Dienstag, 17. Mai 2011

Mexiko, Yucatan/5. Tag, Chichen Itza

5. Tag, 9. November 2009

Das Aufstehen um 6:15 Uhr ist das Motto unserer Reise geworden, weil wir fast jeden Tag in dieser Zeit aufstehen. Urlaub stellt sich man irgendwie meistens nicht so vor, aber uns macht es nichts aus, weil wir immer früh schlafen gehen. Mit meinem schlechten Magen kann ich kaum was zum Frühstück essen. Um halb 9 sind wir schon beim Auschecken und um 9 Uhr fahren wir schon los. Die Sonne scheint!!! Und je mehr wir uns von der Küste entfernen, desto besser wird das Wetter. Bis Cobá kennen wir schon den Weg, aber nach einem Kreisverkehr, kommt ein furchtbarer, löcherreicher Weg Richtung Valladolid. Zum Glück dauert diese Strecke nur paar Kilometer und danach kommt ein ganz frisch fertiggemachte neue Straßenstrecke. Valladolid schauen wir nicht an. Irgendwie, jetzt, daß die wilde Natur in solcher tastbaren Nähe ist, interessieren mich viel mehr deren Geheimnisse, als die Städte. 


Valladolid sieht ärmlich aus, aber wir finden an seinem Rand einen großen Supermarkt, wo es alles gibt (auch Weihnachtsschmuck - die für uns in der mexikanischer Umgebung sehr komisch wirken). Wir kaufen hier für die nächsten Tage Knabberzeug und Backwaren. In Backwaren ist eine unglaublich große Auswahl. Man kann sie mit einer großen Pinzette auf ein rundes Metalltablett sammeln und dann wird es an der Theke eingepackt und die Verkäuferin klebt die Preiszettel darauf. Die Verkäuferinnen tragen hier Gummihandschuhe und Papiermasken. Es gibt ähnlich aussehende Backwaren, wie unsere ungarische pogácsa, der Salzgebäck ist...aber hier ist egal, wie diese Sachen nicht süß aussehen, es ist unmöglich was nicht süßes zu kaufen, es wird hier alles gezuckert, auch die Brötchen, alles was aus Teig ist, ist süß.


Wie immer, versuchen wir die Nebenstraße Richtung Chichen Itza zu finden, die Schilder schicken uns auf die Autobahn, wo wir kaum nur 20-30 km noch fahren müssen, aber einkassiert wird dafür über 50 Peso. Auf dieser Autobahn fährt außer uns kein Sterblicher. Die tropischen Bäume bilden manchmal Tunnel über die Fahrbahn. Was wir oft sehen, das sind Pick-ups, auf deren Plateau schwarz angekleidete Soldaten stehen, die kugelfeste Westen und Maschinenwaffen, mit als Gurt über die Schulter geworfenen Munitionen, tragen.  


Wir suchen zuerst unser Hotel (Mayaland) und fragen, ob wir schon einchecken können. Wir kriegen unsere Zimmer und schleppen alles über Treppen auf den dritten Stock (es gibt keinen Aufzug). Das alte Hotel (1927) wurde in Haciendastil gebaut und dementsprechend ist es mit geschnitzten Kolonialmöbeln eingerichtet.  Das Hotel hat wahrscheinlich seine Glanzzeit schon vor langer Zeit erlebt, weil es die Reichheit nur noch erahnen lässt, aber alles ist drin alt und abgenützt.


Im Bad steht eine große Jacuzziwanne, die für vier Personen geeignet ist, ist aber in furchtbarem Zustand. Ich stelle mich zum Duschen schon ungerne darein, nicht daß wir darin baden würden. Auf dem riesigen Balkon sind auch Kolonialmöbel und hängt das Laub tropischer Bäume rein. Im Garten sind merkwürdig hochragende Palmen. Nachdem wir unsere Sachen ins Zimmer tragen, fahren wir - auf den Rat des Rezeptionisten - zuerst zu der nah liegenden Cenote und nicht zu den Ruinen. Er meinte, man kann bei den Ruinen so viel Zeit verbringen, daß man dann nachher es nicht mehr zu der Cenote schafft. 






Die Cenote Ik Kil ist für mich das größte Cenotenerlebnis des Urlaubes. Die, von Chichen Itza 2,8 km liegende, bekannte Cenote ist eigentlich ein großes Loch mit einem Durchmesser von 60 Metern in dem Karst. Die, von dem Boden gerechnete Tiefe des Loches ist 40 m, und von seinem oberen Rand liegt 25 m tiefer die Oberfläche des Sees. Das Wasser ist kristallklar, tiefblau wirkend und von oben hängen Lianen und Luftwurzeln von Bäumen über das Wasser. Auf denen klammern die zehnmal größeren Kopien von, von zu Hause gut gekannten Zimmerpflanzen, wie Parasiten. Auch kleine Wasserfälle stürzen in den See. Man erreicht den See in einem, in der Felswand ausgemeisselten Treppenhaus. Oben gibt es saubere, ordentliche Umkleidekabinen, WC-s und abschließbare Schränke (die kosten extra 15 Pesos). 


Wir ziehen uns schnell um und gehen schwimmen. Es ist die erste Cenote, deren Wasser wirklich nicht kalt ist, sogar angenehm lauwarm. Innen fühlt man angenehmen frischen Regenduft und das Schwimmen ist drin ganz erfrischend. Wir genießen es sehr, so daß wir von hier gar nicht weggehen wollen. Währenddessen zieht über uns ein schneller und kurzer Tropenschauer weg, unsere, aus dem Wasser aushängende Köpfe als eine Dusche berieselnd. Ich genieße diese märchenhafte Umgebung und das feine Wasser. Wir können hier leider nur eine gute halbe Stunde verbringen, dann müssen wir zu den Ruinen von Chichen Itza.

Chichen Itza

Wir werfen schnell unsere Badesachen ins Hotelzimmer rein und gehen sofort zu dem Ausgrabungsgelände. Der Eintritt ist hier ziemlich hoch (siehe in einem späteren Eintrag eine extra Liste von den Entritten), aber es beinhaltet auch eine Lichtshow am Abend. Ein hinterer Eingang der Ruinen befindet sich direkt neben dem Hotel, so sind wir bald drin. 


Es sind nicht zu viel Menschen hier, aber die Sonne brennt richtig stark. Gott sei dank sind hier keinerlei Mücken. Zuerst verstehe ich gar nicht, warum viele es sagen, Chichen Itza hätte seinen Zauber verloren. Mir gefällt es sehr. Aber schnell denke ich dann anders, als ich merke, daß die Ruinen, die mich am meisten interessieren (hauptsächlich die Säulenhalle und die Pyramide des Kukulkans) sind abgesperrt. Das Gelände ist voll mit Souvenierverkäufern, die agressiv ihre Waren aufdrängen, sie machen mich total wütend, da man wirklich nichts in Ruhe anschauen kann. Man hat hier nicht die Möglichkeit in Gedanken in die Vergangenheit zurückzusinken und mit ein bißchen Fantasie alles vor seine Augen zu projezieren. Wir schauen alles gründlich an, aber zu dem Teil, wo auch das Observatorium liegt, kommen wir leider schon zu spät an. Dort pfeift schon ein Wächter und treibt die Leute nach außen. Es tut uns sehr leid, daß wir gerade diesen interessanten Teil hier nicht mehr sehen können, aber es gibt dagegen nichts zu tun, wir müssen raus. Ich wäre eigentlich auch in der Cenote gerne länger geblieben. Hier hätten wir am Abend ankommen müssen und dann den ganzen nächsten Tag für die zwei Sachen widmen. Schade. 






Unterwegs sehen wir einen mehreren zehn Meter langen Ameisenzug. Die fleißigen Blattschneiderameisen tragen auf dreieckig geschnittenen Blätterstückchen auf ihren Rücken. Von weitem scheint der Zug so, als eine grüne Schnur wäre. Man sieht, wie die Ameisen mit den Blättern in einer Richtung laufen und ihre Kollegen, die schon ins Ziel gelaufen sind, ohne Blätter zurück. Ich habe noch nie sowas gesehen.


Bis wir zum Ausgang kommen, fängt es schon zu dämmern an. Es ist ein großer Nachtteil hier, daß es schon um 17:30 Uhr dunkel wird, es verkürzt sehr unsere Tage. Der Rezepzionist hatte Recht und ich segne ihn für seinen Ratschlag, weil wenn wir erst zu den Ruinen gekommen wären, hätten wir hier wahrscheinlich so viel Zeit verbracht, daß  wir die beste Cenote des Urlaubes verpasst hätten.

Sagrada Cenote, wo die Maya ihre Menschenopfer reingeworfen haben:

Ein ausgerissenes Menschenherz fressender Jaguar:



Am Abend essen wir im Hotelzimmer was wir heute eingekauft haben, dann duschen wir und um 19 Uhr gehen wir zu den Ruinen, zu der geschichtlichen Vorstellung zurück. Die Ruinen wurden mittlerweile mit Seilen abgegrenzt, damit man nur auf einem Pfad laufen kann. So kommen wir zu einem kleinen Platz an, wo einige Stühle sind und man kann von hier die Vorstellung anschauen. Es dauert ca. halbe Stunde lang und wird spanisch von der Geschichte von Chichen Itza erzählt, währenddessen wunderschöne, farbige Lichter die Pyramide des Kukulkans und die anderen Ruinen beleuchten. Obwohl wir kein Wort von dem Ganzen verstehen (man kann aber Audioübersetzergerät ausleihen, wenn man will), es ist trotzdem ein großes Erlebnis, sogar ein wahres Wunder, hier an einem heißen, feuchten Tropenabend, zehntausend Kilometer weit von unserer Heimat, es zu erleben. Meine Mutter fällt mir ein. Ich konnte sie noch nicht einmal anrufen, aber ich möchte so gerne ihr dies alles erzählen, was ich hier fühle. Es ist wieder so ein Moment, das ich es verstehe, warum ich die Welt sehen will  – egal um welchen Preis! Einzigartiger und ergriffener Moment ist es, was Seltsames. Die Mücken kommen jetzt und versuchen uns anzugreifen, aber wir haben uns gut eingespritzt und diesmal hilft es wieder gut. Ich atme diesen Moment fest, tief in mich ein. Vielleicht gar fliege ich ein bißchen in die Vergangenheit zurück. Wie viel ich schon über Chichen Itza gelesen habe, noch als Teenager, von den Däniken-Büchern, wessen Konfession (Glaubensbekenntnis) bekenne ich auch selbst. Wie es unmöglich für mich schien, als ich diese Bücher gelesen habe, daß ich jemals hierher kommen könnte. Und jetzt, daß ich hier stehe, fällt mit Däniken nicht mal für eine Sekunde ein (obwohl für mich es unzweifelhaft ist, daß dieser Ort - wie auch tausend andere - mit den Außerirdischen zu tun haben...). Am diesen Tag sind wir 189 km unterwegs gewesen.



Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

Kommentare:

  1. TOLL!!!...das muss ja wirklich ein wahnsinniges Erlebnis sein.

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  2. Und P.S. Mexiko fand ich auch ganz toll und Deine Fotos sind wirklich sehr schön.

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  3. Da möchte man wirklich mal eine Zeitreise machen können und als Zuschauer alles beobachten. Wieviel Schönheit es heute noch besitzt^^

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    1. Mexiko war unsere tollste Reise und ich würde gerne nochmal dahin reisen mit einer Kombination mit Guatemale und Belize.

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