Freitag, 6. April 2012

Essensgewohnheiten: Deutschland - Ungarn/Brotzeit

Deutschland hat meine Essensgewohnheiten leicht verändert. Teilweise esse ich viel gesünder, als früher in Ungarn. Ich möchte jetzt ganz einfache, alltägliche Essensgewohnheiten vergleichen.

Ich muß es hier prämissen, alles was ich hier beschreibe, sind meine eigenen Erfahrungen aus meiner unmittelbaren Umgebung. Ich weiß, daß diese Sachen in unterschiedlichen Gebieten oder Familien ganz anders sind. Ich kann nur darüber schreiben, was ich schon persönlich erfahren habe. Ich will  nicht verallgemeinen, aber man drückt sich immer so zusammenfassend aus: "Deutsche oder Ungaren".

Frühstück - Deutschland/Ungarn
- ganz typisch sind hier die braunen, Vollkornbrotsorten oder Toastbrot ~ in Unrgan Weißbrot, weiße Semmeln und Kipferl
- Deutschland Marmelade, Nutella, oft habe ich die Variation Frischkäse + Marmelade gesehen, Frischkäse, Weichkäse/Schimmelkäse Sorten, Honig ~ in Ungarn Schinken, Gelbwurstsorten, Salami, Wiener, Streichwurst/Leberwurst, Käse, mit Tomaten, Paprika, Radischen, auch Marmelade oder Naturkefir mit Kipferl


Bei mir:
am Anfang habe ich diese körnige dunkele Brotsorten nicht gekannt und wollte sie auch nicht ausprobieren, habe immer verzweifelt nach weißem Brot gesucht, aber es gab nur das Baguette/Parisienne oder Elsäßer - die aber nicht mal ein bißchen ähnlich waren, wie die ungarischen Brote. Später habe ich mich langsam umgestellt. Erst Mischbrot ausprobiert, dann die körnigen Sorten (Sonnenblume/Kürbiskern - die zwei sind meine Lieblinge) und andere Sorten. Da ich ein Käsefresser bin, habe ich zum Frühstück überwiegend Käse gegessen. Hier habe ich den Frischkäse entdeckt, es wurde mein Lieblingsfrühstück und ich esse oft Blauschimmelkäse, was ich früher nie ausprobiert hätte, jetzt liebe ich ihn. :-)
Marmelade war nie mein Ding - passt gut in einen Kuchen als Füllung, aber nicht auf das Brot geschmiert.
Ich habe in der früh nicht viel Zeit ordentlich zu frühstücken, so bleibt mir nur eine Scheibe Brot mit Käse und dann packe ich ein Brot in die Arbeit zum Mitnehmen. Butter esse ich nie, da ich schon seit meiner Kindheit einen Ekel von Butter und Milch habe (wenn ich die schon rieche, muß ich kotzen), so schmiere ich auf das Brot fast immer Frischkäse, lege darauf Aufschnitt und Käse und Spitzpaprikascheiben. Für uns Ungaren ist das Essen ohne Grünzeug fast unvorstellbar. Toastbrot esse ich fast nie, es hat keinen Ernährungswert, ich könnte 10 Scheiben essen, fühle mich trotzdem hungrig.

Was mich hier am Anfang sehr überrascht hat, die Deutschen schneiden ihr Brot hauchdünn, wir Ungaren gute anderthalb cm dick! :-) Am Anfang haben meine Patienten mit mir geschimpft, wenn ich das deutsche Brot zum Frühstück so dick geschnitten habe. Aber jetzt verstehe ich es, da das deutsche Brot viel kompakter, schwerer, dichter ist, solang das ungarische sehr locker, luftig. Das ungarische konnte man nie so dünn schneiden, weil es dann zerfallen würde.
Frischkäse habe ich noch in Ungarn früher nicht gekannt, aber es gibt Schmelzkäse Sorten, die aber viel fettiger sind.

Mir waren auch neu die ganz vielen Käsesorten, wie Camembert, Blauschimmel, Roqufort, verschiedene stinkende Berghöhlenkäsen, Parmesan usw. - die meisten habe ich erst hier ausprobiert und sofort gemocht. Die Schimmelkäsesorten schmecken tatsächlich mit Weißbrot furchtbar, aber mit den dunkelen Sorten liebe ich sie. Ich habe einmal bei jemandem Greyerzer Käse probieren können, seitdem liebe ich diese Sorte sehr. Die Käseplatten, die hier bei Festen spät Nacht so beliebt sind, habe ich früher auch nicht gekannt, aber die sind für mich das Highlight der Feste.

Mit den neuen Käsesorten sind auch ganz viele, für mich neue Fischgerichte in mein Leben getreten. Hier denke ich jetzt in erster Reihe nicht unbedingt an das gekochte, warmes Essen, sondern, was man alles als Halbrohfisch essen kann. Ich hätte vorher nie getraut irgendeinen Fisch aus der Konservendose auszuprobieren. Aber M. hat oft sowas gegessen und ich mochte Fisch schon immer, habe halt alles ausprobiert. So habe ich erstmal in meinem Leben in Deutschland Lachsfilet, Bismarck Hering, geräucherte Forelle oder Makrele gegessen. Diese Sachen gab es bei uns früher nicht und später nur unbezahlbar teuer.  Hier habe ich angefangen Thunfisch und andere Fischsorten aus der Dose zum Abendbrot oder in unterschiedlichen Salaten zu essen. Ich finde, die Deutschen essen viel mehr Fisch, als die Ungaren.

Der Quark ist in den zwei Ländern ganz anders. So ein einfaches Ding und trotzdem, wie unterschiedlich kann es sein. Unglaublich! Genauso die saure Sahne. Beide sind in Ungarn viel fester. Der Quark ist in Ungarn aus Schafmilch gemacht und ist sehr fest und "körnig", solang wird hier aus Kuhmilch gemacht und ist viel weicher, cremiger - in Ungarn sagen wir dafür Cremequark, was sehr gut ist zu Süßspeisen, aber zum Beispiel ist fast nicht geeignet als Kuchenfüllung (läuft aus). Genauso die saure Sahne ist auch viel fester als hier.

Hier gibt es eine wahnsinnig große Auswahl von Streichwurstsorten, solang in Ungarn eher die unterschiedlichen Leberpasteten zu bekommen sind. So was, wie "grobe Teewurst" oder Mettwurst habe ich vorher noch nie gesehen, daß man eine rohe Fleischcreme auf das Brot schmieren tut, hat mich sehr überrascht. Die Sorten habe ich nie ausprobiert, es ist mir unvorstellbar zu essen, wie auch rohes Hackfleisch.
Der hier beliebte Obazda erinnert mich ein bißchen an unsere körözött (kein entsprechendes deutsches Wort), aber bei uns wird es aus Quark gemacht und hier aus Camembert. Ich werde irgendwann das Rezept mitteilen.

Salami Sorten - finde ich - gibt es sehr arme Auswahl hier, und was gibt, schmeckt auch nicht gut. So kaufe ich sie hier fast nie, bringe aber jedes mal größere Vorräte aus Ungarn mit.

Bei den Aufschnitten stört mich noch immer, daß hier alles Wurst heißt. :D In Ungarn hat jede Wurstsorte eigenen Name, so wenn ich hier Wurst sage, es kann auch Schinken oder Salami sein, aber auch eine Streichwurst, und gibt es kein Wort für den ungarischen kolbász, was eine dünnere Paprikawurst ist, meistens mittel- oder sehr scharf. Beispiele: Lioner Wurst/Gelbwurst heißt in Ungarn Pariser, Leberwurst heißt in Ungarn Lebercreme. Das Wort Wurst macht ein Durcheinander in mir. Wurst heißt laut dem Wörterbuch kolbász, aber kolbász, wie ich es schon geschrieben habe ist eine besondere Wurstart, also ich kann dann auf keinen Fall diese Bierwurst und ähnliche Sorten (mit ungarischen Gedanken) als Wurst nennen. Sehr schwierig für mich. 

1 Kommentar:

  1. Wieder sehr interessant und danke für den Post.

    Gruessle

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