Montag, 3. Oktober 2011

Ungarn 2005/1.

Ungarn, 30. Mai - 5. Juni 2005
Szilvásvárad - Balaton

Für mich ist es eine interessante Situation: ich reise nicht aus Ungarn ins Ausland, sondern wir reisen aus Deutschland nach Ungarn...auf Urlaub. 
Einen Tag verbringen wir in Budapest, bei meiner Mutter und am nächsten Tag fahren wir nach Szilvásvárad.

Budapest, Parlament
Budapest, Kettenbrücke
Die Unterkunft habe ich schon vor Monaten per Telefon reserviert. Diese Unterkunft hat eine lange Geschichte. Ich habe noch damals in Budapest in einer Klinik gearbeitet, wo der Besitzer dieser Unterkunft operiert wurde und seitdem waren bestimmt die Hälfte der Mitarbeiter der Klinik schon bei denen...
Wir kommen am Vormittag ins Bükk-Gebirge, zu dem alten Bauernhaus an, wo die Familie die sogenannte Sommerküche (typisch ungarisch) zu einem Apartment umgebaut hat.

Der Hof mit dem Schäferhund Saci (sag: "Schazi", es ist die Abkürzung des Namens Sarolta , in deutsch entspricht Sarah) und rechts ein Stück von unserem Häuschen
Die Möbel stammen ca. aus den 60-er, 70-er Jahren, schön ist es nicht, aber hat alles, was man braucht: eine kleine Küche und ein Bad. Wir haben noch nie irgendwo so auf diese Art gewohnt und auch so unglaublich billig (für eine Nacht ca. 10 Euro für uns beide in 2005). Wir packen aus und gehen ins Szalajka Tal zu spazieren. (Sz in ungarisch = immer das deutsche S). Das wildromantische Bachtal war einmal noch das private Jagdgrundstück (von einem bekannten Graf, namens Károly Alfonz Palavicini). Der Bükk Nationalpark wurde in den 1960-er Jahren gegründet und da hier oft Pferdekutschenrennen Weltmeisterschaften veranstaltet werden, wurde dadurch der Nationalpark schnell berühmt. Hier im Wald sehen wir Forellenzuchtbecken, die Schleierwasserfälle des Baches und auch ein Waldfreilichtmuseum.

Fátyol-vízesések (Schleierwasserfälle)
Wir spazieren entlang des Baches bis zu den Schleierwasserfällen und dann weiter auf die Große Wiese (es ist ihr Name) und steigen dann zu der Urmenschenhöhle von Istállóskő (959 m). Auf der letzten Strecke muß man auf einem sehr steilen Hang raufgehen. Die Höhle ist sehr groß und strahlt sehr kühle Luft aus sich aus. Im Wald sehen wir oft Eichhörnchen. Als wir zu der Großen Wiese zurückkommen, steigen wir in die Minieisenbahn, welche schon mit Schulkindern ganz voll ist. Mit der rattern wir bis Szilvásvárad zurück. Den Namen des Ortes führt man auf die alten Hammerwerke zurück, wo noch in den Steinzeiten hier Roheisen und Ulme (= szilvas) hergestellt wurde. Heutzutage ist Szilvásvárad von dem Schloß Pallavicini, dem Lipizzanergestüt und von seiner Reformatenkirche bekannt.  

Ein bißchen später fahren wir nach Eger, der der Hauptsitz des Komitäts Heves ist. Wir schauen erst die Burg an, zu der mich viele Erinnerungen aus meiner Kindheit binden. Wir haben damals fast jeden Sommer Urlaub beim Zsóri Bad gemacht und oft waren wir hier mit meiner Mutter und Großeltern auf Tagesausflug. Danach spazieren wir in der Altstadt und essen Eis. Es ist für mich ein sehr komisches Gefühl vom Ausland nach Hause auf Urlaub zu kommen. M. erlebt es ganz anders, er ist hier Ausländer. Wir schauen noch die klassizistische Kirche an, die der Papst 1970 auf den Titulus Basilika erhoben hat und sie ist die drittgrößte Kirche des Landes.


Auf dem Weg nach Hause schauen wir noch die Zisterzienserabtei bei Bélapátfalva von außen an. Die frühgothische Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert, ihre vordere Fassade erinnert mich an den pisaenischen Stil: eine Reihe gelbe Zigel, eine Reihe rote und große Rosette. Schade, daß sie schon lange geschlossen ist.


Am nächsten Tag werden wir mit Regen wach. Da man draußen nicht viel unternehmen kann, entscheiden wir uns für heute für die Tropfsteinhöhlen von Aggtelek. Hier sind mehrere Führungen, wir wählen den Höhlenrundgang in der Baradla-Höhle (ca 1.500 Ft pro Person). Wir schauen immer wieder gerne Tropfsteinhöhlen an und es gefällt uns hier sehr gut, leider haben wir eine zu kurze Tour ausgewählt. Der  Aggteleki Nationalpark wurde erst 1985 gegründet, und sein Gebiet von 19.708 Hektaren schließt sich zu dem Landschaftsschutzgebiet Slowakischen Karst. Das Karstgebiet steht unter dem Schutz von dem "Mensch und Biosphäre Programm" der UNESCO. Die Aggteleker-Karstlandschaft besteht überwiegend von dem Erdmittelalter stammenden Kalksteinformationen. Von dem Höhlensystem ist die Baradla-Höhle die relevanteste, welche mit seinem slowakischen Teil (Domica) zusammen 25 km Länge beträgt. Auf der ungarischen Seite befindet sich davon ein 17 km langes Schachtgrubensystem, damit ist sie Ungarns größtes Höhlensystem.




Es regnet leider noch immer als wir rauskommen. Wir fahren nach Jósvafő weiter, wo ein berühmter alter Glockenturm und daneben ein Kopjaholz Friedhof ist. Beide schauen wir an und bewundern im Bach eine mini Wassermühlenrad Nachbildung. Dann fahren wir nach Miskolc, wo wir zufällig ein großes Pláza finden (Riesen Einkaufzentrum, wie z.B. in München das OEZ). Dort essen wir Mittag und schauen uns ein bißchen um. Der Regen will nicht aufhören, und dann denken wir, wenn es schon sowieso naß ist, dann lassen wir uns richtig naß werden, wir suchen das Höhlenbad von Miskolctapolca auf. Der äußere Teil wird jetzt gerade umgebaut, man kann nur innen baden. Das Höhlenbad gefällt uns sehr gut. Die Höhlengänge sind mit warmem Quellwasser gefüllt und es sind viele Erlebnisbadsachen dabei, was man ausprobieren kann.


Wenn man durch diese Gänge schwimmt, kommt man in unterschiedliche Säale, in einem kann man in der Mitte auf Steinstühlen sitzen und das auströmende Heilwasser genießen, in einem anderen funkelt ein Discoball und springen Jugendliche ins Wasser. Wir probieren den Jacuzzi, das Kaltwasserbecken, den heißen Wasserfall, die Saune und das Rückenmassagebad aus. Schließlich fahren wir nach Szilvásvárad zurück. Später, als der Regen etwas leichter wird, gehen wir im Ort spazieren.

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen