmal dort hin zu fahren. Wir setzen sie raus und ich frage, wie sie heißt: Eleni. Ich bitte sie um ein gemeinsames Foto. Sie will es nicht, weil sie keine ordentlichen Schuhe daran hat, so kann man sich doch nicht fotografieren lassen. Ich kann sie dann überreden, und sie bindet frisch ihr Kopftuch und versucht mit ihrem Bündel ihre Füße zu verstecken und sagt ständig, daß dieses Foto nicht in Ordnung ist, weil sie nicht „nice enough“ aussieht. Total lustig und ich mag sie schon sehr. Schade, daß wir uns so schnell trennen. Sie bedankt sich hundertmal, daß wir sie mitgenommen haben und verabschiedet sich mit Bussis und Umarmen. Wie in einem Märchen. 


Es war für uns das echte originale griechische Erlebnis und nicht die touristenvollen Straßen in Olympos. Auf dem Heimweg fahren wir zum Strand Apella runter, ihn anzuschauen und zu fotografieren. 

Apella



Dann halten wir noch im Dorf Kyra Panagia an, dessen Kirche man aus jedem Reisekatalog oder von Ansichtskarten als Wahrzeichen von Karpathos kennt (Bild davon später).

Die Bucht von Kyra Panagia

Der Jeep ist innen schon voll mit Staub und wir selber auch. Wir kaufen in dem Strandbuffet in Pigadia zwei Pitagyros zum mitnehmen. Das serbische Mädchen erkennt uns sofort und lächelt. Wir essen zuerst unser Abendessen zu Hause und dann bringen wir den Jeep zurück und tauschen auf ein Auto um. Wir kriegen einen Ford Fiesta für die nächsten Tage. Heute Abend faulenzen wir, draußen ist es ganz kalt, auf der Terasse können wir nur gut angezogen aushalten. Wir kniffeln und trinken Bier. Loui trödelt abends im Garten herum und sagt hundertmal "How are you". :D Wir sind müde, gehen früh ins Bett. 

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

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