Samstag, 7. April 2012

Essesensgewohnheiten: Deutschland-Ungarn/Mittagessen, Produkte

In meinen Augen essen die Deutschen sehr wenig Suppen und es gibt selten zwei Menüs. Wenn Suppe, dann öfter Cremesuppe, als was anderes. Sie mögen die Fleischgerichte mit Soßen, sie essen viel Schweine- und Rindfleisch, mögen sehr das gekochte "lila" Sauerkraut (Blaukraut), aber das rohe Weißkraut als Säuerlichkeit (Krautsalat) essen sie selten als Beilage. In Deutschland ist nicht gewöhnt zu den Fleischgerichten Säuerlichkeiten zu essen, solange in Ungarn sind saure Gurken, saure rote Bete, oder Krautsalat, oder sauerer gemischter Salat (csalamádé) zu einem Fleischgericht unmöglich wegzulassen. Hier bekomme ich schwierig richtig sauere Gurken, da die Delikatessgurken sind hier teilweise auch süß eingelegt. Die Deutschen essen grundsätzlich viel mehr Sachen süß, als wir Ungaren. Zum Beispiel Popcorn kriege ich abgepackt nirgends gesalzen, sondern immer süß! Es ist furchtbar! Es ist mein Lieblingsnaschzeug gewesen, aber seit ich hier lebe, kann ich es höchstens im Kino bekommen. Die Deutschen zuckern gerne alle Kuchensorten, hier in Bayern werden sie auch zusätzlich mit einem Zuckerguß begossen.  Alles zu süß! Es gibt viele Kuchenarten, die in Ungarn typisch sind, hier gar nicht. Ich kann hier keine Beispiele erzählen, da die Namen dieser ungarischen Kuchen gibt es in der deutschen Sprache nicht und ohne Wörter kann man schwierig was erklären. :D  Bei dem Bäcker gibt es in Ungarn sehr große Auswahln von Salzgebäck (wie z.B. pogácsa, wozu ich schon hier ein Rezept geschrieben habe. Oder mein Liebling, die Kakaoschnecke, ist so sehr lecker und hier gibt es die selbe, aber mit Walnußfüllung. Warum ist so schwierig auf Kakao als Füllung zu kommen?? Ohh, vermisse ich diese Sachen. Hier kennt man die Esskastaniencreme nicht, womit man Kuchen füllen kann, oder man ißt sie in Ungarn so gerne nur so, in sich, mit viel Schlagsahne. Hier wird Pfannkuchen in die Suppe geschnitten!!?? Als ich es erst mitbekommen habe, sind meine Haare zum Himmel gestanden. Unvorstellbar für mich. Aber ich bin von dem Hauptthema, Mittagessen schon wieder weggebogen...also zurück. 
Die Deutschen kochen keine Hühnersuppe, auf jeden Fall nicht in dem Sinn, wie wir Ungaren. Bei uns ist es fast jedes Wochenende eine Pflicht und da kommt ein ganzes Huhn (inklusive Füße und Hals und Innereien darein). Viele einfache Suppen, die ich aus Ungarn kenne, sind hier nicht bekannt (Erbsensuppe mit Hühnerflügel und Nockern, Champignonsuppe mit Nockern usw.) dafür gibt es aber eine breite Auswahl von Cremesuppen.

Die Deutschen essen gerne unterschiedliche gemischte Salate als Vorspeise oder als Beilage, göttlich ist ihr bayerischer Kartoffelsalat, sie essen viel Nudeln, aber was mich dabei überrascht, sie finden schon ein Schinkennudelgericht total lecker (wo kaum Schinken oder was anderes drin ist, es ist trocken und geschmacklos). Sie mögen die Nudel abwiegen (was für ein Schmarrn!) und nach Gramm kochen  - wir Ungaren hauen einfach die Nudeln auf einen Teller und wieviel Portionen es sein sollen, so viel Teller Nudeln werden ins Wasser gegeben. Die Deutschen mögen genauso die Aufläufe, wie die Ungaren.

Ich habe erstmal in meinem Leben hier Spargel gesehen, seitdem kann man sie auch in Ungarn bekommen, zählt aber als Kuriosum. Den Leberkäse kennt ein Ungar auch nicht, aber den konnte ich nicht liebgewinnen.

Die Deutschen denken immer, die Ungaren kochen alles scharf. Es ist falsch gedacht!! In Ungarn ißt auch nur scharfes Essen, wer es mag, aber die Mehrheit nicht!

Die Deutschen essen viel mehr Butter als die Ungaren. Sie kochen auch gerne mit Butter statt Öl. Sie trinken viel Milch und essen viel mehr Obst und Gemüse als die Ungaren. Die Deutschen mögen gerne Abendessen und dann aber richtig. Sie kochen seltener Eintöpfe, als die Ungaren und kennen die meisten Sorten gar nicht, also sie kochen eigentlich ganz anders. Ich habe bei mehreren deutschen Bekannten gehört, beim Panieren bleibt bei vielen Leuten die erste Schicht, das Mehl aus, viele tauchen hier das Fleisch nur ins Ei und dann in die Semmelbrösel, in Ungarn wird immer als erstes das Mehl genommen. Die Deutschen panieren überwiegend nur Fleisch, wir Ungaren gerne Blumenhkohlköpfe, Champignonköpfe, Zucchinis, Auberginen, Käse - und fritieren sie. 

Hier habe ich noch nie irgendwo frische Erbsen, Bohnen etc. gesehen, wie bei uns am Markt, wo diese Gemüse noch in ihrer Schale sind und man muß sie daheim selber enthülsen, rausnehmen. So hat man frische bunte Bohnen, die supergut für einen Bohnensalat oder Bohnensuppe geeignet sind, oder frische Erbsen. Als ich Kind war, habe ich immer meiner Oma geholfen Erbsen oder Bohnen zu enthülsen und dabei habe ich ganz viel von den rohen Erbsen gegessen, sie waren so lecker. Die meisten Deutschen kennen diese Gemüsesorten nur aus der Tiefkühltruhe oder aus der Konservendose.

Die Mehrheit kennt hier keinen Grammel, aber man kriegt es noch bei manchen Wochenendmärkten. Wir haben Grammel mit viel Salz zum frischen Brot mit Paprika, Tomaten und Radischen gegessen oder es wurde abgemahlen und in den Pogácsateig eingemischt.

In grundegenommen gibt es eigentlich keine wahnsinnig große Unterschiede zwischen der ungarischen und deutschen Küche, aber die vielen Kleinigkeiten bringen doch einen großen Unterschied zusammen.

Deutschland hängt an seinen eigenen Produkten und es war für mich am Anfang unvorstellbar, daß ich hier nicht die ganzen schweizerischen Schokoladesorten bekomme, oder Mozartkugeln auch nur nachgemachte deutsche Marke. Ich finde es furchtbar. Paar Beispiele:
- es gibt hier keine Importteesorten, nur eigene Marken (Dallmayr - für mich hat gar kein  Aroma), es gibt keinen Lipton Tee, den ich aber in jedem europäischen Land in meinem Urlaub finde, gehört auch dazu, die Kaugummimarke "Orbit", die mein Liebling ist, aber ich muß sie immer aus Ungarn oder aus dem Spanienurlaub mitbringen.
- es gibt außer Lindt Schokolde die guten schweizerischen Marken, wie z.B. Cailler gar nicht, obwohl man nur von der Nachbarschaft rüberholen müsste
- selbst von Milka Produkten gibt es in Österreich viel größere Auswahl als hier
Ich könnte ewige Liste hier schreiben, aber ich will jetzt nicht die Marken auflisten, auf jeden Fall hat es mich ganz komisch getroffen, daß in einem westlichen, entwickelten Land, gerade die feinsten Sachen fehlen, da sie nur ihre eigenen Produkte in den Markt werfen wollen.

Dies sind nur meine eigenen persönlichen Empfindungen, wie ich sie hier von Bayern kennengelernt habe. Natürlich will ich damit nicht eine ganze Nation bezeichnen, aber man zieht als Ausländer halt diese Erfahrungen unter einen Hut und nennt sie gerne "deutsche Gewohnheiten". :-)

1 Kommentar:

  1. hmmmm...das wundert mich ein bisserl, denn die Sorten die du ansprichst habe ich in Norddeutschland auch alle bekommen. Genauso wie frische Erbsen und Bohnen. Auch Suppen und Eintöpfe wurden gekocht, gerade die Hühnersuppe die aber im Norden auch oft Hochzeitssuppe genannt wird.

    Ich liebe auch Suppen und Eintöpfe, die kann ich das ganze Jahr über essen. Was ich hier vermisse ist Spargel, den bekomme ich "nur im Glas" d.h. ich könnte ihn zur Saison auch beim 2000 in La Paz bestellen, aber soviel bezahle ich dann auch nicht dafür. Da verzichte ich lieber.

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