Mittwoch, 23. Mai 2012

Eine Beerdigung, die es nie gab

Kein lustiges Thema, aber ich will darüber schreiben, weil hier in dieser Beziehung auch einige Unterschiede zwischen Deutschland und Ungarn sind.

Als ich über unser Wohnungseinrichten geschrieben habe, habe ich erwähnt, daß meine Oma in der Zeit gestorben ist. Mein Opa ist schon 1984 verstorben (24 Jahre vor der Oma!) und er wurde verbrannt und waren seine Reste lange Jahre in einem Friedhof, bis vor paar Jahren dieser Urnenmietplatz abgelaufen ist und dann kam die Idee von mir...
Wir gehen sowieso nie auf den Friedhof, da wir es völlig überflüssig finden, man ist "seelisch im Kontakt" mit dem Verstorbenen, damit daß ich Blumen dahin bringe, erreiche ich nichts und es ist auch eine Belastung. Ich war ca. seit 15-20 Jahren nicht auf einem Friedhof. Dann sagte ich zu meiner Mutti und Oma, "der Opa sollte nach Hause", wir gehen sowieso nie dorthin, dann wofür wollen wir viel Geld bezahlen?
Beide haben komisch geschaut, aber nach kurzer Überlegung haben sie mir recht gegeben.

In Ungarn darf man mit der Asche das machen, was man will. Meine Oma hat immer gesagt, sie möchte, daß wir ihre Asche in die Donau streuen, sie wollte nicht, daß wir sie irgendwo "besuchen" müssen.
Dann haben wir "den Opa" heimgebracht, zur Oma und sie freute sich darüber. Eine schöne Keramikurne stand in dem kleinen Zimmer auf dem Tisch, da konnte sie immer frische Blumen hintun und es schaute überhaupt nicht erdrückend oder komisch aus.
Kurz nachher kam die Oma mit der Idee, sie will doch nicht in die Donau, sie möchte auch heim, neben den Opa. Es fand ich so schöne Idee.

Nur die Abschiedszeremonie war so sehr schwierig. Sie wurde verbrannt und dann mussten wir ihre Asche von einem Beerdigungsinstitut abholen, in einer Kartonschachtel (wie eine Geburtstagstorte) eingepackt. Es war sehr komisch und weil wir nachher nichts mehr mit einem Friedhof zu tun gehabt haben, bestand auch keine Möglichkeit für eine Abschiedszeremonie. Die einzige Möglichkeit war, daß wir eine Abschiedsmesse in einer Kirche machen können. Es war absolut absurd, da Oma sehr böse auf die Kirche war und wir sind auch so erzogen, daß wir mit der Kirche nichts zu tun haben, ich tue schon aus Prinzip meine Füße nur ausschließlich im Urlaub bei Besichtigung in eine Kirche rein. Es wäre nie ihr Wunsch gewesen, aber anders ging es nicht, daß die Bekannten Abschied nehmen können. Ich habe es mir anders vorgestellt. Ich hätte es lieber irgendwo in einem Saal gemacht, wo jemand paar nette Sätze geredet hätte und wäre von Johann Sebastian Bach das Air abgespielt, und von meiner Mutter gewünscht das Ave Maria. Aber die haben es in der Kirche natürlich uns nicht gemacht.
So haben wir die Urne vor einen Nebenaltar stellen dürfen, wo die Leute ihre Blumen hinlegen konnten, und dann gab eine Abschiedsmesse. Nachher haben wir Oma wieder in den Karton gepackt und mit nach Hause genommen, neben Opa gestellt, die beiden haben eine schöne Spitzendecke auf ihre Urnen bekommen und die beide Urnen stehen auf einem Tischchen, was der Opa damals gemacht hat, von Schmiedeeisen und eine Marmorplatte ist darauf. Es ist ist der Platz, wo sie sich bestimmt wohl fühlen.

Es ist keine übliche Geschichte, aber daß man die Asche verstreut oder in seinem eigenen Garten vergräbt, ist in Ungarn ganz normal und üblich. Und ich finde es schön und gerecht! Man sollte den Wunsch des Verstorbenen respektieren und nicht unter irgendwelche nationale Regel stellen. 

Kommentare:

  1. Sehe ich genau so. Ich moechte auch verbrannt werden und die Asche soll ins Meer. Habe es bei meinem Vater erlebt wie teuer so eine Beerdigung ist, Kerzen die mal gerade ne Viertelstunde brennen muessen teuer bezahlt werden usw Man behaelt den Menschen im Herzen lieb und da braucht es kein Grab wo man hinlaufen und teuer bezahlen muss.

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  2. Sehe die Sache ganz genau so und glaube ,dass sich sehr viele Menschen wuenschen, verbrannt zu werden!!
    Leider ist die Sache hier in Griechenland noch nicht ganz gewaehlt worden. Wahrscheinlich ist die Kirche dagegen.(!!!)

    Freue mich, dass so ein Thema erwaehnt wird, worueber man ja im allgemeinen schweigt!!!

    Liebe Gruesse aus Athen
    Monika

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    1. Hallo Monika, danke daß du es schreibt, daß endlich jemand darüber spricht. Ich schreibe oft von geschwiegenen Themen in meinem ungarischen Blog, in deutsch traue ich es weniger: 1. weil ich mich nicht immer so ausdrücken kann, wie ich es will und es geht dann daneben; 2. weil es evtl. Leute lesen können, wo ich es nicht gerne hätte, daß sie es lesen würden...

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