Mittwoch, 21. September 2011

Wanderung von Ehrwald zur Knorrhütte

Wir waren am 15. September an unserem freien Tag wandern.

Wir sind um 7 Uhr in Oberschleißheim losgefahren und haben uns tot geärgert, weil wir durch den morgendlichen Arbeitsverkehr und etliche Baustellen mehr als eine Stunde gebraucht haben durch die Stadt zu fahren. Ich wollte um halb 9 schon in Ehrwald sein und mit der ersten Seilbahn losfahren, aber wir waren erst um halb 10 dort. Unterwegs wurde der Nebel immer dicker und dicker.
Ehrwald liegt direkt an der deutsch-österreichischen Grenze, in Österreich, hinter der Zugspitze. Von hier gehen viele wunderschöne Wanderwege los, einige davon haben wir schon in der Vergangenheit erwandert. Wir fahren mit der Gondelseilbahn zur Ehrwalder Alm rauf, damit sparen wir 500 m Höhenunterschied bzw. eine sehr steile Strecke. Die Almbahn ist seit 2007, als wir letztes Mal hier waren, teurer geworden. Jetzt kostet die Einzelfahrt 10 Euro und die Berg- und Talfahrt 13,50/Person. Wir kaufen hin-und zurück Tickets und fahren los. Auf der Alm ist der Nebel so dicht, daß wir nicht mal 5 Meter weit sehen können. Wir sehen nicht in welche Richtung der Pfad führt, wir gehen wie die Blinden los. Man hört Kuhmuhen und Kuhglocken, sehen können wir aber die Viecher nicht. Ich will gerade Wassertropfen auf den Pflanzen fotografieren, als drei wild gewordene Kühe uns unbeachtet, direkt neben uns vorbeirennen. Ich kriege fast Herzinfarkt und habe direkt Angst, da wir die anderen Kühe ständig hören aber nicht sehen können. M. erzählt, er hat letzte Woche im Radio gehört, daß jemand von einer Kuh getrieben und totgetreten wurde! Wir erleben noch zweimal, dasselbe, daß ein wilder Stier zwei Kühe treibt und sie direkt neben uns vorbeisausen, bzw. wir müssen auf die Seite springen. Ich finde es total lebensgefährlich. 

Von der Natur erschöpfte Diamenten:






Dann erreichen wir eine Kurve, wonach der Nebel sich zum Glück auflöst und man hat schon eine weitere Sicht. Aber es bleibt trotzdem den ganzen Tag so: mal kommen wir in den Nebel, mal in den Sonennschein. Es fasziniert mich total wie der Nebel von den tiefen Tälern mit Hochgeschwindigkeit nach oben saust und binnen Sekunden alles verputzt, was in seinem Weg steht und dann kann man nichts mehr sehen.








Später müssen wir neben einem ganzen Dutzend wilden Kühen vorbeigehen, die uns so böse anschauen, daß ich es mir fast nicht mehr traue, da vorbeizugehen. Dann gehen wir immer aufwärts und in dem dichten Nebel können wir kaum was sehen. Oben auf dem Berg hört dann plötzlich der Nebel auf und wir haben einen wunderbaren Blick auf grüne Hänge, oben mit hellen Felsen darauf, wo mehrere dutzende Gämse grasen. Die sind ca. 100 m über uns und ich fotografiere sie sehr lang. Es ist für uns ein sehr schönes Erlebnis. 



Kurz darauf erreichen wir einen Sattel und auf dessen anderer Seite erschließt sich ein ganz anderes Bild vor uns. Strahlender Sonnenschein, unbeschreiblich grüne Täler und in denen unzählige grasende Gämse, pfeifende Murmeltiere, wie das Paradies selbst. Die starken Farben und wunderschönen Formen faszinieren mich, ich kann mit dem Fotografieren nicht aufhören. 






Dann steigen wir über einem steilen Pfad und klettern durch Felsen auf, bis wir die Berggrenze zwischen Österreich und Deutschland erreichen. Dieser Ort heißt Gatterl und hier wurde ein Drahtzaun gezogen, mit einem Tor, auf dessen zwei Seiten zwei Schilder stehen: Republik Österreich und Bundesrepublik Deutschland. Ich finde es echt witzig. Wir sind nach Österreich gefahren zu wandern und jetzt dürfen wir nach Deutschland zurückwandern. Hier laufen wir hinter dem Berg, vor dem wir bis jetzt gelaufen sind und uns empfängt erneut undurchsichtiger Nebel. Der Pfad führ durch ein steinernes Meer, wo man sehr schlecht gehen kann. Viel später löst sich wieder der Nebel auf und plötzlich sehen wir blauen Himmel und in der Ferne, links vor uns die Zugspitze, so klar daß wir auch noch das Gipfelkreuz sehen können. Schließlich erreichen wir unser heutiges Ziel, die Knorrhütte. Hier ruhen wir uns aus, trinken und essen und dann gehen wir auf dem selben Weg zurück.

Gatterl, die Grenze

Ganz links die Zugspitze
Hier gezoomt, durch leichten Nebel noch
Dort die Knorrhütte

Unter uns noch überall dichter Nebel

Das Nebel-Sonnenschein-Spiel begleitet uns den ganzen Tag. Auf dem Rückweg sind wir schon erschöpft. Ich habe seit der Knorrhütte Kopfschmerzen und M. hat immer stärkere Schmerzen in seinem operierten Knie. Zum Schluß kann er kaum mehr laufen. Beim Runtermarschieren leiden wir sehr, mir tun auch beide Knie weh. Wir schaffen gerade noch 5 Minuten vor dem Betriebsschluß die Seilbahn zu erreichen. Wir werfen uns in die Kabine, wie Halbtote und essen und trinken, bis es von dem Berg runterfährt. Heute haben wir viermal die deutsch-österreichische Grenze übertreten :-)

Das steinerne Meer, wo am Anfang viel dichterer Nebel war







Es war ein wunderschöner Ausflug und es lohnten sich alle unsere Qualen. 

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