Dienstag, 5. Juni 2012

Kosrika 2003/7.

10. September

Wir haben für heute wieder einen mächtigen Ausflug vor. Wir stehen vor 05 Uhr auf und fahren noch in der Dunkelheit in die Berge los. Auf der Bergstraße zeigt das Thermometer des Autos 4°C Grad an und es ist sehr nebelig. Unser Ziel sind die Anglais-Wasserfälle, die in dem Vizzavona-Gebirge zu finden sind. Als wir dort ankommen, ist schon 11° Grad! Wir müssen uns gut anziehen. Wir sind auf 1.200 m Höhe und es ist morgens 8 Uhr. Über uns türmt der Monte D’Oro mit seinen 2.389 m Höhe. Wir parken bei einem Wirtshaus und hier beginnt der beschilderte Pfad, der durch einen dichten Wald führt. 




Der Boden ist dick mit gelbem Laub bedeckt und die Felsen sind dick mit Moos bewachsen. Bei den Felsen sehen wir oft Alpenveilchen, das ich in der Natur noch nie gesehen habe. Nach paar hundert Meter Spaziergang erreichen wir das felsige Bachbett. Hier finden wir kein Schild mehr, wo wir weitergehen müssen, so folgen wir einfach dem Bach aufwärts. Der Weg hört aber gleich auf und wir können nur in dem Wasser liegenden großen Steinen weitergehen, wir die Steinböcke.




Je weiter wir nach oben klettern, desto schwieriger wird das Gelände und desto mehr kleine Wasserfälle sehen wir. Einen richtigen, großen Wasserfall - was wir erwartet haben - finden wir hier nicht. Wir klettern ganz weit nach oben und jetzt scheint schon die Sonne. Wir stehen unter dem Gipfel des Monte D’Oros und überlegen, wenn wir schon da sind, könnten wir noch weiterwandern. Aber da wir nur die Wasserfälle anschauen wollten, haben nicht mal was zum trinken dabei. Also halten wir eine kleine Pause und dann gehen wir wieder runter. Wir finden einen Pfad, der rot gekennzeichnet ist, wir wissen nicht, wo er hinführt, aber wir folgen ihm. Natürlich verlaufen wir uns und wir bummeln ohne Orientierung in dem Wald und hören Kühe in der Nähe. Bei einer Abzweigung gehen wir nach unserem Gefühl und bald erreichen wir die Landstraße. Es dauert schon ziemlich lang bis wir zu dem Auto zurückkommen. Wie immer: wir haben für diesen Ausflug halbe Stunde geplant und es sind aber anderthalb Stunden vergangen.

Mittlerweile haben die Temperaturen schon die 20° Grad erreicht. Wir fahren in die Inselmitte weiter. Oft sehen wir die Bahnlinie, die die ganze Insel durchzieht und häufig sehen wir schöne Viadukte. Ca. 20 km vor Corte erreichen wir die Doppelbrücke Ponte du Vecchio. Unten fließt in wunderschönen Smaragdfarben der Fluß Vecchio, darüber spannt sich die Brücke für die Autostraße und ganz oben die Bahnbrücke.


Corte

Foto von Döme
Foto von Döme
Wir kommen in Corte an, in die ehemalige Hauptstadt, die direkt in dem geometrischen Mittelpunkt der Insel liegt. Es ist sehr schwierig hier einen Parkplatz zu finden. Wir gehen auf kurzen Spaziergang in der Mittagshitze, aber es lohnt sich, da die Stadt sehr schön ist.

Bei Corte beginnt die Straße, die ins Tal des Restonicas führt. Man muß mehr als 20 km lange Strecke auf der fürchterlichen Straße fahren, damit man den Ausgangspunkt zu den Ausflügen erreichen kann, die unter dem Monte Rotondo (2222 m) laufen. Dort gibt es paar wunderschöne Bergseen, dort wollen wir auch hin.  Die Straße ist aber keine in der üblichen Bedeutung genommene Straße. Ich erkläre es. Sie ist eigentlich so breit, als auf einer normalen Straße eine Spur. Aber es wurde auf seine Mitte doch eine Trennlinie aufgemalt. Es ist wirklich ein Witz, weil auf dieser Straße nur ein Auto passt. Rechts sind steinige Hänge, die mit Steinschlag drohen, links eine Schlucht, ohne Leitplanke. Wenn ein Auto entgegen kommt, muß man irgendwo eine Nische suchen, wo man sich auf die Seite stellen kann. Bei einem Parkplatz machen wir Pick-nick.




Ab hier wird dann die Straße noch schlimmer, noch schmaler und werden noch mehr große Löcher darauf.   Endlich erreichen wir den großen Parkplatz am Ende der Straße und es gibt kaum Platz, und man muß pro Stunde hohe Parkgebühr zahlen. Wir überlegen hier lang, was wir tun sollen, da wir keine Ahnung haben, welche Richtung wir loslaufen sollen und wie lang zu den Seen es dauert. Schließlich entschließen wir uns, daß wir auf den Ausflug verzichten und zurückfahren.

Es tut mir sehr leid, daß wir dort nicht mehr Geduld hatten, weil als meine gute Bekannte "Döme" (es ist nur ihr Forumnahme) 2009 auf der Insel war, hat sie wunderschöne Fotos von dieser Gegend mitgebracht. Hier ihre Fotos von den Seen, wo wir leider nicht waren: 









Unterwegs treffen wir zwei Kühe, die uns entgegen spazieren. Sie lassen sich nicht stören, die Straße gehört ihnen, wir müssen uns auf die Seite stellen. Es ist meine Lieblingstierstory. Kuhmama und Kälbchen mit einem langen Grashalm in dem Maul kommen auf der Straße. Sie kommen regelrecht in der Spur wo sie hingehören. Schön langsam...mir fällt ein, sie schauen so aus, als wenn man einen Zeichentrickfilm schauen würde, und die zwei Hauptdarsteller gerade ein lebenswichtiges Thema besprechen würden. In meinem Kopf kann ich mir schon fast die Synchrontöne dazu vorstellen. Aber was ich hier noch bemerken muß, auf dieser Insel sind nicht nur die Straßen verschnitten, sondern auch die Kühe! Diese Kühe sind nämlich viertel so klein als unsere in den Alpen. Das Kalb ist kaum größer als ein Hund und die Mutter ist höchstens so groß, wie ein Pony.




Nach Corte fahren wir nach Norden weiter. Die Landstraße sieht so aus, als wenn eine Autobahn wäre, aber sie besteht nur aus zwei Spuren. Es ist kein Verkehr, wir fahren gemütlich mit 100 km/h. Auf einmal kommt ein blauer Sportwagen in unserer Spur mit großer Geschwindigkeit entgegen. Er nähert sich schnell und reagiert nicht, geht nicht in seine Spur zurück und bremst nicht, er kommt direkt uns entgegen. Wir erschrecken uns und bremsen und sofort suchen den Ausweg - aber es gibt keinen. Wir sind gerade an einer Strecke, wo die Straße in einem Betonbecken liegt, auf den beiden Seiten sind nur die schrägen Betonwände. Der andere fährt mit voll Geschwindigkeit noch immer uns entgegen und wir kriegen schon Panik. Er zieht sein Lenkrad nur in der letzten Sekunde nach links und geht in seine Spur rüber. Ich betone es, es ist kein Verkehr, derjenige hat niemanden überholt, er hat nur gespielt. Unsere Pulse rasen. Nach dem Betonbecken kommt ein Parkplatz, wir halten sofort an, steigen aus und schnappen nach Luft. Es war für uns ein bißchen zu viel.

25 km nach Corte biegen wir ins Tal des Flußes Asco ab. Die Straße ist leider Einbahnstraße, wer bis zum Ende des Tales fahren will, muß dann die ganze Strecke wieder zurückfahren. Also dieser Abstecher kostet wieder sehr viel Zeit. Das Tal des Ascos ist mehr als 30 km lang. Wir wollen eigentlich nur bis zu dem Punkt fahren, wo eine alte Steinbrücke steht. Wir parken in der Nähe und spazieren zurück. Die Brücke ist in gut erhaltenem Zustand. Der Asco ist hier schon ziemlich breit und tief, sein Wasser - wie immer auf Korsika - smaragdgrün und eiskalt. Wir schauen uns hier um und wollen eigentlich baden, aber in dem eiskaltem Wasser - was ich 10° Grad kalt schätze - kann man nicht ertragen. Wir gehen nur kurz rein und danach sonnen wir uns auf den Felsen. Die Felsen haben hier auch super lustige Formen, M. findet einen im Wasser, der so aussieht wie eine Badewanne und er setzt sich darein.







Langsam müssen wir schon nach Hause. Wir fahren erst zurück Richtung Corte und bei der ersten Abzweigung biegen wir Richtung Porto ab. Die Straße führt auch in einem Bachtal und schlängelt sich unter steilen Felswänden. Hier passen auch nicht immer zwei Autos neben einander. Wir erreichen den Stausee Calacuccia und fahren weiter über dessen Dammmauer.


Ab hier kann man die Straßenqualität katastrophal nennen. Voll mit Löcher und ständig laufen irgendwelche Haustiere auf die Straße. Die ganze Umgebung strahlt irgendwie eine unfreundliche Stimmung aus und wir fühlen uns hier unwohl. Endlich kommt die Abzweigung bei dem Dorf Vico, wo wir in die Sagone Bucht kommen. Es dämmert schon und wird wieder abends, bis wir heimkommen.



Wir sind tot müde und hungrig. Noch zwei Tage sind wir hier und es gibt noch immer so viel anzuschauen - aber ausruhen wäre auch so schön. So entscheiden wir uns, daß wir morgen noch einen großen Ausflug machen und an dem letzten Tag ruhen wir uns aus. Aber haben wir noch Lust/Kraft noch einmal um halb 5 in der früh aufzustehen?? Möchten wir nochmal tausende Kurven durchfahren, damit wir die nördliche Spitze, den sogenannten "Korsikas Finger" anschauen können?? Es muß sein, da laut unserem Prinzip wir an einen Ort nie zweimal zurückkehren (Ausnahme nur Teneriffa), also was wir jetzt nicht sehen, werden wir auch nicht mehr sehen. 

Kommentare:

  1. Hi Flögi, ich bin beeindruckt. Man könnte meinen bei deinen detaillierten Berichten wäre eure Reise erst gestern gewesen und nicht schon fast 10 Jahre her! Wahnsinn!
    Übrigens: Tolles neues Blogdesign!!
    Liebe Grüße, Jana

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  2. Hi Jana, ich habe den Bericht kurz nach der Reise geschrieben, ist auch in meinem ungarischen Reiseblog zu lesen, ich habe jetzt von dort kopiert und nur übersetzt.

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