Donnerstag, 22. Juni 2017

Seychellen - Teil 11. (Tour Anse Marron - Eroberung des Paradieses)

9. Tag

Wir stehen um 6:45 auf und essen im Zimmer. Das Frühstück mussten wir am vorherigen Abend auf Tablett zusammengestellt ins Zimmer mitnehmen. Wir können aber kaum essen und packen zwischen Toastbrote Scheiblettenkäse zum mitnehmen.
Die Zeit rennt von uns, wir müssen uns beeilen, wir treffen uns mit dem Guide und der Gruppe um 8 Uhr bei dem Helikopterlandeplatz, welcher gut 10 Minuten weit von uns zu Fuß liegt.



Wir sind zu zwölft: 5 deutsche Paare und ein Paar aus Brasilien. Wir machen uns mit Andreas, Roberts kleiner Bruder auf den Weg. Er ist unglaublich höflich, er sagt sogar Sir und Madam zu uns.  ;-) Sein Erzählstil, sein Wissen, seine Vorsichtigkeit erzählen von einem Perfektionismus, was uns gut gefällt.
Ich habe schon viel über diese Tour gelesen und recherchiert, trotzdem soll es noch ein Geheimtipp bleiben und ich würde niemandem empfehlen es versuchen alleine zu machen. Aber darüber noch später. Ob man nur den Strand Source D' Argent besucht oder eben mit einer Gruppe dort durchwandert, man muß immer durch den Park L' Union Estate gehen (Eintritt 100 Rupien/6 Euro pro Person). Wir zwei gehen dort auf einer anderen Weise rein (darüber auch später) und treffen unsere Gruppe weiter hinten in dem Park. Drei lustige streunende Hunde folgen uns, die bei der Ebbe im Wasser rumhupfen und spielen.







Der L' Union Estate war eine Farm, die ein Deutscher in den 1970-er Jahren gekauft hat und es hat für etwa 350 Menschen Arbeitsplätze gegeben. Mittermayer hat viel Gutes für die Insel getan, so wie eine Hafenmole, Wasserleitungen und ein gut ausgerüstetes Inselkrankenhaus gebaut. Trotzdem hat der Ministerpräsident der Inseln ihn unerwartet enteignet und seitdem kann man in dem Park den Prozess der Kokosnussverarbeitung anschauen.

Es ist bewölkt und ab und zu nieselt es, ich habe Sorgen, daß der ganze Tag so verläuft und daß ich keinen blauen Himmel zu meinen Fotos haben werde.

Die Tour ist mit Worten unbeschreiblich und mit Bilder unwidergebbar. Was wir alles erleben, kann ich gar nicht alles zeigen, da ich nur bei den Pausen fotografieren kann und nicht auf den spannendsten Wegen.

















Wir gehen im Wasser, dann über Felsen rauf und runter, durch dick bewachsenen Dschungel, durch Felslöcher. Pures Abendteuer und ich kann es nicht oft genug sagen, es soll niemand auf eigene Faust versuchen, man würde sich verirren, verlaufen, oder noch schlimmer, vielleicht in Felsenspalten fallen und sich verletzen!











Wenn wir im Urwald laufen, halten wir oft kurze Pausen, wo Andreas alles erklärt, jede Pflanze, ihre physiologische Wirkung, ihre Heilwirkung, jedes Tier, alles. Sein Wissen ist unglaublich und das alles mit einer sehr höflichen Art. Auch beim Felsensteigen achtet er ständig auf jeden von uns, er frägt oft nach, ob alles in Ordnung ist, er macht auf Wunsch Fotos. Einmalig ist er!





Auf der Insel leben zwei Hundertfüsserarten. den einen sehen wir sehr oft.
Er ist der Riesen-Seychellen Tausendfüsser (Sechelleptus seychellarum), der bewegt sich langsam, frisst Früchte, die auf den Boden fallen und ist nicht gefährlich oder giftig. 

Der andere ist der Orthomorpha coarctata, (seinen Namen finde ich gar nicht auf Deutsch) ist flink, und sein Biss ist giftig, verursacht große Schmerzen, Entzündung und Fieber, aber nicht tödlich. Ich sehe so ein Vieh, wie gerade er unter Laub klettert, fotografieren kann ich ihn nicht mehr, deshalb ein Bild aus Wikipedia. Den kann man in den Tropen überall finden, deshalb Achtung, nicht zu nah gehen!

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Orthomorpha_coarctata




Wir kommen zu einem versteckten Strand an, zum Anse Marron und bis dahin sind die Wolken weg. Als wir aus dem Grün des Waldes raustreten, empfängt uns blendender weißer Sand, blauer Himmel und mächtige Granitblöcke. Dieser Moment ist wie ins Paradies anzukommen! - wo leider wir nicht alleine sind, eine Gruppe ist schon da und sie plantschen gerade in dem Naturbecken.
Ein Naturpool liegt vor uns, der von jeder Seite mit Felsen geschützt wird, nur die Wellen bringen zwischen den Felsen Wasser darein. Das Wasser ist azurblau und kristallklar, allerdings ist nur zum plantschen geeginet. Diesen Ort kann man nur mit einem einheimischen Guide erreichen! Alles anderes wäre mehr als unverantwortlich!














Die Gruppe teilt sich auf, jeder sucht sich einen Schattenplatz, jeder geht auf Entdeckung und jeder fotografiert alles und jenes. Es ist unmöglich ein Bild ohne fremde Menschen drin zu bekommen.
Wir baden und genießen die Schönheit des Ortes, währenddessen Andreas unser Mittagessen zubereitet. Unglaublich, was für Mengen von Obst er mit sich geschleppt hat und unglaublich, was er davon zaubern kann. Jedes Paar bekommt einen mächtigen Teller mit frischem Obst und zwei so reiberdatschiähnlichen Dingen aus Banane und vier Teigtaschen vegetarisch gefüllt (ähnlich wie Frühlingsrollen). 





Vor paradiesischen Kulissen, währenddessen riesige Fregattvögel über unseren Köpfen kreisen, essen wir die Früchte des Paradieses und ich habe ja schon solche Momente im Leben erlebt, aber dieser hier gehört erneut dazu, welcher für immer in mir fest stecken wird, welcher zu den schönsten im ganzen Leben gehört und welchen ich will, daß er nie aufhört.










Jedes Paar zieht sich in sein Schattenloch zurück und verzehrt mit Genuß seinen Obstteller in dem Paradies. Danach brechen wir zusammen Kokosnüsse auf und lernen, wie man sie aufmacht, wie man das Fleisch ausschneidet. Wir waren hier vielleicht zwei Stunden und ich will nie mehr weggehen. Zwischendurch kommt schon die Flut und langsam wird das Wasser wilder und immer mehr in dem Becken, daß man sogar schon schwimmen kann.








Als wir zum Weitergehen bereit sind, erscheint auf einmal Robert mit einem Freund und so gehen wir verstärkt weiter. Als ob die Götter es wüssten, daß wir das Paradies verlassen, geben uns strömendes Wasser aus dem Himmel. Innerhalb Sekunden wird es bewölkt und fängt an stark zu regnen und hört gute halbe Stunde lang nicht auf. Wir fühlen uns wie nasse Hunde. Alles an uns ist nass, in alle unsere Löcher läuft Wasser rein und wir spucken Wasser, aber es stört uns trotzdem nicht. Es ist geil, es ist abenteuerlich, und der Regen ist warm. Hier freue ich mich erneut über den wasserfesten Seesack, da der Rucksack trotz Schutzhülle komplett innerlich nass wird, solang bleiben unsere Sachen, die Kamera in dem Seesack gut geschützt.





Ab hier wird die Tour kein Spielchen mehr. Wir müssen hart über Felsen steigen. Oft sind Stellen, wo man allein gar nicht schaffen kann runterzukommen. Hier herrscht eine tolle Teamarbeit. Einer lässt den einen von oben runter, der andere stützt von unten, der dritte hebt den Rucksack über Felsen. Oft müssen wir durch Löcher kriechen, worein die Wellen reinspülen. Ab und zu wird ein Schienbein oder Knie abgeschürft, manche Hosen zerreisen und manche Sonnenbrillen landen in Felsenlöchern.  Pures Abenteuer und wir genießen es! Es soll wirklich niemand allein probieren! Er würde die Wege, die Schritte nie finden, er würde sich verirren, oder abrutschen und in ein Felsenloch landen. Es ist schon passiert, daß hier Menschen gestorben sind, die es versucht haben.




die Frucht von Schraubenpalmen (Vacoa)





Als der Regen aufhört und die Sonne wieder scheint, trocknen wir schnell. Robert klettert auf Palmen, wie es nichts wäre, wie er nur über eine Leiter laufen würde und holt uns Kokosnüsse runter, die professionell aufgemacht werden. Wenn wir Pause machen, bekommt jedes Paar eine frische Kokos, deren Saft wir austrinken und deren Fleisch wir mit einem schnell improvisierten Holzlöffel auskratzen und essen können. 













Zum Schluß kommen wir zum Grand Anse an. Es ist gegen 16 Uhr, es war eine lange Tour, trotzdem würden wir nie aufhören wollen, weil solche Erlebnisse bekommt man nicht jeden Tag und vielleicht nie mehr im Leben!

Wir haben es tierisch genossen! Es war der schönster Tag unseres Urlaubes und dazu kommt noch, daß wir heute Monatswende haben, was wir nach 15 Jahren noch immer jedesmal feiern, für diesen Tag hätten wir kein schöneres Geschenk bekommen können. Am liebsten würden wir es morgen nochmal mitmachen, aber dafür sind unsere Tage auf der Insel zu kurz.

Bei dem Grand Anse warten wir noch zeitlang auf ein Taxi, was letztendlich ein Pick up LKW ist und wir alle auf seinem Plateau, wie Rindviecher bei dem Transport sitzen. Und es ist auch lustig und cool! Jeder ist euphorisch und glücklich! Wir werden diesen Tag im Leben nie vergessen! Danke für Robert und Andreas!!!

Andreas und Robert

Homepage  von Robert Agnes: www.sunnytrailguide.net
Die Tour hat pro Person 40 Euro gekostet, was wirklich preiswert ist.
Die Jungs haben diese Tour jahrelang herausgedacht, ausgearbeitet, sie haben jeden Schritt in dem Kopf und sie erklären bei jedem schweren Abschnitt im Voraus, wie es weitergeht, wie man treten muß, und sie helfen mit sehr großer Professionalität, damit kein Unfall passieren kann. Jeder, wer sich nicht an diese Ratschläge festhält, ist selber schuld, wenn was passiert. Trotzdem fühlen die Jungs sehr große Verantwortung für ihre Gäste und ich kann nur sagen, sie sind fantastisch. Es war fantastisch! Und ich kann die Jungs und die Tour nur weiterempfehlen!

Kommentare:

  1. Liebe Andi,
    so viel sehen dürfen, was mich fasziniert...ein Traum....
    Vielen Dank für dieses Genießer- und Urlaubsgefühl, was Ihr mir durch Eure Reisen
    schenkt, besonders in dieser Reise!
    Nun war ich tatsächlich auch auf den Seychellen, wer hätte das gedacht....

    Heute schicke ich dir Glücksgrüße
    mit meinem Marienkäferfreund,
    herzlichst
    Monika*

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    1. Schön, daß die es das Gefühl gibt, als ob du auch dort wärest.
      Liebe Grüße

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  2. Was für eine tolle Reise. Danke für die wunderschönen Bilder. Freue mich schon auf weitere.
    Liebe Grüße, Angelika

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    1. Danke Angelika, und natürlich kommt noch weiteres.
      Liebe Grüße

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  3. Eine tolle Tour liebe Flögi; da kann ich mir sehr gut vorstellen wie beeindruckt ihr gewesen seid. Das ist wirklich Abenteuer pur, und besonders schön das es auch mit der Gruppe gepasst hat. Schlimm wäre es wenn darunter ein "Stinkstiefel" wäre.

    Tja, mit den Toten glaube ich auch gerne. Gibt ja immer so Unverbesserliche die meinen jede Warnung in den Wind schiessen zu müssen. So hart es sich anhört, aber wenn dann was passiert kann ich die Menschen nicht bedauern. Mir tun dann immer nur die Retter leid.

    Ich danke dir auch dass du uns so klasse bebildert mitgenommen hast.

    Liebe Grüsse

    N☼va

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    1. Ja , dieser Tag war der schönste von dem Urlaub und habe ich schon vor paar Tagen meinem Mann gesagt, wenn die Seychellen nicht so verdammt weit weg wären, würde am nächsten Tag nur für diese Tour hinfiegen und an dem Tag darauf zurück. ;-)
      Liebe Grüße

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  4. Der Strand ist ohne Zweifel einer der schönsten der Insel La Digue. Mich hat nur der touristische Massenauflauf dort gestört....das war ich von den anderen Stränden so nicht gewöhnt. Auch die 100 Rs. Eintritt sind nicht so erfreulich, aber die habt ihr euch ja gespart.
    Die dreieckigen Teigtaschen nennen sich in Indien Samosas...die kreolische Küche ist doch sehr stark von den Indern geprägt, was mir sehr gut gefällt. Vor allem die Currys mag ich.
    Am Strand Source d'Agent haben wir auch genau diesen giftigen Huntertfüßler entdeckt. Bloß gut, dass der Rest hier ungefährlich ist.
    LG Sigrun

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    1. Hallo Sigrun,
      aber auf die Wanderung zu Anse marron wart ihr nicht, wenn ich dich gut verstehe?
      Liebe Grüße

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    2. Nein, geführte Wanderungen mag ich nicht so gerne. Wir sind alleine ein Stück den Weg durchs Wasser gegangen und haben Fotos gemacht...das hat gereicht. Ich fand diese Gegend dort einfach zu touristisch und ständig kam so einen Wandergruppe entgegen. Wir waren an anderer Stelle herumgeklettert...was du gerade einen Tag später beschreibst. Dort, wo der Radweg endet. Danach ist mir jedes weitere Felsklettern vergangen...kannst du dir sicher vorstellen.
      LG

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