Sonntag, 28. August 2011

Peloponnes 2010/1.

1. Tag, 10. Juni 2010

Frühes Aufstehen...mit dem Flug alles in Ordnung...die Koffer bekommen wir auch schnell...genau um 13 Uhr laufe ich, wie eine vergiftete Maus hin und zurück vor dem Flughafen von Athen, den Minibus suchend, der uns abholen sollte, aber er ist nicht da. Wir haben diesen Transfer vom Autovermieter auf 13 Uhr bestellt. Ich bin innerlich sehr nervös, aber beruhige mich damit, daß eine halbe Stunde Verspätung noch locker zu der griechischen Mentalität passt. Wir haben noch Zeit zu verzweifeln. Um 13:20 kommt dann der Minibus und wir steigen mit einem anderen Paar ein und fahren maximal 5 Minuten zu dem Standort der Firma Auto Union. Den Mietwagen bekommen wir binnen Minuten und da sie unsere gewünschte Kategorie nicht da haben, kriegen wir eine Nummer größeres Auto, ohne Aufpreis! Es ist ein Hyundai Accent und wir freuen uns sehr darüber, da er einen mächtigen Kofferraum hat, wo alles und noch drei Leichen bequem reinpasst. Der Mietpreis wird von unserer Kreditkarte abgebucht und keine Kaution!!! Ganz ungewöhnlich, aber sympathisch. Der Prozess des Automietens geht sehr schnell und korrekt. Sie nehmen mich als Zweitfahrer ohne Plus Gebühr auf. 

Wir fahren mit unserem großen, alten, weißen Auto, das wenig PS und eine schwache Klimaanlage hat, um 14 Uhr los. Wir verfahren uns in Athen sofort, da ich die falsche Karte eingepackt habe. Wir springen in einen großen Supermarkt ein, um Getränke zu kaufen und fragen die Kassiererin nach dem Weg Richtung Korinthos, aber sie zieht nur ihre Schulter hoch. Später fragen wir einen Tankstellenangestellten und er zeichnet den Weg sofort auf ein Papier und erklärt uns alles ganz nett und mit einem guten Englisch. Seine Beschreibung ist perfekt und wir finden ganz schnell den richtigen Weg und fahren schon aus Athens Chaos Richtung Elefsina raus. 

Bis wir aus der Stadt rausfahren, fährt M., dann tauschen wir. Ich fahre dann bis Tripoli. Ich genieße es, da auf der Autobahn seit Kortinhos fast kein Auto außer uns fährt. Zuerst fahren wir durch sehr schöne, bergige Landschaft, dann wird sie Richtung Tripoli flacher. Zwischen den, die zwei Bahnen trennenden Leitplanken, sind Oleander eingapflanzt, meistens dunkelrosa, oder weiß, aber ab und zu auch fast unbekannte, interessante Farben. Die ganze Zeit begleiten sie uns auf der Autobahn. Ich liebe dieses Bild. Die Landschaft ist stark grün, die Hänge sind gelb von den blühenden Ginstern. Ich habe Griechenland meistens im Herbst, ausgetrocknet, farblos, gelb erlebt, und jetzt sind die Farben stark und spenden für die Landschaft eine einmalige Schönheit. Es ist die Schönheit einer Frühsommerreise. Es gibt sehr viele Baustellen auf dieser Autobahnstrecke und wir fahren oft nur mit 60 km/h, irgendwann beherrscht uns die Müdigkeit und wir möchten schon endlich in Finikounda ankommen.  

Autobahngebühren auf dieser Strecke (2010):
Erstes Tor nach Athen: 2,90 Euro
Zweites Tor bei Nafplion: 1,40 Euro
Drittes Tor bei Tripoli: 1,30 Euro

Es wird plötzlich bewölkt, und wir fahren erneut in Richtung Berge, wo uns dann der Regen erreicht und wir gelangen in ein fürchterliches Gewitter. Hier tauschen wir und M. fährt bis Messini. Der Regen hört erst dort auf. Die Luft hat sich von den 33° Grad in Athen jetzt auf 21° Grad abgekühlt.  
Bei Messini finden wir zufällig einen Lidl und wir halten hier an um einzukaufen, so können wir unsere Getränkevorräte viel billiger besorgen, als wenn wir sie in örtlichen Kleinläden kaufen würden. Wir kaufen auch Gemüse und Obst, eine grose Dose Fetakäse und noch paar Kleinigkeiten. 

Nach Messini fahre ich ganz bis Finikounda, die Straße, die durch stimmungsvolle Küstendörfer führt, gefällt mir sehr und ich gucke nur verzaubert, wie viele Farben und Sorten es von Oleandern, Bougainvilleas und Trichterblüten es hier gibt. Von Athen nach Finikounda haben wir 347 km hinter uns gelassen und wir kommen erst um 20 Uhr an. Die Unterkunft habe ich im Internet gefunden und im Voraus gebucht.

Die schönen, neuen Bungalows sind leicht zu finden, sie liegen direkt rechts an der Hauptstraße: fünf bunte, fröhliche, moderne Häuschen (Studios Chroma). Eine Markise ist über den Parkplätzen gespannt und als wir darunter parken, treffen wir gleich den jungen Besitzer, Zacharia. Als wir aussteigen, gibt er sofort seine Hand, aber sprechen können wir nicht viel miteinander, da er nur paar Wörter auf Englisch kann. Obwohl sein Handgelenk eingegipst ist, hebt er sofort die zwei schweren Koffer und schleppt sie über die lange Treppenreihe zu dem obersten Haus. Die Einrichtung ist so neu, daß es noch nach Neumöbeln riecht. Alles ist modern, geräumig, bequem, geschmackvoll und sauber. Die Küche hat noch einige Mängel, aber später sehen wir, daß Zacharia jeden Tag noch Sachen bringt, er war einfach noch nicht so weit mit der Einrichtung. Es gibt Mückennetze, Klimaanlage und auch Fernseher. Der Balkon ist schön, und wir haben einen Blick auf ganz Finikounda und auf das Meer. Es kostet 45 Euro/Nacht.




Wir packen aus, und haben ein bißchen Sorgen, daß es hier wegen der Hauptstraße sehr laut wird, aber schließlich fährt doch vielleicht ein Auto pro Stunde hier vorbei. Nach dem Duschen spazieren wir ins Dorf runter, es dauert nur 5 Minuten den Ortskern zu erreichen. Wir haben Bärenhunger und setzen uns gleich in die zweite Taverne rein, die direkt an der Küste steht. Als der Besitzer kommt, fange ich an quälend auf Griechisch mit der Bestellung, worauf aber er gleich uns auf Deutsch anspricht. :-) Er ist selbst Deutscher oder Österreicher. Wir essen Kalamari und Gavros mit Pommes und Tzatziki. Alles schmeckt sehr gut und die Portionen sind mächtig, wir können gar nicht alles aufessen. Wir würden noch gerne wegen der Stimmung bleiben, aber der Küstenwind wird immer stärker und ich friere mich. Wir zahlen mit zwei Getränken 24 Euro und gehen zu unserer Unterkunft zurück. Dort oben bewegt sich die Luft keinen Millimeter, es ist eine kaum ertragbare Hitze draußen und auch im Zimmer. Im Dorf gibt es (zur Zeit) kaum Touristen, wenn doch, dann sind es Deutsche oder Österreicher. Der ganze Ort strahlt eine sehr deutsche Atmosphäre aus, die Metzgerei gehört auch zu einem Deutschen und viele Ausschriften stehen auf den Schildern auf Deutsch. Fast jedes Haus hat "rooms to let" , eigentlich das ganze Dorf ist ein Haufen von lauter Unterkünften. Ich finde Finikounda charmant, ruhig und es hat eine gute Lage, seine Küste ist auch schön. Wir sind hier 2005 nur durchgefahren, bzw. für ein Foto angehalten und damals hat es hier mir schon so gut gefallen, daß ich unbedingt zurück wollte. Meine Wahl lag dann nicht falsch. Wir genießen sehr lang auf dem Balkon den Blick des sternenklaren Himmels und die Lichter des Dorfes.   

Die erste Nacht ist für mich (wie fast immer) eine Qual. Ich kann kaum schlafen, vielleicht 2-3 Stunden insgesamt in Stücken. Wir haben leider auch viele Mücken drin.

2. Tag, 11. Juni 2010

Der Morgen ist wunderschön auf dem Balkon. Vor uns liegt das charmante Dorf von dem Morgenlicht ganz anders beleuchtet, und dahinter das ruhige, glatte Meer, mit paar Inselchen drinnen. Ich wollte immer im Leben mein Frühstück so verzehren, bei einem solchen Blick. Wir genießen es, und sitzen ganz gemütlich bis 10 Uhr da und dann fahren wir nach Koroni, in das hübsche Dorf, wofür 2005 leider keine Zeit blieb. Der Weg wäre in Luftlienie kurz, aber durch die Berge, über Serpentinen dauert es doch etwas länger. 


In Koroni findet man sofort am Ortseingang einen größeren Parkplatz, es ist empfohlen das Auto hier zu lassen, weil in den engen Gassen dann sowieso keine Parkmöglichkeit mehr kommt. Wir wollen trotzdem erst mit dem Auto das Dorf entdecken, da M. mit seiner Schiene auf dem Bein und mit den Krücken in den steilen Gassen noch kaum laufen kann. 


Unbewusst gelangen wir dann plötzlich oben zu der Burg und schämen uns nicht direkt vor deren Eingang anzuhalten. Es macht keiner sonst, aber wir wissen, daß M. auf keinen Fall von unten bis hierher raufkommen könnte, also ihm bleibt keine andere Möglichkeit die Burg anzuschauen. Schließlich wagen wir aber das Auto doch nicht hier zu lassen und er bleibt doch dort, wenn er wegfahren müsste und ich gehe allein in die Burg. Große Hitze herrscht heute. Ich spaziere auf dem Weg bis zur Kirche, wo auch ein Friedhof ist und erreiche danach die Burgmauer, wovon man auf den schönen Strand (Zana Beach) von Koroni runterblicken kann. Direkt unter mir steht eine ältere Kirche zwischen Zypressen, Pinien und Palmen, das Wasser hat grüne Saphierfarbe und ist kristallklar, der gesamte Anblick erinnert mich viel mehr auf ein Bild von Mallorca, als von Griechenland. Dann laufe ich recht schnell weiter (da ich nicht gerne allein bin und noch weiniger gern M. warten lasse) entlang der Mauer und mache paar Fotos von den wunderschönen felsigen Küsten unten.  

Als ich zurückkomme, steht M. im Schatten und erzählt, daß irgendwelche Griechen mit ihm geschimpft haben, daß wir dort parken. Ich kann es völlig verstehen, da hier Parkverbot ist, aber es war ein älteres Ehepaar, die auch mit Auto raufgefahren sind und wollten für sich den einzigen Parkplatz - darum ging es.  
Ich erzähle  M., was ich alles gesehen habe. 

Zana Beach


Es ist ein furchtbar schlimmes Gefühl für mich, daß wir uns trennen müssen und es tut mir direkt weh, daß er diese Sachen nicht sehen kann und daß er irgendwo sitzen bleiben muß und sich langweilt, währenddessen ich die schönen Sachen allein erlebe. Wir gehören zusammen und die neue Entdeckungen machen auch nur zusammen Spaß, daß man sich dann sofort äußern kann, man kann seine Gefühle, Endrücke erzählen, besprechen. Wenn mich irgendwas berührt, ich jubele, springe rum, wie ein kleiner glücklicher Hund, ich grinse, aber allein muß ich es natürlich auch zurückhalten. Ich bin innerlich voll nervös, daß ich schnell wieder bei ihm sein möchte, und so macht es keinen Spaß. 

Dann fahren wir in den unteren Parkplatz zurück und spazieren zu der Küstenpromenade, wo wir uns dann in den schattigen Teil einer Taverne, direkt am Wasser reinsetzen. Ich habe Hunger, aber wir wollen hier jetzt noch nicht mittagessen, so bestelle ich einen Joghurt mit Honig und Nüssen und M. einen Frappé. Später schickt er mich weg, ich soll ganz ruhig allein rumschauen, er sitzt hier gut mit seinem Frappé. Ich gebe zu, ich wollte noch so gerne in den Gässchen bummeln und fotografieren, so gehe ich über hunderte Treppen in der großen Hitze los und laufe bis zum Dach des Dorfes, daß ich fast zusammenfalle. Es ist schon wieder ein schlechtes Gefühl, daß ich Sachen sehe, die er nur auf den Fotos sehen wird. Ich will es nicht mehr so machen. Entweder gehen beide, oder keiner von uns. 



Als ich zurückkomme, bezahlen wir den Joghurt und Frappé (4,5 Euro) und spazieren zurück zum Auto. Koroni hat sehr gute Bäckereien, es lohnt sich das frische Brot hier zu kaufen. 

Auf dem Weg nach Hause fahren wir zu einer versteckten Bucht (Tsapi) runter. Schöner Strand und das Wasser ist kristallklar, wie hier überall. Wir baden jetzt nicht, aber merken uns den Strand für später. Wir essen daheim Mittag: frisches Brot, Fetakäse und Gemüse. Dann gehen wir zu dem örtlichen Strand und unterwegs kaufen wir einen Sonnenschirm. Hier ist nicht so windig, wie sonst, aber dazu stark genug, daß der Schirm nicht halten kann. Es ist das erste Mal, daß M. seine Knieorthese abnimmt und versucht ins Wasser zu kommen. Er läuft sehr unsicher und schwierig, ich muß ihm helfen. Das Wasser ist sehr kalt. Ich treibe M. ständig an, er soll Übungen im Wasser machen, es wird die Schwellung auch lindern und wird seine Beweglichkeit zurückgeben. Er ist sehr traurig über seinen Zustand, hat Sorgen, wie könnte er den Urlaub so genießen, aber ich bin sicher, das Wasser wird Wunder tun. Er muß nach dem Urlaub arbeiten gehen, bis dahin muß sein Knie funktionieren. Ich bin gnadenlos und lasse ihm keine Ruhe mit den Übungen. 

Strand von Finikounda

Wir gehen gegen 18 Uhr heim und nach dem Duschen sitzen wir noch lang auf dem Balkon. Später bekommen wir Hunger und gehen ins Dorf runter um Gyros zu essen. Aber bei dem Auto fällt mir ein, Methoni liegt in der Nähe, es ist doch ein größeres Dorf und auch mal was neues, wir fahren lieber dorthin zum Abendessen.  


Wir sind schnell dort und setzen uns in eine Taverne, die voll mit Deutschen ist. M. ißt Souvlaki, ich Moussaka. Beide sind lecker und ausgiebig. Mit einem Tzatziki und zwei Getränken bezahlen wir dafür 19,40 Euro. Wir denken, die älteren deutschen Herren  - die hier die Knochen in Serviette wegräumen für die Hunde - leben wahrscheinlich hier. 

Nach dem Essen fahren wir nach Finikounda zurück und spazieren noch eine Runde in die andere Richtung, wo wir noch nicht waren. Zu unserer Überraschung ist hier das hübsche und lebhafte Dorfzentrum mit  Bars, Geschäften voll und empfängt uns ein Nachtleben, wie wir hier in der Umgebung noch nie gesehen haben.  Der Hafen ist auch stimmungsvoll, mir gefällt Finikounda sehr, ich mag hier sein. Wir sitzen danach noch bis spät in der Nacht auf unserem Balkon, die hierherige Stimmung bezaubert uns total. Die sanfte Brise bringt ab und zu den süsslichen Duft des Anis, Jasmins und Oleanders, es herrscht stille, tausende Sterne leuchten am Himmel  - es ist so idyllisch - nur der Mond fehlt. Ja es ist wahr, ich bin nicht verrückt, aber in Finikounda gibt es keinen Mond! Wir suchen ihn überall auf dem Himmel, aber wir finden ihn 4 Tage lang nicht, auch wenn ich in der Nacht aufstehe, gucke ich raus und suche nach dem Mond, aber Finikounda hat keinen. Ganz komisches Gefühl, da es den Mond doch geben muß, konnte keiner ihn wegklauen!!!

Jetzt schlafen wir schon gut, die Mücken stören uns auch nicht mehr (wir lassen nie was offen), die Klimaanlage lassen wir stundenlang laufen, bis wir auf dem Balkon sitzen, und wenn wir schlafen gehen, schalten wir sie aus, so schlafen wir in idealen Temperaturen. 

Finikounda:



Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

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