Sonntag, 24. Juli 2011

Karpathos - die Insel der Winde 2007/3.

10. September 2007

Die Insel ist klein, wir müssen nicht früh dazu aufstehen, daß wir sie umfahren. Heute Nacht war es sehr kalt, ich habe mich gefroren, wir haben hier nur Leinentuch als Decke und keine dickere Wolldecke. Unser erstes Ziel ist das Dorf, Menetes. Er soll nach Olympos das zweitschönste Dorf auf der Insel sein. Wirklich ist es stimmungsvoll und von der Terasse seiner großen Kirche hat man einen weiten Blick fast über die halbe Insel. 

Menetes
Der Müllesel :-( 


Heute ist der erste Tag, daß es keine Wolken gibt und die Luft nicht dunstig ist. Der Himmel ist strahlend blau, man hat einen weiten Blick und es ist das ideale Wetter zu fotografieren. In der Cafeteria an der Ecke sammeln sich alte, typische Griechen zu einem Kaffee und wir werden Augenzeugen der örtlichen Abfallentsorgung: die von einem armen Esel ausgeführt wird. Kurz vor dem Dorf steht in einer Kurve der Dorffriedhof, dessen Kapelle auf den Postkarten mit blauer Kuppel steht, jetzt ist sie aber auf rot gestrichen. Ich finde es total interessant, warum die Einheimischen nach paar Jahren die Farbe ändern, ob es vielleicht mit irgendwelchen Religionsursachen in Zusammenhang ist? 


Nach Menetes wollen wir die schönsten Strände um den Flughafen herum entdecken. Wir finden aber leider den Weg nicht, wo man hinter den Flughafenzaun gehen könnte. Dann fahren wir weiter und schauen die 5 benachbarten Buchten von Ammopi an. Alle sind wunderschön, aber wir baden erstmal nicht, nur sammeln die Informationen in unseren Köpfen. 
bei Ammopi


Dann fahren wir durch eine, mit Windrädern gezierte Hochebe auf die andere Seite der Insel. Von hier kann man bis zu der nah liegenden Insel Kassos sehen. Im Dorf Arkasa halten wir als nächstes an und spazieren hier schnell herum. Das Dorf ist sehr schön, aber wir ertragen die 40°Grad Mittagshitze nicht mehr in der Sonne.  

Küste irgendwo bei Arkasa

Arkasa



Die nächste Siedlung ist Finiki, welche nur aus paar Häusern besteht und hier fällt es uns schon mehrere Male  auf, daß jedes Dorf auf der Insel auf dem Dorfplatz eine Stelle hat, wo die Briefkästen von den allen Bewohnern des Dorfes stehen. Es ist lustig, ich habe es noch nirgends gesehen. Laut des Reiseführers kann man in Finiki den besten Fisch auf der Insel essen. Da in Pigadia wir sowieso keine Fischtaverne gefunden haben, so wollen wir jetzt hier mittagessen. An dem winzigen Hafen reihen sich sofort 5-6 Fischtavernen aneinander. Auf unsere vorherigen Erfahrungen basierend suchen wir meistens die Tavernen, wo nicht die ganzen Touristen sitzen, sondern welche eher leer sind, oder nur Einheimische drin sitzen. Wir finden hier zwei solche. Eine ist in einer Nebengasse und die andere an der Küste - die letztere gewinnt. Auf seiner Tafel steht eine Fischplatte für zwei Personen für 18 Euro, sonst kann man hier auch (wie sonst überall) alle Fischsorten nach Gewicht kaufen, und so ist es sehr teuer. Zum Glück, kriegt das neben uns sitzende italienische Paar gerade eine solche Fischplatte, als wir uns hinsetzen. Ein Blick darauf überzeugt uns, daß wir auch dieselbe bestellen wollen. Auf der Platte sind zwei kleinere Doraden, zwei flache, am Rand stachelige Skorpionfische, eine große Scheibe Schwertfischfilet und noch ein größerer Fisch. Insgesamt 6 Fische und ein großer Haufen Pommes dazu. Wir bestellen noch extra einen Horiatiki Salat. Mit zwei Getränken bezahlen wir zum Schluß nur 25,70 Euro! Das Essen ist fast zu viel, aber alles ist göttlich lecker, wir essen langsam und schaffen doch alles aufzuessen. :-) Zufrieden und sehr satt fahren wir aus Finiki weiter. Nur die Teenagerbedienung war ziemlich unfreundlich, aber wir lassen uns von so was in einer so idyllischen Umgebung nicht stören. 

Finiki




Wir fahren jetzt nach Norden weiter, wo nur noch zwei Dörfer vor uns liegen. Die Landschaft und die Küsten faszinieren uns in jeder Minute mit ihrer vielfältigen Schönheit. Wir halten oft zu fotografieren an, bzw. wir stehen mehr, als wir fahren. :-) Vor Mesochori empfängt uns der Anblick eines abgebrannten Berghanges. Im Frühjahr 2004 hat hier ein unerwarteter Brand fast alles vernichtet und das Dorf Mesochori wurde von einem Feuerring umzingelt, die Menschen haben das Feuer zu spät gemerkt, Hilfe kam auch viel zu spät. :-( 




Das Dorf selbst macht auf mich keinen großen Eindruck, eher seine Umgebung. Nach paar Minuten wenden wir uns und fahren runter an die Küste, nach Lefkos zu baden. Um das Dörfchen sind mehrere wunderschöne Badebuchten, der Hauptstrand ist der schönste, das Wasser ist kristallklar, die Küste ist goldsandig. Hier hören wir nur italienische Sprache. 

Lefkos




Wir packen unsere Sachen in den Schatten einer Tamariske und gehen schwimmen, schnorcheln und bleiben ca. anderthalb Stunden hier. Dann fahren wir heim und fahren mit dem Auto zu dem großen Laden, der so weit liegt, zu einkaufen. So können wir für die übrigen fast zwei Wochen unsere ganzen Getränkevorräte besorgen. In der Nähe ist ein Reisebüro, wo man Fährtickets kaufen kann, da gehen wir noch hin und kaufen die Tickets nach Kassos (hin und zurück 13,30 pro Person). Zum Abendessen mache ich Horiatiki, wir schreiben unsere Postkarten und kniffeln auf der Terasse. Heute Abend weht der Wind nicht, so ist es draußen angenehm warm.  

11. September 2007


Heute schauen wir erst die drei kleinen Dörfer oberhalb Pigadias an. Das erste ist Aperi, das nächste: Volada, und das dritte: Othos. Alle drei sind charmant. Dann überqueren wir die Insel und fahren Richtung Arkasa zur Küste runter. Dort suchen wir die ausfallenden, felsigen Buchten auf. Alle sind so schön, daß ich an jeder meinen ganzen Tag verbringen könnte, aber ich kann mich heute gar nicht entscheiden. 







Heute finden wir ganz zufällig die versteckte Straße hinter dem Flughafen. Zuerst führt sie parallel mit der Lande-und Startbahn, neben dem Zaun, dann schlängelt sie sich auf der Sandsteinhochebene und tausende Abzweigungen führen zu den Traumstränden runter. 



Wir schauen drei an und dann erblicken wir unseren Traumstrand. Der Strand versteckt sich tief im Schutz, den ihn umarmenden Sandsteinfelsen. Er ist sandig, kieselig. In den umliegenden Felswänden haben sich Tore gebildet, das Wasser ist kristallklar und an der ganzen Küste sind nur zwei Paare. Wir gehen darunter und finden dort in der Sandsteinwand einige kleine Höhlen, die das Wasser ausgewaschen hat. Da M. immer den Schatten sucht, sind diese Nieschen direkt praktisch, nur ein bißchen fühlen wir uns so wie die Neandertaler. :-) In dem, unseren Köpfen überwölbenden Sandsteinfels sind tausende urzeitliche Muschelablagerungen. Irgendwann vor Jahrmillionen stand dieser Teil der Insel unter dem Meer. Das Wasser ist nur drei Meter weit von uns.   





Wir ziehen uns ganz aus (wie auch die anderen zwei Pärchen) und schwimmen weit zwischen die Felsen rein. Wir schwimmen unter den zwei Felstoren durch und sehen interessante Fische und eine Wasserschlange oder vielleicht Muräne? Sie ist ca. 1 m lang und ihr Kopf sieht aus wie Muräne, ihr Körper ist schwarz-gelb fleckig.  Wir schwimmen auch durch ein enges Loch, wo wir irgendwas schleimiges grünes berühren. Dann mache ich meine Brille runter und sehe, daß meine Handfläche voll mit diesem grünen Zeug ist. Ich reibe sie ab, aber sie  kleben wie die Distel und dann schmiere ich sie irgendwie, mit einer unbemerkten Bewegung zufällig in mein Gesicht. Meine Oberlippe fängt an zu brennen. Ähnliches Gefühl, als wenn man in Brennessel langt. Meine Lippe schwillt innerhalb Sekunden zum Schlauchboot an, und meine halbe Gesichtsseite wird taub, pelzig. So ähnlich wie bei dem Zahnarzt nach der Spritze. M. zeigt mir sein Knie, ihn hat es bei dem Durchschwimmen durch das Loch total erwischt, sein ganzes Knie ist feuerrot und ist voll mit tausenden roten Punkten, bis dann sein Knie zu einem großen roten Ball wächst. Die Stiche brennen furchtbar, aber noch schlimmer ist das eingeschlafene taube Gefühl. Aber dieser Strand ist so schön, wir versuchen uns mit unseren Stichen nicht mehr zu beschäftigen und das Hiersein zu genießen. Es gelingt uns auch ganz gut. Wir genießen sehr die Nacktheit, es ist das erste Mal, das wir uns irgendwo am Strand ganz ausziehen. Es ist ein wunderschönes Gefühl wie die streichelnden Strahlen der Sonne und das heilende Wasser des Meeres jeden Winkel unserer Körper berühren. Wir würden gerne bis zum Abend hier bleiben, aber unser Trinkwasser geht aus und das Auto müssen wir auch um 19 Uhr zurückgeben.  






Wir haben keine Uhr dabei und unser Zeitgefühl täuscht uns leider, wir kommen schon um 18 Uhr heim. Erst geben wir das Auto ab und dann gehen wir zum Essen. Heute spazieren wir nicht in die Stadt rein, sondern gehen in die Taverne, die an der Ecke unserer Straße und der Hauptstraße steht. Sie war bis jetzt immer voll und die Fotos von den Gerichten schauen gut aus. Hier bedient uns ein skandinavisches Mädchen. Aber als ich die Menükarte anschaue, würde ich am liebsten weggehen, weil sie kaum Auswahl haben. Schließlich gehen wir hier hungrig weg, weil die beiden Portionen Lammkotlett und Kalamari sind so wenig, wie die Kinderportionen und dagegen aber ganz schön teuer. Wir gehen spazieren und setzen uns in die Bar am Hafen, wo wir schon waren. Später sitzen wir noch bis Mitternacht auf der Terasse. Unsere komischen Stiche vom Strand werden bis Abend eiterig und platzen auf. 

12. September 2007. Kassos – die verlassene Insel


Um 10 Uhr fährt unsere Fähre aus Pigadias Hafen los. Ich habe von dieser Fährgesellschaft (Lane Sea Lines) vorher noch nie gehört. Mit dem alten, großen Stahltrog dauert die Fahrt anderthalb Stunden lang nach Kassos. Zum Glück ist heute auf dem Meer Windstille, so können wir die Fahrt auf dem offenen oberen Deck genießen. Unser Schiff ist schief! Es merken wir erst daran, daß wenn wir hinten rausschauen, dann steht das Geländer des Schiffes ca. um die 10 Grad Winkel schief gegen den Horizont. Da der Horizont nicht schief sein kann, kann es nur unser Schiff sein! :-) Sicherlich wurde die Ladung falsch eingeräumt. Kein Wunder, daß griechische Fähren so oft verunglücken!
Ich sehe schon aus dem Schiff, daß das Dörfchen Kassos viel kleiner ist, als wir es uns vorgestellt haben. Heute brennt die Sonne mit gnadenloser Kraft. Wir laufen binnen Minuten die ganze Umgebung des Hafens herum und schnell wird es uns klar, daß hier nichts mehr anderes anzuschauen ist. Wir spazieren zu dem winzigen Flughafen der Insel und unterwegs fällt es uns auf, daß alle Häuser unbewohnt sind, die Spaletten sind zu, manche fallen schon fast auseinander. Wir bummeln in den kleinen Gässchen rum, wo keine Spuren  außer paar Katzen und prachtvollen Blumen des Lebens zu entdecken sind. Aber ein Minikrankenhaus existiert hier doch, was uns total überrascht. Je weniger lebende Seelen wir treffen, desto mehr wuchern überall die tollen Bougainvilleas. 






Die Sonne brennt unertragbar, meine Arme brennen binnen Minuten zu rot, trotz daß ich die Sonnencreme mit Faktor 30 auf mich geschmiert habe. Nachdem, daß wir die kleinen Straßen durchbummeln, setzen wir  uns in die einzige Taverne, welche am Hafen steht. Eine große Familie ißt gerade Mittag. Wir bestellen mehrere unterschiedliche Vorspeisen. Alle sind lecker, und so passt es uns perfekt, daß wir vier unterschiedliche Geschmäcker ausprobieren können. Wir überlegen uns, daß wir evtl. mit dem örtlichen Bus in andere Dörfer der Insel fahren könnten, aber wir haben Sorgen, wenn irgendwas falsch läuft, könnten wir dann unsere Fähre verpassen. Die Fähre fährt nach Kreta weiter und kommt abends von dort zurück. Später setzen wir uns auf die Terasse eines Cafés und schlürfen dort anderthalb Stunden lang unsere Frappés. Die Zeit will kaum vergehen, wir bereuen schon, daß wir auf diese Insel gekommen sind, statt was sinnvolles auf Karpathos zu machen. Zum Schluß spazieren wir nochmal und unsere Fähre verspätet sich. Am Hafen sitzend fangen wir mit einem deutschen Ehepaar zu reden an, die mehrere griechische Inseln als Rucksacktouristen besuchen. Sie wollten paar Tage auf Kassos bleiben, aber diese Kryptastimmung hier gefällt ihnen auch nicht, sie fahren mit uns nach Karpathos zurück. Wir setzen uns gemeinsam darein, wo wir mittaggegessen haben und trinken ein Getränk. Die Fähre verspätet sich zwei Stunden und kommt genauso schief zurück, wie sie am Vormittag war. Man sieht schon von weitem, daß sie nach links kippt. Bis wir endlich losfahren, dämmert es schon und wir dürfen an einem wunderschönen Sonnenuntergang teilnehmen. Dann ist es nicht mehr so interessant in der rußschwarzen Nacht. Der Wind wird stärker, aber wir bleiben auf dem offenen Deck. Wir kommen sehr spät nach Hause. 


Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

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