Mittwoch, 6. Juni 2012

Korsika 2003/8.

11. September

Das Aufstehen um 04:30 ist einfach brutal. Wer es hört, hält uns für nicht ganz normal, wie kann man sich im Urlaub solchen Attentat antun. 
Wir haben schon paar Erfahrungen, welche Straße am schnellsten befahrbar ist, so fahren wir durch den  Vizzavona-Paß Richtung Corte. Bei der Siedlung Ponte Leccia sind die Abzweigungen ins Asco-Tal und Richtung Ile Rousse und St. Florent. Diese brauchen wir heute.

Ich habe auf einer Postkarte den Strand gesehen, wo der Sand schneeweiß ist und komische, gedrehte Bäume wachsen. Plage de Saleccia. So heißt er und da wollen wir hin. Wir wissen, daß keine Straße dahin führt, sondern man mehrere Kilometer durch eine steinige Wüste (Desert des Agriates) laufen muß. Ich glaube, es schaffen wir nicht, deshalb wollen wir von St. Florent aus mit Boot dorthin.

Also, wir fahren jetzt auf einen für uns noch unbekannten Weg nach Norden. Hier ist die Landschaft nicht mehr so bergig, sondern öde. In einem Moment konfrontieren wir uns mit einem schrecklichem Bild. In dem Straßengraben neben uns liegt ein totes Pferd, seine vier Füße stehen Richtung Himmel, sein Bauch ist furchtbar aufgeblasen, aus seinem offenem Mund fliegen Fliegen raus. Es hat wortwörtlich seine Füße hochgeworfen. (So eine Redewendung sagt man ein bißchen witzig in Ungarn, wenn jemand gestorben ist: "er hat seine Füße hochgeworfen"). Der Gedanke, daß dieses Tier ein Auto überfahren hat, ist einfach brutal und furchtbar.

Für Ile Rousse bleibt uns doch keine Zeit mehr, wir wollen raus auf den Kap und er liegt noch weit entfernt. Unglaublich was für Entfernungen es auf dieser Insel gibt. Nach gut vier stündiger Fahrt kommen wir in St. Florent an. Zuerst fahren wir nach Nebbio, deren schöne Kathedrale anzuschauen, und dann spazieren wir in St. Florent. Für Murato bleibt wieder keine Zeit, weil das Dorf ziemlich außerhalb liegt. Schade, weil dort steht die schönste pisaenische Kirche. Jetzt geht es los auf den Cap Corse!

St. Florent

Murato, Foto von Döme
Unsere erste Station ist Nonza. Es ist ein hübsches Dörfchen mit einem alten Wachturm, auf dem man das Wahrzeichen (die Karte von der Insel und drin ein Piratenkopf) von Korsika aus Stein gemeiselt sehen kann. Neben dem Wachturm ragen einige Schieferfelsen über dem Meer, das vielleicht hundert Meter unter uns wellt. In der Mitte dieser Schieferplatte ist ein unregelmäßiges Loch, wie ein Loch im Emmentaler. Durch das Loch kriegt man einen unglaublichen Blick auf die schwarze Asbestküste (hier ist überall Asbest in dem Gestein und es wurde auch hier ausgebeutet) und auf das unwahrscheinlich hellblaue Meer. Von dem Aussichtspunkt kann ich es nicht fotografieren, so klettere auf diese Schieferplatte (nicht gerade ungefährlich) aus und dierkt über dem Loch stehend fotografiere ich es. Unten in dem schwarzen Sand sind Namen von Liebespaaren aus großen weißen Kieselsteinen ausgelegt. Eine furchtbare Piste führt zu dem Strand runter. 





Döme's Foto ohne ausklettern
das Wahrzeichen von Korsika



Unsere nächste Station ist das Fischerdorf, Centuri Port. Auch sehr hübscher Ort, aber es ist schon 15 Uhr geworden (man versteht nicht, wo die Zeit verschwindet) und der Himmel zieht zu.

Endlich erreichen wir das Kap, Korsikas nördlichste Spitze, um die gefährliche Meeresströmungen herrschen. Herum um das Kap fahren wir auf der anderen Seite wieder südlich runter, nach Bastia. Wir wollten auch Bastia anschauen, aber es ist zu spät, wir müssen schon nach Hause. Drei Stunden Fahrt wartet auf uns. Schade!

Cap Corse


12. September 

Den letzten Tag verbringen wir auf unserem Lieblingsstrand. Der Tag vergeht angenehm und abends wartet auf uns das Packen und morgen wieder das Frühaufstehen. 

13. September

Die Fähre fährt erst um 13 Uhr aus Bastia, aber wir müssen wahnsinnig viele Sachen ins Auto packen (Sachen für drei Wochen Urlaub, plus Campingausrüstungen, plus Geschenke, die wir aus Deutschland nach Ungarn mitbringen...) und wir müssen zwei Stunden vorher in Bastia sein. Dazwischen liegt auch eine lange Fahrt. Wir fahren um 8 Uhr aus Tiuccia los. In Bastia empfängt uns jetzt schon eine große Menschenmasse im Hafen. Wir haben nicht so viel Zeit die Stadt anzuschauen und wir lassen das vollgeladene Auto nicht gerne irgendwo stehen. So stellen wir das Auto in den ersten Parkplatz, den wir finden und schauen nur dessen unmittelbare Nähe an. Schade, weil Bastia würde mir sehr gefallen. Die Fähre kommt und das Aussteigen, Einsteigen ist ein Irrenhaus, man kann es mit Nerven kaum aushalten, was dort total unorganisiert läuft.

Es ist nicht unsere Fähre, ich habe sie nur fotografiert. 
Wir haben nichts mehr zum Essen übrig und auf dem Schiff kann man nur Croissants und Chips (sauteuer) kaufen. Die Schifffahrt zieht sich ewig lang und unsere Mägen knurren. Ich bin total empört, daß es nirgends einen einzigen freien Sitzplatz gibt. Außer uns sitzen noch viele Menschen auf dem offenen Deck und hocken auf den Treppen oder auf dem Boden. Es kann doch nicht angehen, daß in einem so großen Schiff, womit man 4-5 Stunden fährt, nicht genügend Sitzplätze sind?? Meiner Meinung nach ist das Schiff überladen!

Die lange Fahrt ist eine Qual für uns und wir kommen erst um 18 Uhr in Livorno an. Wir wollten heute noch Pisa anschauen, also los nach Pisa. Ich war schon dort, aber M. nicht und er möchte wenigstens den schiefen Turm sehen. Bis wir die Innenstadt erreichen, beginnt es schon zu dämmern. Ohne einen Stadtplan und italienische Sprachkentnisse finden wir sofort den Dom Platz, da es alles ziemlich gut ausgeschildert ist.  Aber der Turm schließt gerade, die letzten Touristen kommen noch raus.




Wir freuen uns trotzdem, daß wir auch in Pisa waren. In der Innenstadt halten wir noch vor einer Pizzeria an und bestellen die größte Pizza zum mitnehmen. Wir müssen sehr lang darauf warten und haben Sorgen wegen dem Auto, daß es aufgebrochen wird. Man hört, in Italien werden wohl alle Autos aufgebrochen. Oder? :-)  Dann essen wir im Auto die himmlisch gute Pizza und machen uns auf den Weg nach Ungarn. Diesmal nehmen wir nur Autobahn, es soll schon schneller gehen. Gegen 0:30 fahren wir über die Grenze bei Tarvisio. Dann fahre ich. M. schläft ein. Nach anderthalb Stunden kann ich auch nicht mehr, meine Augen kleben zu. Ich halte in einem Parkplatz an, und wir schlafen dort 2 Stunden, besser gesagt, versuchen zu schlafen, weil es so eiskalt ist, daß wir uns ständig frieren. Doch gelingt es mir 1,5 Stunden zu schlafen und dann fahre ich weiter, M. schläft noch. Zwischen 5 und 6 Uhr halten wir an einem Rastplatz in Österreich zum Frühstücken an. Dann fährt M..
Wir kommen erst um 11 Uhr vormittags in Budapest an, wo wir dann noch eine Woche bleiben. In der Woche treffen wir uns mit B. und M., die wir auf der Insel kennengelernt haben und treffen uns seitdem immer jährlich einmal...

Kommentare:

  1. Schoene Reise und schoenes Reiseziel. Hast du wieder einen Teil eurer Reisen dem Leser nahegebracht. Toll!!

    Schoenen Tag noch und liebe Gruessle

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  2. Den schiefen Turm von Pisa möchte ich auch gerne mal sehen...Vielen Dank für die schöne Reise und liebe Grüße, Jana

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    1. Ja, gerne :-) Meine besten Reiseberichte habe ich schon im Blog, wenn du Lust/Zeit hast blättere mal ein bißchen zurück. Liebe Grüße Andy

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